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Autor:
Soderguit Alfredo,     
Titel:
Die Wasserschweine im Hühnerhof
ISBN:
978-3-7152-0797-1  
Übersetzer:
Roth, Eva
Originalsprache:
Spanisch
Illustrator:
Soderguit, Alfredo
Seitenanzahl:
39
Verlag:
Atlantis bei Orell Füssli, Zürich
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
16,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Als auf dem Lande eine Jagd auf Wasserschweine beginnt, fliehen sie in einen Hühnerhof. Aber die einheimischen Hühner wollen sie vertreiben. Schließlich stellen sie Regeln auf für das Zusammenleben während der Jagd. Danach bedanken sich die Wasserschweine und bereiten ihre Rückkehr vor.
Nun zeigt ein Bild, wie die Hühner, mitsamt ihrer Eier, auf die Rücken der Wasserschweine verteilt, davonschwimmen … und begegnen fremden Schafen. Ein Buch über das Bemühen, Fremdheit zu überwinden.
[G-KH 24 Schleswig-Holstein]
       
Lesealter:
0 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Flucht / Fremde Kulturen / Außenseiter / Ungleichheit
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Das Umfeld meist in weißlichem Ton gestaltet mit der Maltechnik im Buntstiftmodus auf Tablet. Schwarze Wasserschweine und weiße Hühner, viele Brauntöne, verschiedenes Grau bis Schwarz, Dennoch wirken die Farben nicht insgesamt trist, eher gemütlich und warm. Alfredo Soderguit malt auch Rot, ein rotes Dach mit Wetterhahn steht auf dem Hühnerstall in der weißen Landschaft, umgeben von viel schwärzlichem Schilf und Gras. Und auch auf den Köpfen der Hühner gibt es einiges an Rot.
Nur dort, wo der Hund noch immer nicht begriffen hat, dass die Tiere längst ihren Frieden miteinander gemacht haben, wirken schwarz- und braunschwarze Farben düster; denn der rasende Wachhund sieht echt gefährlich aus, wenn er meint, die Wasserscheine jagen zu müssen. Er rennt auf sie zu mit wütenden Sinnen, während die Wasserschweine – etwas milder wirkend – nicht ausweichen, sondern ihm gelassen und eher zahm die Stirn bieten.
Das ist eine sehr entlarvende Darstellung der skrupellosen und eindeutigen Verdrehung von Täter-Opfer-Rollen; denn über der Seite mit dem angreifenden Hund steht zu lesen: Und Wildtiere können gefährlich sein, eine These, die verbreitet wird von denen, denen alles Fremde zuwider ist; denn die Wasserschweine sehen harmlos aus, also alles andere als gefährlich.

Nun sehen die Hühner die große Bedrohung für die Wassertiere und sprechen sogleich eine Einladung an die sogenannten ‚gefährlichen Wildtiere‘ aus. Im wahrsten Sinne des Wortes bieten sie den Wasserschweinen ASYL: Ab jetzt sind sie eingeladen zu gemeinsamen Mahlzeiten im Hühnerstall mit Übernachtung.

Eine große Überraschung trifft die Lesenden am Ende des Buches.
Die Jagd ist zuende .Der Farmer steht vor einem verlassenen Hühnerstall, da liegt nicht mal mehr ein Ei. Der Hund hockt geknickt vor dem Zaun und hat nur noch sein einsames Spiegelbild vor sich im Wasser liegen.
Am Ende das Bild mit den Wasserschweinen, die die Hühner mitsamt ihren Eiern und Kükenkindern sicher durch den Fluss lotsen.
Das Schlussbild zeigt die Tiere, wie sie auf ihrer Reise auf eine Schafherde treffen. Und damit beginnt eine neue Geschichte, eine neue Begegnung.

Ohne große Worte geht es hier um das Gelingen, mit dem Fremden, das als gefährlich gilt, zurechtzukommen. Kein erhobener Zeigefinger, keine didaktischen Hinweise. Stattdessen kommen die Hühner auf die Idee, Regeln aufzustellen, damit die in Not geratenen Wasserschweine mit ihnen zusammen die Bedrohung durch Jäger überleben können.
So finden sie zueinander, werden Freund und Freundin und ziehen weiter … bis sie neue fremde Tiere entdecken. Und auch hier werden sie es schaffen, unbeschadet miteinander zu leben. Jedenfalls sehen die Gesichter der neugierigen Tiere aus, als würden sie die Schafe gern näher kennenlernen. Ein schönes Buch über das Miteinander, über Vertreibung, Flucht und der Furcht vor dem Fremden.

Helga Gutowski-Krüger, S-H.
[G-KH 24 Schleswig-Holstein]
  
       

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