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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Davies, Kate,     
Titel:
Eine unglaublich sagenhafte Tortengeschichte
ISBN:
978-3-95939-093-4  
Übersetzer:
Overbeck, Inka
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Follath, Isabelle
Seitenanzahl:
40
Verlag:
Bohem Press, Münster
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
16,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Dieses prachtvoll illustrierte Bilderbuch über den Küchenjungen Stefan, der davon träumt, Chef de Pâtisserie zu werden und Torten zu backen, ermutigt Leser*innen dazu, an ihre eigenen Träume zu glauben.
[jalt 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Träume / Torte / Hotel
       
Anmerkungen:
Hardcover mit Goldfolie
       
Beurteilungstext:
Warnung: Dieses Buch kann zu unglaublich sagenhaftem Heißhunger auf Torte führen!
In „Eine unglaublich sagenhafte Tortengeschichte“ türmen sich die Superlative wie die Windbeutel auf der Torte: Im Zentrum der Geschichte steht Stefan, der als Küchenjunge in einem berühmten Hotel arbeitet. Während er seinen Aufgaben wie Kaffee kochen, Gemüse schnibbeln, Geschirr tragen, fegen und wischen nachkommt, träumt er davon, als Chef de Pâtisserie Torten zu backen. Anlässlich des 100. Geburtstages des Hotels soll ein Fest ausgerichtet werden, zu dem auch die Herzogin von Delaunay erwartet wird, welche „unglaublich adelig, sagenhaft pingelig und unglaublich sagenhaft gut darin [ist], Hotels schließen zu lassen“. Dafür soll natürlich alles ganz besonders schön hergerichtet werden und alle Bediensteten sind eine Woche lang fleißig am Backen, Putzen etc. Die wichtigste Aufgabe hat Küchenchefin Zagat: Sie soll „die größte, sahnigste und windbeuteligste Torte aller Zeiten“ backen! Doch dieses Unterfangen will einfach nicht gelingen, die Windbeutel purzeln immer wieder herunter. Als Stefan vorschlägt, sie mit Karamell zu befestigen, wird Zagat wütend und wirft ihn aus der Küche. Dadurch läuft am nächsten Tag, dem Festtag, gar nichts mehr. Weil Stefan keinen Kaffee kocht, wacht Küchenchefin Zagat nicht auf, bereitet kein Frühstück zu und übergibt es nicht dem Butler, der somit auch nicht den Hoteldirektor weckt. Und das Schlimmste: Niemand bekommt mit, dass in der Küche ein Feuer entsteht! Feuerwehr und Gäste erscheinen fast gleichzeitig und als die Feuerwehr versehentlich statt dem Feuer die Herzogin mit den Löschschläuchen anspritzt, ist das Chaos perfekt. Die Herzogin wird „alarmierend puterrot“ und droht damit, dafür zu sorgen, dass niemand das Hotel mehr betreten wird! Wer kann da nur helfen…? Stefan natürlich! Der hat über Nacht nämlich „die größte, sahnigste und windbeuteligste Windbeuteltorte aller Zeiten“ gebacken und kommt genau im richtigen Moment mit dem riesigen Prachtwerk ins Hotel. Die Herzogin ist begeistert, die Küchenchefin ernennt Stefan kurzerhand zum Chef de Pâtisserie und das Fest wird doch noch ein ganz besonderes Ereignis.

Begeisternd an diesem Buch sind vor allem die Bilder, die sehr bunt und kontrastreich gestaltet sind und viele Details enthalten. Sie wirken äußerst lebendig und dynamisch und ziehen die Betrachter*innen dadurch in ihren Bann. Teilweise sind sie pluriszenisch aufgebaut, beispielsweise als Stefans Alltag als Küchenjunge oder die Vorbereitungen für das große Fest gezeigt werden. Die Bilder enthalten auch viele, teils handlungsleitende Informationen, die im Text nicht vorhanden sind, so zum Beispiel, dass die Feuerwehr die Herzogin mit Löschwasser ansprüht oder die Windbeutel auf Zagats Torte nicht halten; Bild und Text stehen also in einem anreichernden Verhältnis zueinander. Die Figuren der Geschichte sind in ihren Gesichtern und ihrer Körpersprache enorm ausdrucksstark, was die Dynamik der Illustrationen wiederum verstärkt, sogar die Blickrichtungen der Personen auf den vielen Wandgemälden tragen dazu bei. Außerdem gibt es eine große Vielfalt, was Alter, Hautfarbe, Körperbau und Größe der Figuren angeht. Stefan, der Held der Geschichte, ist beispielsweise Schwarz, was aus dem Grund besonders wichtig zu erwähnen ist, dass People of Color in der Kinder- und Jugendliteratur im Vergleich zu weißen Protagonist*innen immer noch deutlich unterrepräsentiert sind. Stefans Windbeuteltorte ist zweifelsohne der optische Höhepunkt des Buches – sie ist fünfmal so groß wie Stefan selbst, knallbunt und wirkt wie aus dem Schlaraffenland. Um sie betrachten zu können, muss man das Buch drehen, weil sie sich um 90° verrückt über eine Doppelseite entspannt und sich auch durch diese Drehung von den anderen Buchseiten abhebt. Konfetti, Luftschlangen und fliegende Hüte verstärken die prachtvolle Darstellung noch zusätzlich.

Die Handlung ist recht vorhersehbar, das Ende der Geschichte wenig überraschend, was jedoch durch die ausgefallenen Formulierungen mit vielen Übertreibungen und Superlativen ausgeglichen wird, die die Spannung durch den gesamten Verlauf des Buches aufrecht erhalten und vor allem beim Vorlesen jede Menge Freude bereiten.

Dem Buch gelingt es ausgesprochen gut, dazu zu ermutigen, an die eigenen Träume zu glauben und sie sich von niemandem ausreden zu lassen. Durch diese schöne Botschaft, die kunstvoll gestalteten Bilder, die sprachlichen Besonderheiten und die Figurenvielfalt eine absolute Empfehlung!
Johanna Altmann
[jalt 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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