Cowboy, Goldgräber und 98 andere Jobs aus dem Wilden Westen

Autor*in
Coulter, Laurie
ISBN
978-3-414-82053-2
Übersetzer*in
Gallus, Christine
Ori. Sprache
Englisch
Illustrator*in
Newbigging, Martha
Seitenanzahl
96
Verlag
Boje - Pestalozzi
Gattung
Ort
Erlangen
Jahr
2007
Lesealter
8-9 Jahre10-11 Jahre12-13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Klassenlektüre
Preis
14,90 €
Bewertung
empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

100 Berufe, die man in den Tagen des “Wilden Westens” in Nordamerika kannte und ausübte, werden in kurzen Texten vorgestellt und mit Karikaturen illustriert.

Beurteilungstext

Cowboys, Goldgräber oder Gangsterbraut - welches Kind träumt nicht irgendwann von einem späteren Leben in einem solch aufregenden und ohne große Schulbildung auszuübenden Beruf? Geschichten wie die Karl Mays oder entsprechende Filme nähren in jeder Generation solche Wünsche und zementieren das Bild eines rauen, aber ehrlichen und geradlinigen Lebens in freier Natur und an der Seite treuer Tiere. Das gilt sowohl für die Länder, in denen so ein Leben vielleicht vor 150 Jahren einmal möglich war (z.B. auch Kanada, woher dieses Buch stammt), als auch für schon lange “verstädterte” Länder wie die Europas, wo eine solche Zeit, wenn es sie denn jemals gab, noch weitaus länger zurückliegt.
Wer hier aber das Hohelied auf das zwar vergangene, aber wundervolle Leben dieser Pioniere erwartet, sieht sich enttäuscht. Natürlich kommen viele “Traumberufe” vor, aber deren Schilderung erfüllt kaum die Sehnsucht nach einem paradiesischen Naturleben, sondern weist ausdrücklich und ständig auf die großen Mühen und Unzulänglichkeiten eines Lebens an der Wildnisfront hin, die realistisch und manchmal fast unangenehm plastisch geschildert werden. Dazu kommt eine Beschreibung von zahlreichen Berufen, die auf den ersten Blick nicht typisch für den “Wilden Westen” sind, aber in die Frühzeit der amerikanischen Landeroberung ebenso gehören wie die Darstellung von Arbeitssituation und Ausbeutung, die der Zeit der beginnenden Industrialisierung und eines zunehmenden Kapitalismus zuzurechnen sind. Vor allem diese anschaulichen Porträts des Arbeitsalltags rücken das Bild von einer “guten alten Zeit” gründlich zurecht, zumindest was die Bedingungen des Arbeitslebens, die Rechte und Pflichten der arbeitenden Bevölkerung angeht.
Hat man zu Beginn des Buches manchmal noch den Eindruck, der Realismus der Beschreibung und die Ernsthaftigkeit der Information würden dem witzigen Ausdruck, dem wohlfeilen Gag und auch der cartoonhaften Ironie geopfert, so erweist sich der optisch leichtgewichtige Band zunehmend als um Aufklärung und auch Stellungnahme zu sozialen und arbeitspolitischen Fragen bemüht. Dem entgegen steht die doch allzu comichafte Illustration, die zwar hinreißend direkt und gleichermaßen linkisch-treffend angelegt ist und mit Sprechblasen und Geräuschsilben protzt, andererseits gerade besonders ernsthafte Situationen ins Lächerliche zieht. Dem muss man aber zugutehalten, dass wohl nur auf diesem Wege ein jugendlicher Leser “bei der Stange” bleibt und die Sachinformationen “schluckt”. In gewissem Sinne ist dieses Buch also eine Mogelpackung, aber eine von der empfehlenswerten Sorte.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von bh .
Veröffentlich am 01.01.2010

Weitere Rezensionen zu Büchern von Coulter, Laurie

Coulter, Laurie

Cowboy, Goldgräber und 98 andere Jobs aus dem Wilden Westen

Weiterlesen
Coulter, Laurie

Cowboy, Goldgräber und 98 andere Jobs

Weiterlesen