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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Vetulani, Jerzy / Mazurek, Maria,     
Titel:
Avas Traum oder Wie das Gehirn funktioniert
ISBN:
978-2-9404-8173-6  
Übersetzer:
Martina Polek
Originalsprache:
Polnisch
Illustrator:
Marcin Wierzchowski
Seitenanzahl:
73
Verlag:
Helvetiq, Lausanne
Gattung:
Sachliteratur / Sachbilderbuch
Reihe:
Ava-Kindersachbücher
Jahr:
2019
Preis:
19,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Wie im Traum erfährt Ava, welche großartige Arbeit ihr Gehirn leistet. Kindgerecht aufbereitet stellt dieses Sachbilderbuch mindestens ein Jahr Medizinstudium zusammen.
[marS 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
6 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Ethik / Philosophie / Lernen / Schule / Schüler / Wissen
       
Anmerkungen:
Forscherklassen, Projekttage, Projektwochen, Sachunterricht
       
Beurteilungstext:
Bereits 2017 veröffentlichte der polnische Biochemiker, Psychopharmakologe und Neurobiologe zusammen mit der polnischen Journalistin Maria Mazurek das Buch “Avas Traum - oder wie das Gehirn funktioniert”. 2019 findet das auf Deutsch übersetzte Buch nun auch Einzug in unsere Fachgeschäfte. Ein Sachbuch im großen quadratischen Format von ca. 26 cm und einem Hardcover. Bekannt war der renommierte Neurowissenschaftler auch als Geschichtenerzähler, mit der Gabe, die Geheimnisse der Wissenschaft einfach und mit Witz zu erklären. So schaffte der 2017 verstorbene Vetulani ein einzigartiges mit Unmengen an Wissen gefülltes Kinderbuch. Einzigartig wird das Buch durch seine komplexe Informationsfülle über die Funktionsweise des Körpers, vor allem aber des Gehirns. Betont wird dabei auch der große Einfluss unserer täglichen Erfahrungen und Erlebnisse auf unsere emotionale Entwicklung.
Auf bunt gefüllten Doppelseiten findet sich in diesem Sachbilderbuch die Geschichte von Ava. Nach einem “geschäftigen Sonntag” geht sie zu Bett und schläft ein, um sich zu erholen. Doch ihr Körper macht keine Pause und so führen ihre Organe eine Debatte darüber, wer am wichtigsten ist. Die verschiedenen Organe erlangen alle eine Stimme und scheuen sich nicht die eigene Wichtigkeit zu betonen. Begleitet werden die Buchseiten voller Bilder, Sprechblasen und Grafiken immer wieder von kleinen Erzählerpassagen, welche neutral einige Informationen zusammenfassen. Protagonist*innen sind dabei stets Ava selbst oder ihre Organe. Bemerkenswert ist die Interaktion der eigentlichen Protagonistin Ava mit ihren eigenen Organen, welche in ihrem Traum ebenfalls zu Protagonisten werden und lebhafte Diskussionen mit ihr führen. Schließlich mischt sich das Gehirn ein und übernimmt das Gespräch und die Führung durch die verschiedenen Vorgänge in Avas Körper. Diese Diskussionen mit enorm hohem Informationsgehalt werden dabei stets von sehr detaillierten, aber kindgerechten Grafiken oder Schemen unterstützt, so dass es einfach gelingt den Dialogen zu folgen. Erklärt werden anhand verschiedenster Beispiele und Vergleiche dann die Aufgaben des Gehirns und die Funktionen der verschiedenen Bereiche. Einfluss erhalten dabei Themen wie Denken, Lernen, Bewusstsein, die Auswirkungen von Aktivitäten und Erleben, Soziolinguistik, Genderforschung, sowie Ernährung und vieles mehr.
Die Autoren verzichteten dabei nicht auf detaillierte Erörterungen inklusive medizinischer Fachbegriffe, welche das Buch zum Teil überladen wirken lassen können. Trotzdem sind die Sätze und Informationen trotz ihrer Fülle kurz und prägnant beschrieben. Dadurch garantiert das Buch nicht nur einen Wissenszuwachs bei Kindern und Jugendlichen, nein, auch Erwachsene können diesem Buch sehr viel Wissen entnehmen. Das Buch greift dabei Aspekte der subjektiven Wahrnehmung und der individuellen Persönlichkeitsentwicklung auf und markiert, dass die Entwicklung eines jeden Menschen unterschiedlich ist.
Durch die Personifikation verschiedenster Organe und Zellen wird die Leser*in stets durch die Kommentare von beispielsweise Neuronen erheitert. Mimik und Gestik unserer Bestandteile des Gehirns und der Organe unterstützen das Verständnis der Schemen. Die Illustrationen erscheinen sehr flächig, was der Gattung des Sachbuches an dieser Stelle sehr gerecht wird. Die komplexen Prozesse in unserem Körper werden sehr transparent erläutert, so dass es keine versteckten Informationen in der Tiefe einer Illustration gibt. Durch eine Orientierung an Pastelltönen bleiben alle Textfelder und Illustrationen in einem harmonischen Gleichgewicht. Somit werden alle Abläufe, Prozesse und Sachverhalte sehr explizit und direkt in Text und Bild vermittelt. Dabei ergänzen die Sprechblasen einzelner Akteur*innen die informativen Texte, durch Lebensweltbezüge von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Das ist der Komplexität des Themas sehr dienlich. Gelegentlich werden auch historische Personen in Avas Gedächtnis gerufen, welche sich in das Gespräch einmischen. Bis zum Ende des Buches haben Schrift und Bild ein ausgeglichenes Verhältnis.

Zusammenfassend richtet sich dieses grandiose Buch laut Verlag an Kinder und Jugendliche ab 8 Jahre. Je nach individuellem Auffassungsvermögen und Interesse eignet sich dieses Buch jedoch auch schon für jüngeres Publikum, vor allem aber auch für älteres Publikum. Syntax und Wortwahl sind bis auf die einzelnen Fachbegriffe einfach gehalten. Das Buch ist nicht darauf ausgelegt einen Vermittler in Lesesituationen dabei zu haben, eine Begleitperson ist jedoch sicherlich nicht unangebracht, da die erklärten Prozesse und Vorgänge einige Fachtermini beinhalten, welche mit einer erwachsenen Person besser rekonstruiert werden können. Durch die wissenschaftliche Aufmachung eignet sich das Buch absolut zum Gebrauch in der Schule. Ausschnittsweise können verschiedene Themen durch dieses Buch erarbeitet oder begleitet werden. Auch zur privaten Lektüre in einer Bibliothek eignet sich das Buch ausgesprochen gut, da auf den 72 Seiten jede Menge zu entdecken ist. Keinesfalls eine leichte Abendlektüre, welche schnell gelesen ist.
[marS 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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