Ans andere Ende der Welt

Autor*in
Pullman, Philip
ISBN
978-3-551-32003-2
Übersetzer*in
Gittinger, Antoinette
Ori. Sprache
Englisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
751
Verlag
Carlsen
Gattung
FantastikTaschenbuch
Ort
Hamburg
Jahr
2020
Lesealter
12-13 Jahre14-15 Jahre16-17 Jahreab 18 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
11,99 €
Bewertung
empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Nachdem Pullman mit "Über den wilden Fluss" die Vorgeschichte zu seiner Trilogie um Lyra und Will und ihre Reisen in verschiedenen Welten verfasst hat, erzählt er hier die weitere Geschichte von Lyra, die mittlerweile erwachsen ist und als Studentin in Oxford lebt. Ein dritter Band dieser Folge-Trilogie ist geplant, aber ein Erscheinungsdatum steht noch nicht fest.

Beurteilungstext

Die Grundannahme von Pullman ist, dass unendlich viele Parallelwelten existieren und dass es unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist, zwischen diesen Welten hin- und herzureisen. Lyra lebt in einer Welt, in der jeder Mensch einen „Dœmon“ hat, ein Wesen in Tiergestalt, und sich nicht von diesem trennen kann. Nur in ganz besonderen Situationen geschieht so eine Trennung, und Lyra und ihr Dœmon Pantalaimon, ein Marder, haben diese vor vielen Jahren erlitten. Damals musste Lyra einen Freund von einem Ort retten, den die Dœmonen nicht betreten dürfen.
Sie und Pan haben sich dadurch voneinander entfremdet, worunter sie sehr leiden. Noch dazu erstarken konservative und machthungrige Kräfte in den kirchlichen Organen. Es geht, wie bereits in den ersten drei Büchern, um den „Staub“, der genau die dunkle Materie sein könnte, die der Trilogie den englischen Titel gegeben hat: „His Dark Materials“. Diese zweite Trilogie nun heißt im Original „The Book of Dust“ – der Staub weckt Begehrlichkeiten.
Diese Rezension kann nicht der Ort sein, um Pullmans philosophische Überlegungen und Vorstellungen nachzuvollziehen. Es muss an dieser Stelle reichen, dass er sich sehr intensiv mit verschiedenen physikalischen und philosophischen Theorien auseinandergesetzt hat und aus dieser Auseinandersetzung seine Welten mit ihren jeweiligen Möglichkeiten entwickelt.
Wichtiger ist an dieser Stelle der Handlungsverlauf: Lyra und Pan müssen aus widrigen Umständen heraus jeweils alleine auf eine große Reise gehen, die sie „bis ans Ende der Welt“ führt. Ihr persönliches Ziel dabei ist, dass sie ihre Trennung überwinden und dadurch aus ihren tiefen Einsamkeitsgefühlen herauskommen können. Aber sie sind, wie auch schon in den anderen Bänden, auch auserwählt, größere Dinge in Gang zu setzen. Dabei treffen beide auf viel Elend: brutale Söldnertrupps, Flüchtlinge ohne Hoffnung, Mordanschläge und Elend ausgebeuteter Menschen. Pullman greift sehr viel deutlicher als früher aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen auf und gestaltet sie so um, dass sie sich in Lyras Welt einfügen.
Das ist zugleich Stärke und Schwäche des Buches. Besonders in den ersten beiden Bänden, „Der goldene Kompass“ und „Das magische Messer“, ist wesentlich stärker auf das Erleben der Kinder bzw. Jugendlichen Lyra und Will fokussiert. In diesem Band springt Pullman in sehr kurzen Episoden und Abschnitten zwischen verschiedenen Handlungssträngen hin und her, und die Atmosphäre vor allem von Lyras bzw. Pans Reise entfaltet sich nicht wirklich. Auf der anderen Seite wird durch den Bezug zu aktuellen Ereignissen aus der Realität der Leser*innen deutlich, dass diese Auseinandersetzung im Rahmen eines fantastischen Romans relevant ist für uns. Dass uns das alles etwas angeht. Und dass Ereignisse im Wirtschaftlichen, Politischen, Gesellschaftlichen immer etwas zu tun haben mit „Weltanschauungen“.
Pullmans Fantasie und Fähigkeit, kohärente fantastische Schauplätze, Wesen und Möglichkeiten zu erschaffen, ist großartig. Gerade die Gestaltung einer Parallelwelt, die so viele Ähnlichkeiten zu unserer Realität aufweist, aber eben doch anders ist, ist eine Herausforderung. Und Pullman macht nie den Fehler, zu viel zu erklären. Wir müssen uns auf die Welt einlassen und das Gefühl annehmen, dass irgendetwas nicht stimmt, verfremdet ist, und trotzdem vertraut.
Leider ist die Übersetzung nicht gelungen. Ob es an der Übersetzerin oder am wenig sorgfältigen Lektorat liegt, ist schwierig zu sagen, aber es gibt recht häufig Sätze, denen man die Übersetzung aus dem Englischen deutlich anhört und die so im Deutschen holperig klingen. Das macht ein Eintauchen in die Atmosphäre und das Erleben der Protagonist*innen schwer.
Und auch der deutsche Titel ist weniger aussagekräftig und auch weniger deutungsoffen und Vorstellungen anregend als der Originaltitel „The Secret Commenwealth“.
Trotzdem ist das natürlich ein gelungenes, spannendes, berührendes und nachdenklich machendes Buch, und die Spannung, mit der der nächste Band (wird das dann der letzte über Lyra sein?) erwartet wird, ist groß.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von Gudrun Stenzel; Landesstelle: 15 Hamburg.
Veröffentlicht am 08.06.2022

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