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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Stark, Ulf,     
Titel:
Die Ausreißer
ISBN:
978-3-8251-5221-5  
Übersetzer:
Kicherer, Birgitta
Originalsprache:
Schwedisch
Illustrator:
Crowther, Kitty
Seitenanzahl:
128
Verlag:
Urachhaus, Stuttgart
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
16,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein mutiger Junge reißt gemeinsam mit seinem Großvater aus und ermöglicht ihm so, ein letztes Mal zu seinem Haus in den Schären zu fahren, in dem er mit seiner Frau gelebt hat. Während ihrer Reise philosophieren beide über die Möglichkeit eines Lebens im Jenseits. Das letzte Buch von Ulf Stark, das man - einmal begonnen - nicht mehr aus den Händen legt.
[sd 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
8 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Alter / Familie / Sterben / Tod
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Das Motiv des Ausreißens ist in der Kinder- und Jugendliteratur sehr präsent. Auch das gemeinsame Ausreißen von Enkel- und Großelternfiguren ist nicht unbekannt: z. B. in "Wenn mein Mond deine Sonne währe" von Andreas Steinhöfel (2015) oder in "Wie ich Fräulein Luise entführte und mit ihr eine geheime Reise unternahm" von Sabine Bohlmann (2016).
Ulf Stark erzählt in seinem letzten, post mortem publizierten Kinderbuch die Geschichte von dem alten Gottfried und seinem Enkel, der mit zweiten Vornamen den gleichen Namen trägt und deshalb vom Großvater Klein-Gottfried genannt wird. Der Alte ist ein unbequemer Bewohner im Altersheim: Er schikaniert das Personal und es gelingt ihm kaum, einen Satz zu sprechen, der keinen Fluch enthält. Zu seinem Sohn - und dem Vater des Enkels - besteht ein schwieriges, distanziertes Verhältnis. So sind für diesen die Besuche beim Vater nur eine lästige Pflicht; worüber sie miteinander reden sollen, wissen beide nicht. Der Enkel jedoch liebt seinen Großvater und hat eigentlich den Wunsch, dass der Großvater bei ihnen zuhause lebt und nicht im Heim, doch das lehnt sein Vater ab.
Als er den Großvater einmal heimlich allein besucht, entwickeln beide die Idee, auszureißen: Ein Wochenende in den Schären, wo der Großvater mit seiner Frau bis zu ihrem Tod gelebt hat. Einen Verbündeten findet der Junge schnell in dem jungen Mann Adam, der in der Bäckerei arbeitet. Er wird die beiden fahren und das Geheimnis mit decken. Seinen Eltern erzählt der Junge, dass er das Wochenende mit seinem Fußballverein verbringt. Es ist ein perfekter Plan, mit dem die drei auch das Personal im Altersheim täuschen.
Und obwohl der Großvater schon sehr schwach ist, gelingt ihr Vorhaben: Sie verbringen eine Nacht in dem Haus auf den Felsen und der Großvater findet noch ein letztes Glas Preiselbeermus, das seine Frau eingekocht hat und das er sich für den Rest seines Lebens einteilen will, denn auch wenn der Großvater zuweilen hart und nüchtern erscheint, hier wird er deutlich emotional und erklärt seinem Enkel, dass ein Teil des Lebens der Großmutter in diesem Glas stecke, weil sie dem Mus ihre Zeit gewidmet hat.
Und obwohl der Alte an einem Jenseits zweifelt, sehen beide bei ihrer An- und Abreise die Großmutter auf dem Felsen stehen und winken.
Spannend ist das Ringen mit sich selbst als der Junge, der als Ich-Erzähler fungiert, nach der Rückkehr überlegt, wie er seinen Eltern beim Abendbrot glaubhaft vom Wochenende erzählt. Dafür hat er auch extra sein Fußballtrikot in Erde gewälzt, um nicht aufzufliegen. Jedoch entscheidet er sich überraschenderweise für die Wahrheit: Er erzählt vom Trip mit dem Großvater. Erstaunlich ist, dass der Vater ihm nicht glaubt; die Kräfte des Großvaters würden dafür nicht mehr genügen, so der Vater.
Die nächsten Wochen verbringt der Junge damit, dem Großvater das Fluchen abzugewöhnen und eine "gepflegte" Redeweise beizubringen, denn wenn er im Jenseits mit seiner Frau redete, werde sie sich sicher freuen. Bei seinem letzten Besuch - das Preiselbeermus ist fast alle - bringt der Junge eine Zeichnung vom Jenseits mit, um den Großvater zu überzeugen, dass der Tod nicht das Ende ist.
Für erfahrene Leser*innen mag vieles der Geschichte vorhersehbar zu sein, doch Ulf Stark gelingt es, zu überraschen und die Spannung aufrecht zu erhalten. Die Buntstiftbilder von Kitty Crowther passen sehr gut und entfalten v.a. dann ihre Kraft, wenn es um die Großmutter, das gemeinsame Haus und die vom Großvater ersehnte Wiedervereinigung geht.

Eine unbedingt zu empfehlende Geschichte, die in philosphischer Perspektive reichhaltig ist, aber auch die Themen Wahrheit und Lüge oder Mut und Unterstützung aufgreift - auch als Hörbuch erhältlich.

[Susanne Drogi]
[sd 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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