AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

7687 aktuelle Rezensionen, weitere 78295 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Thomas, Angie,     
Titel:
Concrete Rose
ISBN:
978-3-570-16605-5  
Übersetzer:
Zeltner-Shane, Henriette
Originalsprache:
Amerikanisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
414
Verlag:
cbj, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
20,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Mit den Homies aus der Gang Basketball spielen, die Zeit mit der neuen Freundin genießen und dank ein paar geschickt eingefädelter Deals immer etwas Kohle extra in der Tasche haben - Mav´s Leben ist zwar nicht perfekt, aber erträglich. So könnte es immer weitergehen. Doch dann wird der 17-jährige plötzlich Vater und das ändert alles.
[SJ 25 Thüringen]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Rassismus / Jugend / Adoleszenz
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
„Concrete Rose“ erzählt die Geschichte von Mav, der eigentlich Maverick heißt und der jetzt die Verantwortung für einen kleinen Jungen tragen muss. Das leisten, dealen, einen Schulabschluss machen, seine Ma unterstützen; alles zusammen schafft Mav einfach nicht. Er will aus der Gang aussteigen, doch die King Lords lassen niemanden so einfach ziehen.
Das Buch ist der dritte Roman der afroamerikanischen Autorin Angie Thomas und spielt erneut in einer ungenannten amerikanischen Großstadt in dem (fiktiven) Stadtviertel Garden Heights, einem Viertel, das von wiederkehrenden Unruhen zwischen zwei rivalisierenden Straßengangs geprägt wird. Maverick wird später noch eine Tochter bekommen: Starr, Hauptprotagonistin in Thomas´ Debütroman „The Hate U Give“. Hier nun nimmt uns der junge Mav als auktorialer Erzähler mit in seine so gegensätzliche Welt, die immer mehr zur Zerreißprobe wird zwischen Verantwortung, Loyalität und Rache. Durchgehend im Präsens berichtend ist Mav selbst das wichtigste Stilmittel. Dank ihm sind wir immer mittendrin, können eine solche Nähe zu ihm aufbauen. Unbedingt muss an dieser Stelle auch schon auf die großartige Coverillustration von „Concrete Rose“ hingewiesen werden, die Mav zeigt: Die Muskeln gespannt, die dicke Halskette blitzend unter dem herausfordernd gereckten Kinn, schaut er uns abschätzend an. Und wir fühlen sofort eine Verbindung zu ihm, zu dem viel zu schnell erwachsen gewordenen Teenager, der Ruhe in den kleinen Dingen des Lebens findet und sich doch über so harte Sachen den Kopf zerbrechen muss: „Ich schnappe mir den Besen. Mr. Wyatt sagt immer, Kehren gibt ihm Zeit zum Nachdenken. Genau die brauche ich jetzt. Bis heute war ich sicher, das Ant Dre getötet hat. Er hat gesagt, mein Cousin hätte es verdient, zu sterben. Das ist genauso schlimm, wie damit anzugeben, dass er ihn umgelegt hat. Aber was, wenn er´s nicht war?“ (S. 302)
„Concrete Rose“ erzählt jedoch auch die Geschichte von Starrs Vater, und obwohl der Roman unabhängig von „The Hate U Give“ gelesen werden kann, gewinnt er gerade in der Verbindung noch einmal an Stärke: Angie Thomas spricht in beiden Werken Themen wie das Gefängnissystem in den USA an, den problematischen Umgang der amerikanischen Polizei mit People of Color oder auch das, was die Autorin in einem Interview „over-policing“ nennt: die allumfassende Polizeipräsenz in bestimmten Vierteln. Jedoch zeigt „Concrete Rose“ eine Community fast 20 Jahre vor dem Anfang von „The Hate U Give“ und wir erkennen: So viele Dinge, die in Starrs Welt, also im Heute passieren, sind auch damals schon geschehen. Was ist da los? Welche Probleme sind das in einem System, das es diesem Kreislauf ermöglicht, immer weiter zu gehen?
Fazit: Ein wirklich empfehlenswerter (Bildungs-)Roman zum Thema Rassismus, der uns alle anspricht. Ab 14 Jahren empfohlen und gerade für den Unterricht mit dieser Zielgruppe geeignet, bietet er viele Potentiale: für die Jugendlichen, die selbst von Rassismus betroffen sind und sich in Mav´s Geschichte wiederfinden; aber auch für jene, die (noch) nicht damit konfrontiert wurden. Besonders ihnen will die Autorin wichtige Denkanstöße mitgeben. Im Interview zum Buch appelliert sie an die jungen Leute, zuzuhören, „wenn Menschen mit anderer Hautfarbe sich zu Rassismus äußern und nicht (zu) versuchen, Dinge schön zu reden. Wenn du Rassismus siehst, sprich es aus. Verhindere es. Es braucht uns alle, es auszusprechen und dafür zu stehen, damit Rassismus wirklich endet.“
[SJ 25 Thüringen]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.