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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Westhof, Jochem,     
Titel:
Die Seele
ISBN:
978-3-87503-253-6  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Knötzele, Susanne
Seitenanzahl:
14
Verlag:
Lutherische Verlagsgesellschaft mbH; Edition Wittig, Kiel
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
12,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Sehr einfühlsam und gleichzeitig anschaulich werden Kinder an das Thema “Seele” herangeführt. Dabei gelingt es der Illustratorin durch ihre ausdrucksstarken Bilder dasjenige mitschwingen zu lassen, was durch Worte nicht ausgedrückt werden kann.
[spu 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
4 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Religion / Ethik / Philosophie
       
Anmerkungen:
Nachdenken und Philosophieren in Schule und Familie
       
Beurteilungstext:
"Seele" - ein Thema für Kinder? So wird sich manch einer fragen, der auf den Titel des Buches stößt.
Das Thema "Seele" ist eng angelehnt an die Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Tod". Schon sehr früh beschäftigen sich Kinder, meist ausgelöst durch natürliche Anlässe, wie der Tod eines Großelternteils oder eines Haustieres, mit dieser Thematik. Häufig werden in diesem Zusammenhang genuine Fragen, wie "Warum stirbt man?", "Wo komme ich hin?" oder "Gibt es ein Leben nach dem Tod?" gestellt. Genau hier ist die Schnittstelle zu verorten, welche die Brücke zum Thema "Seele" schlägt.
Im Dialog mit der kindlichen Leser*in entfaltet der auktoriale Erzähler grundlegende Inhalte zum Thema "Seele". Fast erweckt es den Eindruck, als ob es sich hierbei um ein Sachbuch auf persönlicher Beziehungsebene handelt.
Das Buch ist inhaltlich wie ein tiefes Ein- und Ausatmen aufgebaut. Dies kommt insbesondere durch die Gestaltung der Sätze zum Ausdruck: Die ersten drei Seiten des Buches bestehen aus kurzen, dreizeiligen Sätzen im parataktischen Stil, schlicht und ohne schmückende Adjektive. Dann füllen sich die Seiten, wie bei einem Crescendo, mit ausdrucksstarken Sätzen. In einer kontrastreichen Gegenüberstellung zwischen den "bitteren Tropfen des Lebens" und den "glitzernden Seelentropfen" finden sie schließlich ihren Höhepunkt. Diese gipfeln am Ende der jeweiligen Seite in einer antithetischen Parallelität, die zu der inhaltlichen Quintessenz zusammenschmilzt: Das Leben wird voller Kummer. - Das Leben wird voller Glück. Wie beim Ausatmen werden jetzt die Sätze wieder kürzer und einfacher, um schließlich mit einem einzigen Satz, wie in bildhafter Form eines Hauches, zu verschwinden.
In einer Text- Bildparallelität entfalten die inspirierenden Aquarellzeichnungen ihr narratives Potential, meist in monoszenischen Momentaufnahmen. Farbkontraste werden bewusst vermieden und die zarten Pinselstriche zerfließen in unterschiedliche Farbtöne. Dabei kommt es zu einer deutlichen Trennung von Bild- und Textbereichen, wobei die Schrift ungewöhnlicherweise in Blau erscheint. Auch hier ein Hinweis, dass starke Kontraste vermieden werden: Die Seele ist etwas Helles, sie mag keine Dunkelheit und keine Kontraste.
Der zarte Bildhintergrund erinnert an leicht bewegtes Wasser, an die Weite des Himmels, die Unendlichkeit des Kosmos oder an eine bunte Farbenwelt: Die Seele ist Teil von etwas viel Höherem.
An den eher schemenhaften Porträts der Personen lässt sich leicht ablesen, dass die Seele unabhängig von Kultur, Alter und Gender zu denken ist. Häufig sind es Kindergesichter, die entweder als Silhouette oder im Profil abgebildet werden und damit die kindlichen Leser*in zur Identifikation anregen. Ihre Augen sind meist geschlossen und signalisieren der Betrachter*in, dass die Seele im Inneren wohnt und mit dem Auge nicht zu erfassen ist. Neben den Gesichtern ziehen die Hände dezidiert die Aufmerksamkeit der Betrachter*in auf sich. Wie zu einer Schale zusammengeführt, enthalten sie etwas Helles, das leicht und klar und nicht zu fassen ist, welches zerbrechlich und äußerst zart erscheint - die Seele. "Die Seele ist der Ort, wo du Gott hören kannst." Eine leise Stimme, die nur für offene Ohren wahrnehmbar ist. Obwohl manche "Kinder […] ganz viele bittere Worte [hören] oder […] viele schreckliche Bilder [sehen]", wer "Gott hört, für den füllt sich die Seele mit Sternenglanz." Hier werden explizit auch kindliche Ängste und Verletzungen angesprochen, die einen Raum eröffnen, der in empfindsamer Weise zum Gespräch über eigene Erfahrungen einlädt.
Insgesamt ein Buch, das in die Tiefe geht, liebevoll zu vielen Fragen inspiriert und in einer kindgerechten und sensiblen Art zum Nachdenken und Austauschen anregt.
Siglinde Spuller
[spu 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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