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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Graf, Danielle; Seide, Katja,     
Titel:
Alex, abgeholt!
ISBN:
978-3-407-75837-8  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Jakobs, Günther
Seitenanzahl:
22
Verlag:
Beltz, Weinheim
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
10,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Mit "Alex, abgeholt!" hält man ein Bilderbuch in der Hand, dass nicht nur thematisch an den Alltag vieler Kinder und Eltern anknüpft, sondern sich vor allem beim Betrachten zu einem großen Vorbild im Umgang mit Inklusion und Diversität entpuppt.
[jese 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
0 - 5 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Gefühle / Streit / Konflikt
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
„Alex, abgeholt!“ - bereits beim Lesen des Buchtitels hört man fröhliche Kinderstimmen durch den Raum rufen und vor dem gedanklichen Auge läuft ein Kind freudestrahlend auf seine Mama zu. Im persönlichen Kopfkino spielt sich eine alltägliche und friedliche Situation ab. Doch findet diese Situation wirklich immer so statt? All jene, die sich nun eventuell an ihre eigene Kindheit erinnern oder im Kontakt mit Kindern sind, werden bei dieser Frage wohl den Kopf schütteln. Und auch das Bilderbuch von Danielle Graf und Katja Seide belehrt uns in dieser Hinsicht. Denn obwohl das Buch in eine friedliche Abholsituation einsteigt, kippt die Stimmung schnell. Alex ist unzufrieden. Mit der Socke, mit der blöden Brezel, dem blöden Buch und darüber, dass Mama nicht zum Spielplatz fliegen kann. Doch letztlich siegt doch die Freude, gemeinsam mit Mama einen tollen Nachmittag auf dem Spielplatz zu verbringen.

Das robuste Pappbilderbuch des Beltz & Gelberg Verlages nimmt seine Leser*innen und Betrachter*innen mit in den Alltag und die Gefühlswelt der Kinder. Die Geschichte orientiert sich mit ihrer Kürze und Verständlichkeit vor allem an Kindern zwischen zwei und vier Jahren. Für sie kann das Thema lebensnah und durchaus relevant sein. Sowohl sprachlich, als auch gestalterisch stellen die 22 Seiten die unverblümte Wahrheit dar. Man schaut in erschrockene Gesichter, als Alex wütend auf der Treppe sitzt und versucht seiner Wut durch Fluchen freien Lauf zu lassen. Mamas Körperhaltung lässt erahnen, wie erschöpft sie ist. Schweißflecken unter den Achseln und ein geringer Redeanteil im Text bestätigen das.
Die geschlechtsneutrale Gestaltung begünstigt, dass sich wirklich jedes Kind identifizieren kann. So bleibt beispielsweise ungeklärt, welches Geschlecht Alex hat. Doch nicht nur in diesem Aspekt agiert das Kinderbuch zeitgerecht und modern. Die Illustrationen zeigen eine selbstverständliche Inklusion und eine Diversität, die mir bisher in kaum einem anderen Kinderbuch so positiv aufgefallen ist.
Die Illustrationen sind einfach gehalten, wirken durch feine Linien fast skizzenhaft und dennoch lassen sich einige Details erkennen. Der prall gefüllte Kaufmannsladen, Tierfiguren an den Garderobenhaken oder die Kinderzeichnungen an der Wand sind hier nur Beispiele für die liebevolle Gestaltung des Buches. Trotzdem wirken die Szenenbilder nicht überladen. Das liegt wohl auch daran, dass der Hintergrund zum Teil etwas verschwommen gezeichnet ist. Gestalterisch liegt der scharfe Fokus damit auf den Hauptfiguren der Geschichte. Auch die kurzen Textabschnitte fügen sich beinahe unscheinbar ein und dienen als Ergänzung für die bunten, aber dennoch dezenten und stimmigen Bilder.
Abschließend richten sich die Autorinnen in einem doppelseitigen Brief an die Eltern. Hier wird mit lieben und mitfühlenden Worten versucht ein Erklärungsansatz für das kindliche Verhalten zu finden. Die Tipps der Autorinnen sollen die Eltern zu einem offenen und empathischen Umgang mit stressigen Alltagssituationen motivieren und ihnen eine kleine Handlungsstütze sein. Tipps, die sich alle zu Herzen nehmen sollten, die im stetigen Umgang mit Kindern sind.
Alles in allem haben die Autorinnen und der Illustrator ein wertvolles Bilderbuch geschaffen. Denn nicht nur die dargestellte Situation ist relevant, vor allem der Umgang mit Inklusion und Diversität macht dieses kleine Stück Literatur zu einem großen Vorbild.
[jese 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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