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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Jüliger, Lukas,     
Titel:
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ISBN:
978-3-95640-217-3  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Jüliger, Lukas
Seitenanzahl:
168
Verlag:
Reprodukt, Berlin
Gattung:
graphic novel
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
18,00 €   Hardcover
       
Inhalt:
Earthbois Erinnerungen liegen weit zurück: Er erlebt, wie sich die Erde entwickelt und wie der Mensch entsteht. Damit verbunden beginnt eine unbegreifliche Umweltzerstörung und Earthboi kommt in der Gestalt eines Siebenjährigen auf die Welt. Er beginnt, den Menschen mittels digitaler Medien seine Ansichten zu übermitteln und eine große Followergemeinde entsteht, die versucht, nach seinen Vorbildern zu leben.
[box 25 Thüringen]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Instragramm / Following / Klimawandel
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Earthboi wird im Zeitalter des Kambriums geboren und durchlebt, in der Novel im Zeitraffer dargestellt, die Entwicklung der Welt. Angekommen in der Zeit der Menschen muss er der Umweltzerstörung tatenlos zusehen und wird in der Gestalt eines siebenjährigen Jungen selbst zum Menschen. Seine menschliche Existenz ist jedoch problembehaftet, denn Earthboi fühlt nicht menschlich, sondern es schmerzt ihn, wie die Erde zu sterben scheint. Dennoch gibt er den Menschen genau das, was sie suchen und alle mit denen es kommuniziert, erleben Gefühle des Glücks. Als Earthboi beginnt, auf digitaler Ebene den Menschen vom Schicksal der Erde zu erzählen, folgen ihm immer mehr Anhänger nach. Er wird zum Anführer einer Art Gemeinschaft, die versucht seine Ziele zu verwirklichen. Dabei nehmen die Ausmaße seiner Follower immer groteskere Züge an und Earthboi wirkt wie eine Art Messias. Denn mit seinen langen Haaren, der schlanken Gestalt und seiner Mimik und Gestik erinnert er stark an die Figur Jesu.
Lukas Jüligers Zeichenstil ist sehr individuell und nicht mit anderen Graphic Novel oder Comic Künstlern vergleichbar. Seine Linienführung ist klar, die Kolorierung flächig. Verwendet wird vorrangig blau und magenta, wobei mit Farbabstufungen gearbeitet wird. Raum für eigene Interpretationen lässt Jüliger nicht. Seine Zeichnungen sind absolut objektiv, die Figuren und deren Gesichtszüge wirken unnahbar und es ist dem Betrachter unmöglich, Empathie für eine der Personen zu entwickeln. Bewusst hat der Autor darauf verzichtet, emotionale Betrachtungen der Protagonisten möglich zu machen. Daher bleibt man immer in der Perspektive eines außen stehenden Betrachters. Das macht das Lesen der Novel schwer, hat aber auch seinen Reiz. Denn man gerät nicht in die Erzählung hinein, sondern kann alles Beschriebene und gezeichnete von außen betrachten und absolut nüchtern bewerten. Dennoch führt dies nicht dazu, dass man den Inhalt der Novel beiseiteschieben kann. Im Gegenteil, auch nach dem Auslesen des Buches bleibt die Thematik um Umweltzerstörung und die ins absurde gehende Followermentalität nachhaltig im Bewusstsein des Lesers erhalten.
[box 25 Thüringen]
  
       

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