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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Zamolo, Lucia,     
Titel:
Elefant auf der Brust oder: Warum sich Liebeskummer lohnt
ISBN:
978-3-95939-097-2  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Zamolo, Lucia
Seitenanzahl:
128
Verlag:
Bohem Press, Münster
Gattung:
Comic / Graphic Novel
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Von Anfang bis Ende handschriftlich verfasst und mit zahlreichen Illustrationen versehen, widmet sich dieses Buch dem Thema Liebeskummer auf verständnis- und humorvolle Weise.
[jalt 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
12 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Liebe / Liebeskummer / Gefühle
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Es kommt ja doch eher selten vor, dass man sich wünscht, jemand im Umfeld würde Liebeskummer bekommen, doch Lucia Zamolos Buch „Elefant auf der Brust oder: Warum sich Liebeskummer lohnt“ vermag genau das zu bewirken: Nach der Lektüre hofft man insgeheim ein kleines bisschen, es möge bald einen Anlass geben, jemandem dieses Buch zu schenken und damit Trost zu spenden. Trost spenden, das kann es nämlich gut: Mit viel Verständnis und Empathie schätzt Lucia Zamolo alle mit Liebeskummer verbundenen Gefühle und Verhaltensweisen wert und flicht ihre eigenen Erfahrungen mit ein: dass sie beim Anblick eines Stabmixers immer an eine frühere Liebe denken muss, die das leckerste Hummus der Welt machen konnte oder dass man vorm Liebeskummer gerne mal davon laufen möchte und sich dann am Strand mit Eis in der Hand wundert, warum man sich immer noch nicht besser fühlt. In ihrem Schlusswort schreibt die Autorin, dass das Buch entstanden ist, weil sie selbst und Menschen, die ihr wichtig sind, mehrmals Liebeskummer durchgemacht haben und sie mit dem Buch anderen helfen möchte, sich in einer solchen Phase weniger allein zu fühlen. Dafür nimmt sie in ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema sowohl Bezug auf die antike griechische Philosophie und auf die Verarbeitung des Themas in Kunst und Kultur als auch auf moderne psychologische Forschung. Um zu einem vertieften Verständnis davon zu kommen, was beim Liebeskummer im Gehirn eigentlich passiert und wie man damit selbstfürsorglich umgehen kann, unterteilt Zamolo Liebeskummer in vier Phasen: In der ersten Phase, dem Schock, fühle man erst einmal gar nichts. In Phase zwei setze man alles daran, die andere Person auf Biegen und Brechen wieder zu bekommen. In der dritten Phase durchlebe man einen langen „Schleudergang aus Wut und Trauer“ und in der vierten Phase werde es nach und nach langsam wieder okay. Zamolos Tipps für diese Zeit: Weinen, sich selbst besser kennenlernen, Zeit mit Freund*innen und Familie verbringen und etwas finden, mit dem man die Gefühle kanalisieren kann, zum Beispiel Schreiben, Stricken oder Ähnliches. Am Ende lautet die Botschaft, dass sich Liebeskummer eben doch irgendwie lohne, da man zahlreiche Erfahrungen dazugewinne, die auch positiv sein können.

Die titelgebende Metapher des Elefanten, der auf der Brust sitzt, wurde gewählt, um auszudrücken, wie belastend und Luft nehmend sich der Herzschmerz anfühlt und ist als Pendant zu Schmetterlingen im Bauch zu sehen; der Elefant wird im Laufe des Buches bildlich immer wieder eingebaut. Ein weiteres Bild, das Zamolo nutzt und das im Gegensatz zum Elefanten auf Textebene nicht aufgegriffen wird, ist das Symbol der Pflanze: Während die Liebe in einer Beziehung durch Schnittblumen dargestellt wird, die nach der Trennung verwelken, wird für Selbstliebe und persönliches Glück das Bild der Topfpflanze verwendet. Zu Beginn des Buches ist diese kaum mehr als ein kleiner Spross und entwickelt sich nach und nach, beispielsweise durch Freund*innen, die die Pflanze gießen und die dicken Regenwolken beiseiteschieben, sodass die Sonne herankommt, zu einer immer größeren Pflanze, die am Ende des Buches viele Triebe, Knospen und bunte Blüten aufweist. Auf der letzten Seite steht dann auch „the end“ durchgestrichen und stattdessen „the start“, um zu zeigen, dass jedes Ende auch einen neuen Anfang mit sich bringt.

Das Buch ist komplett handschriftlich verfasst, was einen Eindruck von Nähe und Vertrautheit vermittelt und zum Beispiel durch eingebaute Schreibfehler sehr menschlich und sympathisch wirkt – man kommt sich so vor, als würde ein*e Freund*in direkt zu einem*r selbst sprechen bzw. schreiben. Es werden verschiedene Arten des Handlettering verwendet und das Buch ergibt so ein einzigartiges Kunstwerk. Die zahlreichen Zeichnungen sind teils schwarz-weiß, teils bunt gestaltet und oft mit einer Prise Humor versehen. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Namen aller verflossenen Lieben der Ich-Erzählerin nicht geschlechtsspezifisch sind (Mika, Toni und Maxi). Alles in allem lässt sich sagen: Liebeskummer lohnt sich allein schon deshalb, um dieses mit Liebe zum Detail gestaltete, wunderschön gezeichnete Buch zu lesen!
Johanna Altmann
[jalt 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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