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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Prochnow, Elena,     
Titel:
Pass bloß auf deinen Daumen auf!
ISBN:
978-3-943833-48-5  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Prochnow, Elena
Seitenanzahl:
38
Verlag:
Edition Pastorplatz, Aachen
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
14,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
In diesem Bilderbuch wird dem Thema Mobbing/Bullying eine besondere Aufmerksamkeit zuteil – und eine interessante Lösung gefunden.
[Michael Ritter 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
6 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
empfehlenswert
Schlagwörter:
Gefühle / Gewalt / Außenseiter
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Mimi geht in die Schule, gemeinsam mit fünf anderen Kindern aus ihrer Straße. Florian ist größer als sie, und er spielt sich als der Chef auf. Immer stärker beginnen er und seine Freunde Mimi in der Schule zu schikanieren. Zuerst fehlen Gegenstände aus dem Ranzen, dann wird sie bedroht und flieht in die Toilette, schließlich ruft Mimis Mutter in der Schule an: Doch die Lehrerin hat keine hilfreichen Lösungsvorschläge. Also hilft Mimis Opa. Er zeigt Mimi, wie sie sich wehren kann und er hilft ihr, die von der Schule festgelegten Regeln zu relativieren – und die Prioritäten zu klären. Dass dann die Lösung ganz ohne Gewalteskalation auskommt, zeigt, dass es manchmal wichtig ist, selbstbewusst zu sein. Denn Quälende sind nur so lange stark, wie ihre Gegenüber schwach sind.
Die erzählte Geschichte ist ambivalent und widersprüchlich. Gewalt wird als schlimme Bedrohung erfahren, das eigentlich anerkannte System, nicht mit Gegengewalt zu reagieren, gerät aber an seine Grenzen. Das Opfer wird zum mehrfachen Opfer, denn seine Schutzkraft – die Schule – hilft nicht, droht eher mit weiteren Konsequenzen, wenn sich Mimi selbst hilft. Der Opa hingegen unterstützt die Eskalation, zeigt Mimi, wie sie sich gewaltvoll wehren kann und verspricht sie bei den Konsequenzen zu begleiten. Das schüchtert tatsächlich ein, bevor es zum Kampf kommt. Dennoch bleibt ein ambivalentes Gefühl.
Elena Prochnow erzählt diese Geschichte aus der Perspektive von Mimi. In kurzen und nüchternen Sätzen – immer im Präsenz gehalten, was den unmittelbaren Charakter unterstreicht – wird die Handlung berichtet. Die Bilder zeigen realitätsgetreu geformte Körper und Bildelemente. Die Figuren sind mit dünnem Stift schwarz scharf konturiert und digital monochrom bzw. verlaufend koloriert. Für manche Flächen – Mimis Haare – wurden auch stärkere schwarze Wachsstifte verwendet. Die Bilder haben dadurch einen eigentümlich entrückten Charakter. Sie spiegeln das unwirklich und doch so realistische Szenario und betonen, dass hier etwas falsch läuft.
Insgesamt lässt das Buch nachdenklich zurück, denn viel läuft hier falsch. Das Verhalten der Jungen ist schlimm, dass der Schule nicht weniger und das des Opas ist aber auch nicht richtig. Mit diesem Widerspruch kann das Buch einen guten Diskussionsanlass schaffen. Der sollte auf die Ambivalenz hinauslaufen – dann kann das Buch einen interessanten Impuls liefern. Durchaus zu empfehlen!
[Michael Ritter 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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