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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Brun-Cosme, Nadine,     
Titel:
Großer Wolf und kleiner Wolf - Das Glück, das nicht vom Baum fallen wollte
ISBN:
978-3-8369-6100-4  
Übersetzer:
Ott, Bernadette
Originalsprache:
Französisch
Illustrator:
Tallec, Olivier
Seitenanzahl:
30
Verlag:
Gerstenberg, Hildesheim
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Großer Wolf und kleiner Wolf
Jahr:
2020
Preis:
10,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein kleines Blatt wächst am Baum, dass der kleine Wolf so gerne haben möchte. Er sehnt sich im Frühling, im Sommer und auch im Herbst nach ihm, aber es möchte nicht herunterfallen. Selbst im Winter hängt es immer noch am Baum. Da beschließt der große Wolf, hinaufzuklettern und das Blatt zu holen, nur um die Augen des kleinen Wolfs leuchten zu sehen.
[WS 25 Thüringen]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Ethik / Philosophie / Gefühle / Natur / Umweltschutz / Spannung / Freundschaft
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Wir dürfen in dieser warmherzigen Geschichte Zeugen werden zwischen der Verbundenheit von dem kleinen und dem großen Wolf. Schon das Cover macht neugierig auf den Inhalt des Buches. Da stehen die beiden Wölfe in einer Winterlandschaft und strecken ihre überlangen Wolfsschnauzen gen Himmel. „Wonach halten sie Ausschau?“, fragt sich da der Betrachter. Und um eine baldigste Antwort zu erhalten, öffnet er das Buch und taucht ein in eine sehr feinfühlige und Wortgewaltige, spannungssteigernde Geschichte. Die Autorin beschreibt uns sehr gut vorstellbar die Sehnsucht und das Verlangen des kleinen Wolfes nach dem Blatt. Im Frühling war es grün und es leuchtete so zart und sanft, dass der kleine Wolf es unbedingt essen wollte. Im Sommer war das Blatt so grün und dunkel und glänzte, dass der Wolf sich gerne darin gespiegelt hätte. Als das Blatt sich dann im Herbst verfärbte und sein Braun so warm und weich schien, dass der kleine Wolf gerne seine Schnauze daran gerieben hätte, wurde er abermals vom großen Wolf vertröstet, dass er doch noch warten solle, bis das Blatt herab fallen würde. Aber das Blatt fiel und fiel nicht herab, auch im Winter nicht. Der kleine Wolf sagte nun nichts mehr. Wie eine Art Parabel werden wir teilhaft, wie ein unerfüllter Herzenswunsch, eine einstige Begeisterung sich durch Hinhalten, Vertrösten, Verschieben und überlanges Warten in Missmut, Apathie, Lethargie, Ziellosigkeit wandeln kann. Vielleicht haben wir das auch schon einmal bei uns oder im Bekanntenkreis erlebt, dass Wünsche/ Ziele immer wieder hinausgeschoben wurden und manchmal war es dann zu spät. Vielleicht haben wir auch schon einmal erlebt, wie die Erfüllung kleiner, erreichbarer Wünsche, auch große Freuden ausgelöst und für absolute Verzückung gesorgt haben. In vorliegender Situation hat der kleine Wolf so lange ausgeharrt und sich vom großen Wolf vertrösten lassen, auch geduldig von Jahreszeit zu Jahreszeit abgewartet, jedoch ohne Erfolg, dass er allmählich das Interesse aufgegeben hat. Er wirkt resigniert und lustlos. Vielleicht hat nun der große Wolf die Wichtigkeit des Anliegens endlich erkannt und handelt deshalb; zwar spät, aber noch nicht zu spät. Allerdings begibt er sich damit in allerhöchste Gefahr. Zu Recht kommen bei den Wölfen Zweifel auf, ob ein kleines Blatt das wert sei. Während der kleine Wolf anfangs noch lächelte, weil der große Wolf nun sein Verlangen nach dem Blatt Ernst nahm, bekommt er mit den zunehmenden Gefahren, denen sich der Wolf beim Aufstieg aussetzt, doch immer mehr Angst und Zweifel, dass es so ein kleines Blatt niemals wert sei. Auch der große Wolf hat Herzklopfen und Angst, aber wollte nun unbedingt das Blatt für den kleinen Wolf pflücken. Die gesamte Handlung ist so ausschmückend beschrieben, dass wir uns als Leser sehr eingebunden fühlen. Immer wieder hoffen, bangen wir mit den Wölfen und sind ganz gespannt, ob sich das Blatt pflücken lässt. Und dann, oh Schreck, endlich erreicht der Wolf das Blatt, aber es zerbröselt ihm zwischen den Fingerspitzen. Nun scheint doch alle Mühe vergeblich. Dafür den lebensgefährlichen Einsatz? Aber dann schildert uns die Autorin die ergreifende Szene so einfühlsam und ausschmückend, dass wir nur mitstaunen und uns mitfreuen können mit den Wölfen. Dazu haben wir dieses schlichte, aber aussagekräftige Bild mit den staunenden leuchtenden Augen des kleinen Wolfes. Einfach und einfach toll! Als der große Wolf den Abstieg wieder heil überstanden hat, sagt der kleine Wolf zu ihm: “Ich habe noch nie so etwas Schönes gesehen!“ Das ist doch wie eine Liebeserklärung, ein großartiger und unvergesslicher Glücksmoment. Und dem großen Wolf wird klar, ja, das war es wert gewesen. Das war ein Herzenswunsch vom kleinen Wolf und den hat der große Wolf ihm erfüllt. Geteilte Freude ist doppelte Freude. Am Ende der Geschichte strecken beide Wölfe wieder ihre überlangen Wolfsschnauzen gen Himmel. Wohin schauen, träumen sie sich nun? Vielleicht dürfen wir uns bald über eine weitere Geschichte der beiden Wölfe freuen, die uns an Herz gewachsen sind. Die Illustrationen sind besonders. Die Wölfe haben überlange Wolfsschnauzen, wirken schon wie eine Karikatur, aber sind trotzdem liebenswert anzusehen. Die Jahreszeiten sind gut ersichtlich. Der Illustrator stattet die beiden Tiere mit dem Nötigsten aus. Der große Wolf trägt gelbe Fellstiefel, rote Handschuhe und eine gestreifte Bommelmütze auf seinem schwarzbeharrten Fellkörper. Dem kleinen Wolf hat Herr Olivier Tallec einen Schal, Handschuhe und eine gemusterte Ohrenschützermütze auf seinem blauen Fellkörper verpasst. Im Frühling fangen sie Schmetterlinge; sattgrüne Baumkronen sind zu sehen. Im Sommer spielen sie Federball und relaxen auf Liegestühlen. Im Herbst wird buntes Herbstlaub aufgefegt und im Winter wärmen sie sich am Lagerfeuer. Der Künstler beschränkt sich auf Wesentliches und sorgt doch für Blickgenuss, auch für Hochspannung, mit seinen Bildausschnitten. Tolle Leistung beider Künstler und ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch.
[WS 25 Thüringen]
  
       

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