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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Moeyaert, Bart,     
Titel:
Bianca
ISBN:
978-3-446-26618-6  
Übersetzer:
Bach, Bettina
Originalsprache:
Holländisch/Niederländisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
144
Verlag:
Hanser, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
14,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
"Du weißt doch, dass du ein Mädchen mit Gebrauchsanweisung bist, und darauf nehme ich Rücksicht.“ Das Mädchen mit Gebrauchsanleitung, das ist Bianca. Genervt von ihrer Mutter, die nur mit ihrem kranken Bruder beschäftigt ist und enttäuscht von ihrem Vater, der die Familie für eine viel jüngere Frau verlassen hat, zieht sich Bianca immer mehr in sich selbst zurück. Am liebsten würde sie verschwinden. Stattdessen hält sie den Mund, weil sie so gut schweigen kann.
[SJ 25 Thüringen]
       
Lesealter:
12 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Gefühle / Familie / Jugend / Adoleszenz
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Nur ihre Gedanken kann sie nicht zum Schweigen bringen. Bianca sitzt hinter der Hecke in einem verborgenen Winkel des Hofes und denkt nach – über Naturkatastrophen, Terroranschläge oder den Klimawandel und darüber, wieso diese ganze Realität in ihrer Lieblings-Vorabendserie „Mittendrin“ im Gegensatz zu Alltagsnöten und Liebeswirren nie Thema ist. Treffsicher findet sie gleich darauf ihre Antwort: „Um halb sieben sind noch Kinder wach. Kinder dürfen viele Dinge wissen, aber Sorgen dürfen sie sich nicht machen.“ Und dann sitzt plötzlich Billie King, Darstellerin von Biancas Lieblingsprotagonistin Ilona aus „Mittendrin“, im Wohnzimmer und Bianca muss aus ihrem selbstgewählten Schneckenhaus herauskommen.
„Bianca“ ist der neue Roman des mit dem „Astrid Lindgren Memorial Award“ ausgezeichneten Autors Bart Moeyaert. Begrenzt auf den Nachmittag der Begegnung mit Billie und vollständig aus der Sicht seiner Protagonistin heraus geschrieben, verzichtet er auf Erklärungen. Stattdessen sind wir mitten drin in Biancas Gedanken und die sind manchmal verwirrend, gleichzeitig irgendwie wahrhaftig und oft ziemlich lustig. In ihren Gedanken geht es, wie bei den meisten, nicht so geordnet zu wie im Vorabendprogramm. Man kann doch so viele Gedanken gleichzeitig denken. Moeyaert wählt dafür eine eher unübliche Form und setzt Schrägstriche: „Zum Glück nur um ein Haar/die Streichhölzer liegen immer griffbereit/meine Lunte ist kurz.“ Das ist anfangs ziemlich sperrig, letztendlich passt es aber super zu dem schwierigen Prozess, die richtigen Worte zu finden. Denn beim Sprechen muss man sich im Gegensatz zum Denken für eine Sache entscheiden. Und oft fällt man die falsche Entscheidung. Moeyaert beschreibt hier treffend die Ungeschicktheit in der Kommunikation und die Missverständnisse, die daraus in der Beziehung von Bianca und ihrer Mutter entstehen. „Bianca“ ist so tragisch wie lustig, weil vermutlich jeder solche Situationen kennt. Und das bietet wiederum gerade der Zielgruppe des Romans, der sich an Kinder ab 11 Jahren richtet, viel Identifikationspotential: Wer bin ich für die anderen, wie wirke ich, was soll ich sagen? Wo ist mein Platz in der Welt? Das sind die Fragen, die sich die jungen Leser*innen (genauso wie übrigens auch viele ältere) gemeinsam mit der Protagonistin stellen. Das Buch ist daher dringend für Alle zu empfehlen. Der doch recht besonderen Ausdrucksform gegenüber sollte man allerdings aufgeschlossen sein.
Andererseits ist es gerade die, welche uns Bianca zu jeder Zeit ganz nahe sein lässt: Fast sind wir sie selbst. Ein Eindruck, der durch das überragende Cover des Künstlers Jang Myeong Uk noch verstärkt wird: Das Portrait eines Mädchens, sowohl auf dem Frontcover als auch auf der Rückseite. Vorne blickt sie uns verschlossen und irgendwie trotzig an, scheint uns direkt in die Augen zu sehen. Auf der Rückseite hat sie die Augen geschlossen, jetzt erlaubt sie uns, sie genauer zu betrachten. Zwischen diesen beiden Bildern wird sie ihre Stimme gefunden haben.
[SJ 25 Thüringen]
  
       

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