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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Schulz, Kristin,     
Titel:
Hundert Arten auf den Wolf zu kommen
ISBN:
978-3-96982-004-9  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Leiberg, Helge
Seitenanzahl:
32
Verlag:
Quintus, Berlin
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Abends beim Einschlafen kommt die Angst – bin ich auch sicher vor dem Wolf. Doch ist der wirklich so, wie wir ihn kennen zu glauben? Das lotet das vorliegende Bilderbuch aus.
[Michael Ritter 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
6 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
fantastisch / märchenhaft / Angst / Außenseiter
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Abends im Bett hat Mateja Angst vor dem Wolf. Kann der in die Stadt kommen? In die Wohnung? Ist sie sicher? Mutter beschwichtigt, nein, sie ist sicher. Wölfe leben fernab im Wald. Wenn Sie in die Stadt kämen, blieben sie draußen. Und selbst wenn es ein Wolf bis zu ihnen schaffen würde, würde die Mutter ihm ein Taxi rufen. Doch Mateja beruhigt das nicht – also beginnt sie eine Unterhaltung mit dem Wolf. Und es stellt sich heraus, dass der Wolf ganz anders ist. Er hat einen Namen und ein Zuhause, das hat er aber vergessen. Durch die Unterhaltung mit Mateja kann er sich erinnern, er ist aber auch verstört wegen der vielen Vorurteile, die Mateja gegen ihn hegt. Und schließlich lernen sich beide besser kennen. Das baut Angst ab, auch wenn der Wolf schließlich wieder zurückgeht.
Kristin Schulz erzählt diese Geschichte an der Grenzlinie von Traum und Wirklichkeit. Es sind nur Dialoge, keine Erzählerstimme rahmt die Handlung. Das Kind spricht mit der Mutter, dann unvermittelt mit dem Wolf, der doch eigentlich gar nicht da sein sollte. Ist das ein fiktiver Dialog oder spielt die Mutter den Wolf? All das bleibt unklar, klar ist aber, dass sich Wolf und Kind so besser kennenlernen. Vorbehalte und Ängste verflüchtigen sich, indem man sich kennenlernt. Die Fremdheit bleibt, aber sie wird zu einer Ergänzung, ist nicht mehr nur Bedrohung. Zwar braucht das Kind auch am Ende noch den Zuspruch der Mutter, der scheint aber eher eine narrative Funktion der Rückkehr als eine sachliche Verwurzelung in einer Bedrohung zu haben.
Diese faszinierende Geschichte entwirft einen neuen Wolf, der vermenschlicht ist, auch wenn er im Wald lebt. Aber er grenzt sich deutlich vom literarischen Topos ab, ist von dem auch eher irritiert. Die grobflächigen Aquarell- und Wachsstift- und Tuschezeichnungen von Helge Leiberg nehmen diesen moderat deutungsoffenen Charakter auf, indem sie einen Wolf zeigen, der in die Stadt kommt und das Mädchen besucht, der zwar als Tier erkennbar aber in seiner Haltung und seinem Verhalten vermenschlicht ist, der aber nicht so genau und detailliert ausgearbeitet wird, dass man sein Wesen dennoch nur erahnen kann. So bieten die Bilder als Gegenstück zu den Texten ebenfalls viel Imaginationsspielraum. Es entsteht ein philosophischer Deutungsraum, den die Geschichte aufspannt und der viel im Unklaren lässt, der aber gerade dadurch anregt, über das Bekannte hinauszudenken. Faszinierend und doppelbödig – sehr zu empfehlen!
[Michael Ritter 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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