Das kleine Gespenst

Autor*in
Preußler, Otfried
ISBN
978-3-7456-0187-9
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Sprecher*in
Umfang
116  Minuten
Verlag
Silberfisch
Gattung
AudioFantastik
Ort
Hamburg
Jahr
2021
Alters­empfehlung
4-5 Jahre6-7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
13,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Teaser

Das kleine Gespenst wohnt in einem Schloss und erwacht stets zur Geisterstunde um 12 Uhr Mitternacht. In dieser Stunde geistert er durch die Schlossräume und besucht seinen Freund, den Uhu. Pünktlich um 1 Uhr wird es dann wieder müde und legt sich zur Ruhe, da sein Schlaf-Wachrhythmus an die Rathausuhr gekoppelt ist. Doch diese Uhr wird bei einer Reparatur um 12 Stunden verstellt und nun geistert es von 12 – 1 Uhr am Tage. Zwar empfindet es die Situation als spannend, die Welt im Hellen zu sehen und Vieles, was die Menschen so treiben, kräftig durcheinander zu bringen, doch dass es plötzlich schwarz ist, es ständig verfolgt wird und die Polizei es sucht, macht ihm Angst und es will nur noch schnell zurück in sein früheres Leben. Gut, dass ihm die Kinder in seiner Not helfen.

Beurteilungstext

Hier handelt es sich um ein Hörspiel auf zwei CDs mit insgesamt 116 Minuten Spiellänge. Die Geschichte wurde von Otfried Preußler (1923-2013) geschrieben und zählt zu den Klassikern der Kinderliteratur. Die Hülle ist aus dünnem Karton gefertigt und innen mit zwei Kunststoff-Teilen zum Eindrücken der beiden CDs ausgestattet. Interessant gelöst finde ich, dass in der aufklappbaren Hülle im Innenteil eine Darstellung des kleinen Gespenstes in seiner weißen Gestalt zu erkennen ist, wie es in der Nacht über Schloss Eulenburg schwebt. Nimmt man die erste CD heraus wird das kleine Gespenst, in seiner schwarzen Form, bei Tageslicht über der kleinen Stadt sichtbar. Beide Darstellungen sind die Gleichen, die auch im Buch zu sehen sind, jedoch in Farbe. Ich finde dies gut gelöst, so dass die Kinder eine Vorstellung über den Handlungsort, das kleine Gespenst und sogar über den Uhu erhalten, da es sich um ein feststehendes Äußeres handelt, ähnlich dem „Pumuckel“.
Das kleine Gespenst hat Generationen von Kinderherzen erobert. Eigentlich ist doch ein Gespenst etwas eher Gruseliges, doch es wird im Buch - wie auch in diesem Hörspiel - sehr einfühlsam vorgestellt, so dass es schnell zum geliebten Helden wird. Im Gegensatz zu früher werden Kinder durch „Halloween“ bereits intensiver mit der „Geisterwelt“ konfrontiert. Doch ich denke, es ist ein Stückweit intensiver, wenn der Zauberschlüssel rasselt, die Rathausuhr schlägt oder Türen und Kisten geheimnisvoll knarzen. So ein wenig Gänsehaut ist doch recht beliebt. Die Vielfältigkeit dieser CDs wird bereits an der großen Sprecher- und Mitwirker-Menge deutlich. Allein 12 Rollen und 14 weitere Mitwirkende sind beteiligt, so dass die Geschichte zum echten Hörerlebnis wird. Die Sprecherin des kleinen Gespenstes - sowie die Erzählerin - sprechen ihre Rollen sehr intensiv und transportieren die Gefühle sehr eindeutig. Der Spannungsbogen lebt immer wieder auf in dieser Geschichte, findet jedoch in den beiden letzten Kapiteln ihren Höhepunkt.
Vielfach wurde bereits in meiner beruflichen Praxis darüber diskutiert, inwiefern alte Texte und Geschichten, die sich durch ihren Wortschatz und Spracheinsatz deutlich von unserem Alltagssprachgebrauch unterscheiden, noch zeitgemäß sind. Die Geschichten, insbesondere von Otfried Preußler, wurden gerne den „Schlafkindern“ in der KITA vorgelesen. Doch mit der den Jahren wuchs der Migrantenanteil sowie der Kinder mit geringem Sprachschatz, so dass diese Kinder die Geschichten nicht mehr wirklich verfolgen konnten. Nun sind die Geschichten wesentlich flexibler, wenn ein Vorleser/Leserin mit Gestik, Mimik, Erklärungen... die Länge der Geschichte beeinflussen kann.
Hier handelt es sich jedoch um eine Audio CD, die - einmal eingelegt - bis zu einer Stunde läuft. Ich denke, der Erwachsene sollte den Entwicklungsstand der Kinder im Auge behalten und bei jüngeren Kindern das Hören begleiten. Ich habe es als schwierig empfunden, passende Schlusspunkte z. B. für eine „Gute Nachtgeschichte“ zu finden. Das Hörspiel bietet diese Abschnitte an, indem ein kurzes Musikstück eingeschoben wird, jedoch ist der gesprochene Teil oft recht lang. Weiterhin, wird öfter in recht spannenden Passagen eine Pause eingeschoben. Da sinken die kleinen Zuhörer sicherlich nicht beruhigt und schläfrig in die Kissen, sondern möchten weiterhören oder haben Nachfragen.
Was mit gut gefällt, sind die musikalischen Stücke. Sie wurden von Henrik Albrecht als Mitternachtsmusik eigens komponiert. Sie unterstützen die Geschichte sehr harmonisch und sind klassisch. Ich empfinde es als Bereicherung, Kindern auch an diese Musikrichtung heranzuführen. Die musikalische Untermalung hält für die „gruselige“ Atmosphäre einen „Huuuii-Sauseton“ bereit, den ich für sehr gelungen halte.
Ich denke, dass diese beiden CDs eine Bereicherung darstellen und sicher vielen Kindern ein spannendes Hörerlebnis vermitteln werden. Mein Fazit lautet: Sehr empfehlenswert.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von KaCr; Landesstelle: 19 Nordrhein-Westfalen.
Veröffentlicht am 15.03.2022

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