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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Ruhe, Anna,     
Titel:
Die Duftapotheke Das Turnier der tausend Talente
ISBN:
978-3-401-60509-8  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Carls, Claudia
Seitenanzahl:
272
Verlag:
Arena, Würzburg
Gattung:
Fantastik
Reihe:
Die Duftapotheke
Jahr:
2020
Preis:
14,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Du wirst begeistert sein vom vierten Band der Reihe und darfst mit Spannung teilhaben an dem „Turnier der tausend Talente“, zu dem Luzie antritt. Was als großes Spiel beginnt, entwickelt sich schnell zum bitteren Ernst. Nur Luzie kennt die magischen Düfte gut genug, um Elodie aufzuhalten. Lass dich verzaubern von dieser fantastischen Geschichte.
[WS 25 Thüringen]
       
Lesealter:
10 - 15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Angst / Freundschaft / Spannung
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Schon ganz gespannt habe ich den vierten Band der Serie erwartet und ich bin nicht enttäuscht worden. Frau Ruhe scheint über eine endlose Phantasie zu verfügen und es gelingt ihr abermals, Nervenkitzel und Spannung auf höchstem Niveau zu liefern. In gekonnter Manier dürfen sich die Leser sowohl sichtlich als auch inhaltlich auf eine topp Ausgabe freuen. Auf dem Cover erblicken wir Luzie, ins Rampenlicht getaucht und vor dem Glashaus stehend, die sich dem begeisterten Publikum beim Turnier stellt. Die Zuschauer wirken angespannt und scheinen den Atem anzuhalten. Luzie hält einen Flakon in der Hand, aus dem ein Duft entweicht, der sich in wellenförmigen Pünktchen Design, überzogen mit Glitzerfolie, um Luzie herum, ganzseitig ausbreitet. Diese technische Raffinesse unterstreicht die zauberhafte Magie. Efeuzweige ranken sich am Seitenrand rundum und auch die ausgefallene Zeltkuppel der Turnierarena ist oberhalb der Titelangabe zu erblicken. Dunkle und warme Farbtöne werden von der Illustratorin vermehrt verwendet. Und nun sind wir schon aufgeregt zu erfahren, wie das Turnier ablaufen wird und welche Talente sich dieser Aufforderung/ Einladung stellen werden. Für den alten Apotheker ist klar, dass jedes Talent – ganz egal, was für eines es auch ist – seine fantastische Seite, aber leider auch eine weniger fantastische Seite hat. Das Allerwichtigste ist, dass man lernt, mit beiden Seiten umzugehen, und sie im Griff zu behalten. Er erklärt Luzie bei seinen Übungsstunden außerdem, dass sich die Gefühle der Menschen an den verborgensten Stellen verstecken, man kann sie sogar in alten Fotografien entdecken. Er sagt zu Luzie: “Das ist es, wozu dich die Duftapotheke zusammen mit deinem Sentifleurtalent befähigt. Mithilfe eines Duftapothekenduftes, ganz egal, welcher es auch ist, lässt dich dein Talent die Gefühle der Menschen um dich herum erkennen. Du kannst sowohl vergangene als auch gegenwärtige Emotionen erlebbar machen. Mit dieser Fähigkeit bist du in der Lage, die Gefühle und somit auch die Gedanken der Menschen wahrzunehmen.“ Aber wie das funktioniert, dazu muss Luzie ihr Talent weiter trainieren. Doch viel Zeit zum Üben bleibt ihr nicht, denn das Turnier der tausend Talente ist ausgerufen. Bisher glaubte Luzie, dass sie und Elodie die einzigen lebenden Sentifleurs sind. Aber anscheinend sucht Elodie noch mehr Talente für die vielen Duftapotheken, die ihr Vater zusammen mit der Baronin geplant hatte. Mit Sicherheit will Elodie die Pläne ihres Vaters weiterverfolgen; darin ist sich Luzies Anhängerschar einig. Das müssen sie dringendst unterbinden. Sie wollen Elodies Pläne durchkreuzen. Deshalb begeben sie sich erneut in Gefahr, teils getarnt. Absolut packend, adrenalingeschwängert und teils auch schon gruselig bis abartig spitzt sich das Handlungsgeschehen zu. Die gierige und skrupellose Jury, sowie die erfolgsversessenen Altadligen, scheinen bis aufs Ganze zu gehen. Man wird beim Lesen auch an Gladiatorenkämpfe erinnert, wo nur das eigene Überleben letztendlich wichtig war; wo sich Freunde im Zweikampf gegenüberstanden und Auge um Auge, Zahn um Zahn gekämpft haben. Je grausiger, umso euphorischer hat die Menge gejubelt. Schaurig und beklemmend haben doch nicht nur Luzie und deren Freunde, sondern auch wir als Leser uns gefühlt, bei Elodies Eröffnungsansprache. Sie wendet sich an die „Bessergeborenen“ und spricht von dem Ausbau der Duftapotheken weltweit. Damit soll diesen Altadligen wieder zu ihrem rechtmäßigen Aufstieg verholfen werden. Sie können dann wieder in ihrer angeborenen Kaste leben und die Vermischung der Blutslinien habe dann endlich ein Ende. Bis zu diesem Moment war es Luzie und vielen anderen nicht klar, wie viele es doch waren, die dieser irren Idee von reinen Blutslinien und höheren Geburtsrechten anhingen. Und sie ließen sich alle mitreißen von Elodies Geschwafel. Wir erkennen auch Anzeichen aus unserer deutschen Geschichte wieder; ein Diktator mit einer jubelnden Anhängerschar und der Vorstellung von Reinblütigkeit… Und ich werde auch erinnert an Harry Potter, wo sich von Band zu Band die Gruseligkeit, Gefahr bis zum möglichen Tod, Turnier/ Zweikampf, Freundschaft, Verliebt sein, Aufstieg des Bösen-Macht-Altadels mit der euphorischen Anhängerschar gesteigert haben. Manchmal ging es mir schon ähnlich wie bei einer sehr spannenden Filmszene - da traue ich mich fast nicht hinzuschauen und hier, beim Lesen - habe ich manchmal mich kaum gewagt, weiterzublättern und zu lesen. Heftig, wie Frau Ruhe unsere Nerven kitzelt und das Mitgefühl zu den Protagonisten aufwühlt. Egal ob es um Eifersucht bei Mats, um die Falschheit von Edgar, um die freundschaftliche und hilfsbereite Bande zwischen Luzie und Ella, um Elodies Hinterhältigkeit… geht, wir fühlen uns mitten im Geschehen; so authentisch beschreibt Frau Ruhe. Bis zur letzten Seite sind wie immer wieder überrascht worden. Nicht vorhersehbar und teils auch völlig undenkbare Handlungen haben sich zugetragen. Edgar ist aufgestiegen zum zukünftigen Weltenherrscher, der sich der Baronin entledigt und auch Elodie vernichten möchte. Diese bekommt aber Hilfe von Luzie und ihren Freunden; obwohl Elodie skrupellos, hinterhältig und missfällig sich verhalten hat, auch vor Tötung nicht gezögert hat. Doch Willem und Daan verfügen über Anstand und Ehre und stellen klar, dass kein Verhalten das Morden rechtfertigt. So ist es sehr gut zu erleben, dass Erniedrigung und Missachtung… nicht zwangsläufig die Seele des Menschen vergiften müssen. Wir haben auch mitverfolgt, wie schnell sich das Blatt wenden kann und die einstige Herrscherin Elodie oder auch einst Syrell de Richemont nun Opfer geworden sind, hilflos, machtlos, untertänig. Wenn ich mir vorstelle, dass mit der Herausgabe des ersten Bandes von einer Trilogie die Rede war, dann kann ich nur sagen: „Gott sei Dank, schreibt Frau Ruhe noch weitere Bände zur Duftapotheke.“ Auf was für einen sagenhaften Lesestoff hätten wir ansonsten verzichten müssen? Und ich bin schon sehr gespannt, in welches Abenteuer uns der fünfte Band entführt. Vielen Dank für das sinnliche Lesevergnügen.
[WS 25 Thüringen]
  
       

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