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Autor:
Otter, Isabel,     
Titel:
Fast vergessene Märchen - Starke Mädchen brauchen keine Retter
ISBN:
978-3-96185-040-2  
Übersetzer:
Rohrbacher, Beatrix
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Sender, Ana
Seitenanzahl:
116
Verlag:
360 Grad Verlag, Schriesheim
Gattung:
Märchen / Fabeln / Sagen
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
18,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Kinder brauchen Märchen - das ist seit Bruno Bettelheims gleichnamiger Schrift klar. Aber Kinder benötigen auch Rollenvorbilder. Nicht nur Stereotype, sondern auch solche, die Mädchen und Jungen gleichmaßen ermuntern, dem Leben mutig zu begegnen. Denn wer einem Kind alle Steine aus dem Weg räumt, muss sich nicht wundern, wenn es im Erwachsenenalter nicht gelernt hat, über Hindernisse zu gehen. Fast vergessenen Märchen spornt Mädchen und Jungen dazu an!
[raika 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
8 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / fantastisch / märchenhaft / Fremde Kulturen
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
„Neben Nahrung, einem Obdach und Gesellschaft sind es Geschichten, die wir am allermeinsten brauchen.“
Mit diesem Zitat Philip Pullmans schließt Isabell Otter ihre außergewöhnliche Märchensammlung, die man auch `Märchen für mutige Mädchen` nennen könnte.
Den meisten von uns sind die Märchen des hiesigen Kulturkreises geläufig – die Märchensammlung der Brüder Grimm etwa, Hans-Christian Andersens oder die Hauff`schen Märchen. Märchen von Helden, die ausziehen das Glück zu finden – sei es in Form einer schlafenden Prinzessin oder eines Königreiches. Doch in den meisten Fällen sind es männliche Helden, die sich bewehren und Abenteuer bestehen. Die Frauenfiguren sind meist schön, fleißig und sittsam und warten voller Geduld auf den Prinzen. Oder aber werden als garstige Alte, intrigante Stiefmutter oder böse Hexe dargestellt. Auch wenn Märchen unbestritten wichtig für die kindliche Entwicklung sind, wie es Bruno Bettelheim bereits 1976 postulierte, manifestieren sie doch sehr tradierte Geschlechterverhältnisse: brave Mädchen und abenteuerlustige Jungs.

Mit ihrer Märchensammlung „Fast vergessene Märchen“ bricht Isabel Otter mit dieser Darstellung. Sie sammelte 19 Märchen über alle Kontinente hinweg. Eine Weltkarte vorn im Buch veranschaulicht, „wo die Märchen spielen“. Diese zeigt, dass Märchen ein weltweites Kulturgut sind und jedes Volk in jedem noch so fernen Land eigene Märchenschätze besitzt. So liest man in einem Märchen aus Indien von der Bäuerin Simran, die ihrem ängstlichen Gatten Hardeep mit List vor dem Tiger schützt und diesen letztlich vertreibt. Das Märchen "Der schwarze Bulle" erzählt vom Mädchen Jessie, die als jüngste Tochter auszieht, ihr Glück mit Hilfe eines schwarzen Bullen sucht und über Umwege auch findet und schließlich – nach etwas Bedenkzeit – den Ritter doch heiratet. Thakáne wiederum ist ein mutiges Mädchen aus Lesotho, die für ihre Brüder weite Reisen und Abentuer auf sich nimmt, um einen „nanabolele“ zu erlegen – einen Drachen, dessen Haut wie Mond und Sterne funkeln.
Dabei erzählen alle Märchen von Mädchen und Frauen in den Hauptrollen. Es sind weibliche Heldinnen, die mutig, schlau und genauso listig sein können wie die klassischen Helden der Grimms und Co. Über allem aber geht jede Heldin selbstbestimmt ihren Weg durchs Leben. Besonders gelungen ist Otters Erzählweise. Überschaubare Abschnitte, welche die Märchen in gut erfassbare Sinneinheiten gliedern, erleichtern auch schon jüngeren Leser*innen das Lesen.
Illustriert wurde das Buch von Ana Sender. Jedes Märchen taucht in eine monochrome Hintergrundgestaltung ein, die in die Illustration übergeht. Sehr detailverliebt, zum Suchen und Entdecken anregend, hält Sender ihre Bilder.
Zu guter Letzt wird noch ein Glossar angeführt, welches neben Hintergrundinformationen zu den Märchen auch noch weiterführende Denkanstöße bereithält. Denn wer weiß schon, dass die von den Brüdern Grimm gesammelten Märchen größtenteils von Frauen zugetragen wurden? Dass man sich Märchen auch erzählte, um die Zeit beim Arbeiten schneller vergehen zu lassen oder dass das Sumo-Ringen im Märchen „Maru-me und der Ringer“ einst als religiöse Zeremonie galt.
Alles in allem ein sehr lesenswertes und wunderbar illustriertes Märchenbuch, welches den Märchenkosmos von Jungen und Mädchen gleichermaßen erweitert.
[raika 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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