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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Hardy, Vashti,     
Titel:
Das Wolkenschiff - Die Legende vom Feuervogel
ISBN:
978-3-8458-4273-8  
Übersetzer:
Attwood, Doris
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Schneider, Frauke
Seitenanzahl:
386
Verlag:
arsEdition, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Das Wolkenschiff
Jahr:
2021
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Die Zwillinge Arthur und Marie begeben sich wieder auf eine gefährliche Expedition, angeführt von Harriet Culpfeffer und ihrer Crew. Eine ganze Flotte von Wolkenschiffen macht sich mit ihnen auf die Suche nach dem vermissten Entdecker Everest Wrigglesworth. Doch der zwielichtigen Forscherin Eudora Vane ist es besonders wichtig, die entlegenen östlichen Inseln anzusteuern. Warum wohl? Und was hat es mit der Legende um den Feuervogel auf sich? Freu dich auf ein spannendes Abenteuer.
[WS 25 Thüringen]
       
Lesealter:
12 - 15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / fantastisch / märchenhaft / Fremde Kulturen / Freundschaft / Gefühle / Spannung / Technik
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Mit großer Vorfreude und Erwartung habe ich den zweiten Band herbeigesehnt und ich bin nicht enttäuscht worden. Im Gegenteil; mich hat dieses Abenteuer mit den Zwillingen noch mehr begeistert und gefesselt. Von der ersten bis zur letzten Seite verfolgt man dieses aufregende, abwechslungsreiche, faszinierende und fantastische Abenteuer der Geschwister Arthur und Marie mit ihrer Anführerin Harriet Culpfeffer und deren Crew, mit voller Spannung. Es ist sinnvoll, auch den ersten Band gelesen zu haben, dann kann man nicht nur die familiären Zusammenhänge der Entdeckerfamilien etc. besser einordnen. Marie ist pragmatisch und nachdenklich, zwei Eigenschaften, die sie zu einer ausgezeichneten jungen Ingenieurin machen. Arthur ist sehr klug und belesen, aber er hat die Tendenz zu handeln, ohne vorher nachzudenken. Hin und wieder fanden sich die Geschwister dadurch in brenzligen Situationen wieder. Auch auf ihrer Abenteuerreise nach dem Entdecker Wrigglesworth können wir hautnah miterleben, wie Marie vehement und strebsam an ihrer geheimen Konstruktion schraubt und bastelt, fast schon besessen von ihrer grandiosen Idee. So kann sie der Crew und ihrem überraschten Bruder dann ein Miniatur-Wolkenschiff präsentieren. Damit bewirkt sie einen bleibenden Eindruck, der mit Applaus gewürdigt wird. Harriet meint, das wäre eine Patentierung wert. Doch der eher verschlossene Arthur fühlt sich teils unbeachtet und unnütz, dazu werden auch noch seine Ansichten und Feststellungen zu einer möglichen Spur des Entdeckers von den anderen Crewmitgliedern nicht ernst genommen. Immer wieder stößt Arthur auf das Wort „Erythea“, und er ist sich sicher, dass dort auch der Vermisste zu finden sein wird. Er kann Marie mit seinen Beweisen dafür dennoch nicht überzeugen, und es kommt zwischen beiden Geschwistern leider zu einer heftigen und folgenschweren Auseinandersetzung. Während die Besatzung feiert, nutzt die hinterhältige und verlogene, skrupellose Entdeckerin und Tante der Zwillinge, Eudora Vane, die Gelegenheit und flieht mit ihrer Mannschaft auf der Aurora gen vierten Kontinent. Der Adrenalinspiegel steigt, sowohl beim Leser als auch bei den Protagonisten. Wir dürfen mitfiebern, wie Arthur diese „Entführung“ übersteht; wie Marie ihm in ihrem Wolkenkanu und Harriet, Felicitas und Welby in einer kleineren Version der Aquafreedas folgen. Die Autorin beschreibt so ausschmückend und packend, so dass wir uns am Ort des Geschehens fühlen. Wir ängstigen uns mit den „Guten“ und hoffen auf gerechte Strafe für die „Bösen, allen voran Eudora Vane. Diese Person ist doch der Ausbund des Bösen und schreckt vor keinen Gemeinheiten, Lügen und Gräueltaten zurück. Das steht aber auch im Zusammenhang mit ihrem mächtigen und forderndem Vater, dessen Ansprüchen sie gerecht werden möchte. Man meint gar nicht, dass die Zwillingsmutter Violetta und Eudora leibliche Schwestern sind. Zuerst müssen alle Suchenden an den Nachtflüsterern vorbei, die sich nähren von elektrischer Energie – in Stürmen, in Erinnerungen. Diese saugen sie den Eindringlingen zur östlichsten Insel aus. Dann bangen wir weiter mit Arthur, der auf der Insel abstürzt und glücklicherweise aber vom Entdecker Wrigglesworth gefunden und beschützt wird. Mit ihm erlebt Arthur zwar einen wissbegierigen und tatkräftigen Mann, der jedoch auch waghalsige Entscheidungen trifft. Um Sicherheiten für sein Leben ist er nicht allzu bedacht. Auch Marie und Harriet, nebst Felicitas und Welby stranden auf Erythea, jedoch nicht gemeinsam. Wir bangen mit Marie, die sich plötzlich sehr sehr allein fühlt. Es fiel ihr ansonsten leicht, Entscheidungen zu treffen, wenn Arthur und der Rest der Besatzung an ihrer Seite waren, aber allein…. Sie nimmt sich Harriet zum Vorbild und ermahnt sich wiederholt: „Denk wie Harriet. Was würde Harriet tun? Innehalten, nachdenken, beobachten, einen Plan ausarbeiten. Ruhig bleiben.“. Sie freundet sich mit Florian, einem Erytheaner an und bekommt dauerhafte Gesellschaft, die sie auch mit zurück in die Heimat nimmt, von dem Wasserbären Löwenherz. Wir dürfen eintauchen in eine mystische Welt voller faszinierender Fauna und Flora, spektakulären Anblicken, abstoßenden und gefährlichen Kreaturen, unglaublicher Bauwerke und genialer Konstruktionen. Obwohl keine Illustrationen im Buch enthalten sind, kann man sich, dank der Schreibweise, gut nach Erythea träumen. Vielen Dank. Wasser gibt es auf Erythea zuhauf, aber die Einheimischen haben sich gut an das Ökosystem angepasst. Verschiedene Erfindungen und Denkweisen sind beispielgebend, wie Mensch und Natur im Einklang leben können. So gibt es beispielsweise Abflussbäume, die sich den Bäumen zum Verwechseln ähnlich sehen. Der Baum arbeitet im perfekten Einklang mit der Natur und lässt nur so viel Wasser abfließen, dass die Bewohner der Gegend Zeit haben, sich bei Überschwemmungen in Sicherheit zu bringen, ohne dabei den ursprünglichen Lebensraum zu zerstören oder das Klima auf eine Weise zu schädigen, die das natürliche Ökosystem verändern würde. Erytheaner würden auch niemals Pechharz verwenden. Sie betrachten es als schreckliche Beleidigung für die Natur, gewaltige Gruben auszuheben, bloß um an Treibstoff zu kommen. Sie benutzen nur, was der Natur keinen Schaden zufügt. Die Menschen in Erythea schätzen Wissen über alles andere – aber nicht nur Wissen um des Wissens willen. Sie schätzen das Wissen über ihren Kontinent, die Pflanzen, die Lebewesen und die Bäume, und vor allem schätzen sie das Wissen über ihren Platz in dieser Welt. Es gibt dort keine Könige oder Politiker, sondern Gelehrte. Ein Professus Excelsis ist das höchste Amt. Er hat das Sagen. Arthur und auch wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wir dürfen Bekanntschaft machen mit dem USEM; den Baumhäusern und Blasenhäusern; den schwimmenden Flügeln; Mikrotechnologiestiefel und entsprechend der Umgebung angepasste Kleidung; Weisewesen-Schmetterlinge als Nachrichtenübermittler; … Wir lernen den Feuervogel kennen und seine schützenden Kräfte, die er den Erytheanern, aber auch anderen „Guten“ zukommen lässt. Immer wieder werden wir überrascht und sind erstaunt und sind auch viel am Zweifeln über unsere eigenes Umweltbewusstsein und Handeln. Wir können uns ein Beispiel an den Erytheanern nehmen. Marie wird von Florian aufgeklärt, dass sie in Tempestra sehen wird, was wahrer Fortschritt bedeutet. Florian stellt fest, dass die Lontowner eine starre Denkweise haben, störrisch sind und immer glauben, alles besser zu wissen. Auch dass sie draußen in der Natur sich total ungeschickt verhalten und dass es in der Hauptstadt mehr Ziegelsteine als Bäume gibt, wirft er Marie vor. „Ihr glaubt, ihr wärt allen weit voraus, aber in Wahrheit liegt ihr um Längen zurück. Ihr Lontowner glaubt gern, ihr stündet an erster Stelle.“, bekennt Florian gegenüber Marie. Das wirft ein Spiegelbild auf unsere Welt und mahnt zu mehr Verantwortung im Umgang mit unserem Planeten. Eudora Vane kann man als symbolische Figur mit Bündelung an Ignoranz und Gier, Ausbeutung von Bodenschätzen und Benutzung von Menschen, so lange sie einem dienlich sind, sehen. Sie gibt sich als Culpfeffer aus, lässt sich auch nicht auf den Friedensvorschlag der Zwillinge ein, tötet noch Wasserbären und erbeutet Edelsteine… Selbst an Welbys Tod trägt sie Mitanteil. So erschien mir, nach all den schlechten Erfahrungen und Missetaten, die die Zwillinge mit ihrer Tante erleben mussten, das Friedensangebot zu deren Strafmilderung sehr übergnädig. Aber selbst darauf hat sich diese bitterböse Person ja nicht eingelassen; stattdessen hat sie weiteres Unheil angerichtet. Nun, wir möchten ja auch noch weitere Abenteuer von den Zwillingen und Harriet Culpfeffer lesen dürfen und da darf wohl eine Eudora Vane nicht fehlen. Ich würde mich sehr über weitere so fantasievolle und spannende Leseabenteuer freuen. Der Roman ist aussagekräftig. Er unterstreicht auch, dass es so vieles zu erforschen gibt. Und je mehr man entdeckt, umso mehr erstaunt und fasziniert es. Trotzdem tauchen für jede beantwortete Frage neue Fragen auf und manchmal hat man das Gefühl, gar nichts mehr zu verstehen. Aber zu akzeptieren, dass man etwas nicht versteht, ebnet den Weg zu neuem Wissen. Ich finde auch das Vorhaben sehr lobenswert, dass Marie und Arthur ihr Elternhaus zu einem Ort für obdachlose Kinder verwandeln wollen, und die Finanzierung soll aus den Einnahmen von Maries Erfindung für das Wolkenkanu kommen. Damit kann man in eine hoffnungsvolle Zukunft blicken. Auch das Cover ist wieder sehr ansprechend gelungen. Im Mittelpunkt sehen wir das Wolkenschiff und erahnen Harriett mit Arthur und Marie hinter den Glasfenstern stehend. Der Feuervogel und anderes Getier umgeben mit bizarrem Blattwerk die Vorder- und Rückansicht des Buches. Der Buchtitel befindet sich in gleicher Manier wie bei Band 1 wieder in einem geschwungenen Banner, in roten Lettern. So ist der Wiedererkennungswert als Fortsetzung einer Reihe hoch. Ein Lob an die Künstlerinnen in Text und Bild.
[WS 25 Thüringen]
  
       

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