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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Opitz, Silke,     
Titel:
Das therapeutische Nashorn
ISBN:
978-3-95763-499-3  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Hattenhauer, Ina
Seitenanzahl:
48
Verlag:
Revolver Publishing, Berlin
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
19,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Spielzeugnashorn Tipsy hilft Kindern dabei, gesund zu werden. Genau wie seine Freunde, das Nashorn Mocky und die Ente Elfriede. Doch während Tipsy in einer Klinik im Osten „arbeitet“, wird Mocky wie die meisten anderen Rupfentiere aus der Spielzeugwerkstatt in Sonneberg in den Westen geschickt. Warum das? Und werden sie sich jemals wiedersehen?
[ar 25 Thüringen]
       
Lesealter:
4 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Ja
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Geschichte / Zeitgeschichte / Spielzeug / Handwerk / Sonneberg
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Vor dem Hintergrund des geteilten und wieder vereinigten Deutschlands erzählen Autorin und Illustratorin die Bilderbuchgeschichte von Tipsy, einem Spielzeugnashorn aus dem thüringischen Sonneberg. In der DDR gab es diese Spieltiere in vielen Kindereinrichtungen und Kliniken. Dann wurde es lange Zeit still um die Rupfentiere, bis sie im vereinten Deutschland wiederentdeckt wurden. Inzwischen sind sie erneut heiß begehrt und weltweit nachgefragt. Den verdienten Ruhm brachten den handgefertigten Spieltieren und ihrer Schöpferin Renate Müller nicht zuletzt Ausstellungen in einer New Yorker Galerie und der MoMA und die weltweite Verbreitung und therapeutische Nutzung bis nach Japan. Und nun gibt es dazu das passende Bilderbuch! Gewidmet ist es der 1987 verstorbenen Spielzeug-Designerin und Lehrerin an der Fachschule für angewandte Kunst Helene Häusler. Sie war es, die - vom Bauhaus beeinflusst - ihren Studenten die Anregung und Idee für die Herstellung der Rupfentiere gab. Die Renaissance dieser großartigen Spielzeuge hat sie allerdings nicht mehr erlebt. Es ist eine fiktive Geschichte, die reale zeitgeschichtliche Fakten unaufdringlich und geschickt mit einer spannenden und fantasievollen Handlung und ansprechenden farbigen Illustrationen zu einem rundum gelungenen Bilderbuch verbindet. Zugegeben, eine Geschichte über die Herstellung von therapeutischen Spielzeugen scheint auf den ersten Blick ganz aus dem Rahmen der aktuellen, angesagten Kinderliteratur zu fallen, doch herausgekommen ist ein echtes „Highlight“, das auf liebenswerte Art sowohl Kinder als auch Erwachsene für sich einzunehmen vermag. Hauptperson ist ein „ganz besonders echtes Nashorn“, das Spielzeugnashorn Tipsy. Sein Weg, wie auch der seiner Freunde, Spielzeugente Elfriede und Nashorn Mocky, beginnt zwar in der gleichen Spielzeugwerkstatt, führt sie dann aber weit auseinander in ziemlich verschiedene Welten. Während Tipsy im Osten bleibt, gelangt Mockey in den geheimnisvollen Westen. Genauer gesagt: es wird dorthin „exportiert“. Was „exportieren“ genau ist, fragt sich Tipsy. Und nicht nur das. Denn es geschehen viele Dinge, die es sich nicht erklären kann: Warum soll es in eine Kinderklinik, wenn es doch gar nicht krank ist? Soll ihm etwa das Nashorn abgeschnitten werden, weil Doktor Finger und die Kinder sich daran stören? Warum wird Mocky in einem Paket verschickt? Und was bedeuten die beiden aufgenähten Ringe an Tipsys, Elfriedes und Mockys Po? Sind es wirklich Zauberringe? Wie bedient man sie und kann man mit ihnen wirklich „telepathieren“? Was bedeuten „Osten und Westen", „Export“ und „Devisen“ und all die anderen merkwürdigen und unbekannten Worte im Leben der Spielzeugtiere? Das alles erklärt der Kontext so stimmig und geschickt, dass Kinder die komplizierten Zusammenhänge und Zeitumstände verstehen können. Indem sie Tipsys Gedankenwelt nachvollziehen, gelangen sie zu Antworten und folgen dem sich steigernden Spannungsbogen der Handlung über den Verlust des Freundes und imaginäre Reisen bis zu einem Wiedersehen und glücklichen Aussichten nicht nur für die Rupfentiere.
Wirklichkeitsgetreue, fröhliche Illustrationen von Ina Hattenhauer begleiten den Text. In ihnen lassen sich auf den ersten Blick die originalen Rupfentiere erkennen. Hattenhauer hat deren Form und Farben übernommen: Rot und Blau für die kleineren Lederteile und Grau-Braun für den Jute-Körper der mit Holzwolle gestopften Spielzeuge. Die unterschiedliche Materialbeschaffenheit wurde durch verschiedene Strichart angedeutet: So sind die roten und blauen Flächen vollständig ausgemalt und assoziieren das glatte Material Leder. Die grobe Struktur des Materials Jute wird durch eine feine Schraffierung verdeutlicht. Die drei Farben ziehen sich als Grundfarben vom Coverbild an durch das gesamte Buch. Die Illustrationen greifen die Handlung auf und verbildlichen Textszenen und handelnde Personen. Ganz vereinzelt finden sich auf den lebendigen Bildern voller großer, kleiner, dicker und dünner Kinder, die mit Tipsy spielen, schmusen und auf ihm turnen, kleine Details in Gelb- oder Grüntönen. Ebenso wie in den bildlichen Szenen aus der Spielzeugwerkstatt oder den Kliniken, vom Versenden der Pakete oder dem Passieren der Grenze… Es gibt viel zu schauen, zu entdecken und auch zu schmunzeln. So etwa der Blick in die DDR-Wirklichkeit auf das an der Wand im Pausenraum hängende, abgeschnittene Porträt im Bilderrahmen… Kinder oder Erwachsene können in Text und Bild das entdecken, was sie jeweils anspricht und ihnen Spaß macht. Das sind auch Assoziationen zu Themen wie Freundschaft, Trennung, Auseinanderleben und Annäherung, die Tipsy reflektiert und kommentiert. Ein kurzer unterhaltsamer und ebenfalls illustrierter Sachteil auf den letzten beiden Seiten des Buches schließt sich Tipsys Geschichte an und bietet interessante Fakten für all diejenigen, die mehr zur Herstellung der Rupfentiere erfahren wollen. Nicht nur aus „lokalpatriotischer Sicht“ ist das Buch zu empfehlen. Meine Enkelkinder lieben es, auch weil es ein beinahe verlorenes Kunsthandwerk vor dem Vergessen rettet!
[ar 25 Thüringen]
  
       

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