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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Connor, Leslie,     
Titel:
Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)
ISBN:
978-3-446-26802-9  
Übersetzer:
Mumot, André
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
319
Verlag:
Hanser, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
16,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Für Mason und seinen neuen Freund Calvin gibt‘s nichts Besseres als den alten Rübenkeller als Geheimversteck herzurichten und mit Malereien wie aus den Höhlen von Lascaux zu gestalten. Hier sind sie sicher vor Matt und Lance, die sie ständig mit Gemeinheiten verfolgen. Doch bei einer dieser Attacken verschwindet Calvin plötzlich. Wo ist er nur? Hoffentlich geht es ihm gut und nichts Schlimmes ist passiert, wie vor 2 Jahren mit Benny, der vom gemeinsamen Baumhaus abstürzte.
[ms 25 Thüringen]
       
Lesealter:
8 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Außenseiter / Familie / Freundschaft / Schule / Mobbing / LRS / Tod
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Der neunjährige Mason muss viele Baustellen seines Lebens bearbeiten. Vor Jahren starb sein Großvater und wenig später auch seine Mutter und letztendlich sein Freund beim Sturz vom Baumhaus. Sein Onkel Drum bezeichnet diese Schicksalsschläge mit Bing-Bang-Boom. Bei ihm und seiner Großmutter zu Hause findet Mason Sicherheit, Liebe, Trost und Verständnis. Sie leben auf der Apfelplantage, sind aber von diesen Verlusten so betroffen, dass langsam alles verrottet, weshalb der Junge das Haus Bruchbude nennt; und auch auf der Apfelplantage wird nicht mehr gearbeitet und Drum hat schon Teile davon verkauft. Schulisch hat Mason große Probleme mit der starken Lese-Rechtschreibschwäche und wird auf dem Heimweg ständig von den beiden Jungs verfolgt, beschimpft und mit Lacrosse-Bällen und Äpfeln beworfen. Er wehrt sich nicht und läuft nur davon. Und dann ist noch der Lieutenant, der den Tod von Benny aufklären will und Mason immer wieder befragt. Und schließlich macht ihm auch sein starkes Schwitzen zu schaffen. Doch er hat einen weiteren Rückzugsort, wo er bedingungslos angenommen wird: das BÜSO in der Schule, wo die Sozialpädagogin Miss Blinny eine Oase geschaffen hat. Hier können Mason und andere Kinder dem Drachen (Laptop mit Spracherkennung) erzählen, was sie bewegt, lesen, essen, reden oder einfach eine Auszeit nehmen. Und schließlich liebt Mason den Hund Moonie, um den er sich immer mal wieder kümmern darf. So halten sich die Dinge im Gleichgewicht und Mason kann immer wieder aufatmen und Freude empfinden.
Aus der Ich-Perspektive dieser liebenswerten Hauptfigur erzählt Leslie Connor die dramatische Geschichte, die uns ganz gefangen nehmen kann und das kindliche Empfinden sehr empathisch wiedergibt. In kurzen Kapiteln sind die zahlreichen Dialoge und auch die Gedankenwelt Masons im sprachlichen Kontext von Grundschulkindern gut und flüssig zu lesen. Manchmal ganz pragmatisch: „Ich weiß, wo Calvin ist! Ich klettere aus dem Bett. Springe in meine Hose. Stopfe meine Füße in die offenen Schuhe. Ich beeile mich. … Dann renne ich. So schnell ich kann.“ (S. 219) Poetisch wird es auch dann und wann, v.a. in der Erinnerung: „Ich denke an den ersten verschwundenen Jungen. Benny, der geglaubt hat, dass das Licht, das durch die Wolken fällt, einen Pfad bildet, der in den Himmel führt.“ (S.219)
Die Vielfalt an Themen, mit denen hier jongliert wird, ist groß. Der Tod naher Angehöriger und Freunde, Mobbing unter Schülern, LRS und der Umgang damit sind in dieser Ballung wie ein großer Berg vor einem Kind. Da ist es nur gut, dass die Autorin die Gegenpole dazu gefunden hat: bedingungslose Akzeptanz und Liebe in der Familie, Hilfsangebote in der Schule und Angenommen sein, so wie man ist und Freundschaft zu Mensch und Tier. In der Geschichte entwickelt sie einen Spannungsbogen, der sich aufbaut und im letzten Drittel auf dem Höhepunkt eine erstaunliche Auflösung bietet. Wie es für Kinder gut ist, gibt es ein versöhnliches Ende, das den Tod Bennys aufklärt und auch für Masons Familie eine Rückkehr ins aktive Leben bringt.
Dieses empfehlenswerte Kinderbuch kann für gute Leser ab 9 Jahre empfohlen werden, aber auch sehr gut als Vorlesebuch oder Klassenlesestoff ab der 3. Klasse funktionieren.
[ms 25 Thüringen]
  
       

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