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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Baltscheit, Martin,     
Titel:
Am Anfang war das Ding
ISBN:
978-3-903081-41-3  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Hattinger, Theresa
Seitenanzahl:
48
Verlag:
Luftschacht, Wien
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
24,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Eine Tüte sorgt in der Savanne für Aufregung – und eine dramatische Entwicklung. Ein nachdenkliches Buch über ein großes Missverständnis.
[Michael Ritter 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
10 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Angst / Fremde Kulturen / Religion / Politik
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Eines Tages verfängt sich eine gelbe Tüte im Baum – die Tiere sind erstaunt und kennen ein solches Ding nicht. Schnell entwickeln sich Interpretationen – der Kranich sieht darin ein göttliches Wesen, dem man huldigen und Geschenke darbringen muss, das Nashorn eine Gefahr, der nur es selbst gewachsen ist, weshalb die anderen es durch Futtergaben unterstützen sollten. Die Raben haben ganz eigene Interessen und andere interessieren sich überhaupt nicht. Um die eigene Interpretation zu sichern, werden Zufälle umgedeutet und in die eigene Sichtweise integriert – was zu Abgrenzung und Aggression führt, die sich zunehmend zuspitzt und in einem tödlichen Kampf mündet. Die Tüte hingegen wird wieder weitergeweht, unbeeindruckt von dem ganzen Trara, der um sie veranstaltet wurde.
Diese fabelartige Geschichte thematisiert in der komischen Gestalt der Tiere sehr menschliche Neigungen, mit dem Fremden und Unbekannten umzugehen. Blinde Huldigung verfehlt genauso das Ziel wie blinde Ablehnung. Stattdessen bauen die Tiere eine Kulisse der Überinterpretation auf, die zwar in sich sinnhafte Praktiken erzeugt, diese aber zunehmend konfrontativ zueinander in Beziehung treten. Die Künstler*innen kritisieren in ihrer Bilderbuchgeschichte das verkürzte menschliche Verhalten im Umgang mit dem Fremden und Unerklärlichen. Statt den Dingen sachlich auf den Grund zu gehen, spielen oft eher egoistische Bedürfnisse und eigene Verstehensgrenzen eine leitende Rolle. Insofern verstehe ich das Buch auch weniger als Religionskritik denn als Satire über den menschlichen Pathos, worauf immer er sich auch richtet.
Vermittelt wird die Handlung in sehr knapp-verdichteten Sprachelementen, die weniger erklären als die Handlung rudimentär und teils dadurch drastisch überzeichnet inszenieren. Die Bilder sind kombinierte Aquarell- und Stiftzeichnungen, die die Tiere in naturalistischer, wenn auch vereinfachter Form zeigen, und dabei den Akteur*innen mitunter auch vermenschlichte Züge verleihen. Insgesamt liegt hier ein zugespitztes, tiefsinniges und streitbares Bilderbuch vor. Sehr zu empfehlen!
[Michael Ritter 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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