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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Angel, Frauke,     
Titel:
Ein eiskalter Fisch
ISBN:
978-3-7022-3842-1  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Kihßl, Elisabeth
Seitenanzahl:
26
Verlag:
Tyrolia, Innsbruck
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
16,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Eine Geschichte über Zuneigung und Geborgenheit – und die Chancen, die gerade in dem Verlust liegen.
[Michael Ri 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
6 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Sterben / Tod / Streit / Konflikt
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
„Heute war der schönste Tag in meinem ganzen, langen Leben. Heute ist Onno gestorben.“ So beginnt der kindliche Ich-Erzähler fast ein wenig selbstironisch, keinesfalls aber erwartungskonform seine Erzählung im neuen Bilderbuch von Frauke Angel und Elisabeth Kihßl. Wie diese beiden so konträren Aussagen zusammenpassen, bringt die folgende Geschichte zutage und sie eröffnet damit einen Erlebnisspielraum, der die Ambivalenz der Situation in einer vielschichtigen und tiefsinnigen Weise zum Ausdruck bringt. Onno ist der Fisch des Jungen und der ist gestorben und wird beerdigt. Dafür bereitet der Junge ein Art Wassersarg mit Blumen und Parfüm, bevor Onno in einer schönen Zeremonie gemeinsam mit den Eltern die Toilette heruntergespült wird. Schön wird das Ereignis dadurch, dass der Junge dabei eine große Nähe zu seinem Vater erlebt, die ansonsten eher fehlt, weil der Vater „nicht so ein Kuscheltyp“ ist. Doch heute nimmt er den Jungen lange in den Arm. Dass das weniger mit Onno als mit einem Streit mit der Mutter zu tun hat, wird eher subtil und beiläufig aus der Handlung erkennbar. So ist parallel auch die Mutter weg, jedoch unter ganz anderen Vorzeichen. Auch wenn der Vater laut ihrer Aussage „ein kalter Fisch“ ist, so ist sie eben nur „frische Luft schnappen“ und der Junge ist sich abschließend sicher: „Mama kommt immer wieder.“ Trotz der metaphorischen Analogie des kalten Fisches werden Tod und Streit hier doch diametral gegenübergestellt. Während der Streit nur zeitlich befristet trennt und eher ein aufeinander zubewegen ermöglicht, trennt der Tod und macht den Abschied notwendig. Beides kann gut sein – und Nähe schaffen.
Der kurze Erzählerbericht aus der Perspektive des Jungen verzichtet auf szenische Elemente wie wörtliche Rede und verortet die Geschichte damit absolut in der Erlebnisperspektive des Jungen. In den Bildern sind in der Regel Außenperspektiven aus relativer Nähe in mittlerer Höhe gezeigt, so dass der Bildraum bühnenartig anmutet. Die Bilder sind detailreduzierte und typisierte Szenenbilder, die verschiedene Bildtechniken aufweisen. Kräftige Aquarellflächen und feine Blei- und Buntstiftzeichnungen sind auf Weißraum miteinander kombiniert in einfachen Bildcollagen. Gerade die relativ sparsam eingesetzten mimischen Mittel der Figurendarstellungen eröffnen viel Imaginationsspielraum und Identifikationspotenzial. So kann das Buch auch handwerklich überzeugen – sehr zu empfehlen!
[Michael Ri 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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