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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Remmerts deer Vries, Daan,     
Titel:
Der Zyklop
ISBN:
978-3-8369-5698-7  
Übersetzer:
Erdorf, Rolf
Originalsprache:
Holländisch/Niederländisch
Illustrator:
Rieder, Floor
Seitenanzahl:
52
Verlag:
Gerstenberg, Hildesheim
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein Zyklop hat nur ein Auge, mit dem er nicht gut sehen kann. Er kommt in ein winziges Dorf und zerstört den Kirchturm und noch mehr. Die Dorfbewohner helfen ihm, doch er zerstört trotzdem das Dorf. Aber er bleibt ein armer Tropf, denn er bleibt ganz allein.
[IBR 25 Thüringen]
       
Lesealter:
8 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Außenseiter / Ethik / Philosophie / fantastisch / märchenhaft / Ungleichheit / Kunst
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Was für ein Ausnahmebuch! Die Gestaltung fällt als erstes auf, dunkel, in der Art eines Holzschnittes, Neugier weckend. Ein Zyklop liegt mitten im Bild und streckt seine Zunge einem Käfer entgegen. Zunächst weiß natürlich kaum ein Kind, was ein Zyklop ist. Es ist eine Gestalt der griechischen Mythologie, ein einäugiger Riese. Über seinen Charakter gibt es keine Verallgemeinerungen.
Die Geschichte spielt in einem kleinen Insektendorf namens Krümelspritz, in der jedes Insekt seine Aufgabe hat, die es gut erfüllt. Die Auswahl der Insekten ist ebenfalls originell getroffen. Die Seidenraupe spinnt Bettlaken, die Kakerlake entsorgt die Toiletteneimerchen, die Rote Kreuzspinne versorgt die Kranken, die Wasserjungfer verteilt Getränke usw. Als der Zyklop wie ein Erdbeben in das Dorf trampelt, zerstört er das Haus der Seidenraupe und den Kirchturm. Das kleine Karlchen kommt auf die Idee, dass der Zyklop eine Brille benötigt. Die Tiere basteln aus einem Fahrrad eine Brille.
Gesagt, getan! Doch auch mit der Brille geht sein Zerstörungswerk weiter ... Die kleinen Dorfbewohner haben alles gegeben, um dem Fremden zu helfen und statt Dank ernten sie Spott und der Zyklop zerstört das ganze Dorf mit Absicht. Der Leser ist erschrocken. Diese Wendung hatte er nicht erwartet. Doch die Dorfbewohner nehmen ohne Ärger und Rachsucht ihr Schicksal an, bedauern den Undankbaren und machen sich erneut an den Aufbau ihres Dorfes.
Eine seltsame Wendung, die man als Dummheit interpretieren kann, oder aber als weisen Gleichmut und als Resilienz. Der Text hält sich mit einer Deutung zwar zurück, doch geht aus den Dialogen der Figuren und ihren humorvollen Porträts hervor, welche Kraft in ihrer Haltung steckt.

Bemerkenswert ist auch die bildliche Inszenierung der Geschichte. Die Schwarz-Weiß-Kontraste lassen sich in der Kleinteiligkeit des Abgebildeten nicht leicht entziffern und nähern sich der Betrachtung der Sehschwäche des Zyklopen an. Es ist viel Aufmerksamkeit nötig, um die Details zu lesen, doch werden sich die Betrachter durch den liebevollen Humor der Szenerien belohnt fühlen.
Die eindrucksvollen Bilder sind in Schabtechnik auf Glas entstanden. Die Bilder bestehen aus Ornamenten auf schwarzem Grund. Eine originelle Technik ermöglicht Floor Rieder diesen Look. Die Illustratorin streicht schwarze Farbe auf Glasplatten und kratzt die Motive direkt mit der Feder ein. Anschließend scannt sie die Bilder und koloriert sie am Rechner. In der Anordnung erinnern die Bilder an einen Comic, wenn sie von der Totalen auf einer Doppelseite zu Bildabfolgen wechseln. Zusammen mit einem Reichtum an Einzelheiten entsteht eine einzigartige Symbiose von Text und Bild, auf denen das Auge lange verweilen kann, um zu entdecken was zu entdecken ist. Damit es jüngeren Kindern leichter fällt, gibt es am Ende des Buches eine Übersicht aller Tiere im Bild.
So werden die Bilder und die "Moral" der Geschichte Anlass zu tiefgründigen Diskussionen über die Interpretation dieser Fabel bieten.
[IBR 25 Thüringen]
  
       

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