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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Sassen, Erna,     
Titel:
Keine Form in die ich passe
ISBN:
978-3-7725-2863-7  
Übersetzer:
Erdorf, Rolf
Originalsprache:
Holländisch/Niederländisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
224
Verlag:
Freies Geistesleben, Stuttgart
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
18,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Das Buch "Keine Form in die ich passe" von Erna Sassen erzählt sprachlich anspruchsvoll die Geschichte der 16jährigen Tess auf ihrem Weg zu sich selbst.
[ms 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Freundschaft / Gefühle / Jugend / Adoleszenz / Liebe / Schule / Schüler
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Keine Form in die ich passe – heißt der Titel des Jugendbuches von Erna Sassen und impliziert, dass es bestimmte Strukturen, Rollenmuster, sprich Formen gibt, in welche man eben „reinpasst“, um zu einer bestimmten Gemeinschaft oder Gruppe zu gehören. Tessel, kurz Tess, die 16jährige Hauptprotagonistin aber hat das Gefühl irgendwie in keine Form zu passen.
Tess ist empathisch, theaterbegeistert und perfektionistisch. Ihre Krise beginnt mit einem zerplatzten Traum. Dem Traum einer engen Freundschaft mit P. (ihrem Lehrer). P (= Parzival), ihr neuer Niederländischlehrer, engagierte Tess als Regieassistenz für das Unterstufentheater. Schnell wurde sie zu seiner Produktions- und persönlichen Assistentin, Vertrauten, Begleiterin zu seinen Kabarettabenden und mehr: „Ein Dreivierteljahr hatte ich einen sehr intensiven Umgang mit P. Wir sahen uns mehrmals die Woche; es war immer sehr relaxt. DAS HABE ICH MIR DOCH NICHT EINGEBILDET?“ (S. 146) Und nun:
„Es ist nicht sehr schön, wenn jemand dich als zwanghaft bezeichnet.
Oder dir vorwirft, eine Stalkerin zu sein.
Erst recht nicht, wenn dieser Jemand dir wichtig ist.“ (S.35)
Der Bruch mit P. erschüttert Tess' emotionales Gleichgewicht und wirft sie völlig aus der Bahn.
„Mich krankmelden
Umwege radeln
Weglaufen
Es drangeben“ (S. 82)

Wie herauskommen aus diesem Teufelskreis, wie den Kummer und die Selbstzweifel überwinden? Tess' Mutter kann ihr bei diesem Prozess eher nicht helfen:

„Nicht doch, Ma
nicht diese Schultern und das Seufzen
so war das nicht vereinbart
Ich pubertiere
und du hältst alles aus
so ging es immer
und so muss es bleiben“ (Songtextausschnitt von Tess, S.187)

In ihrer Wut, ihrer Hilfslosigkeit und Traurigkeit wendet Tess sich zunehmend an Evelien. Tess lernt Evelien in einem Schuhgeschäft kennen, als Eveliens 16jährige Tochter Sanne noch lebte. Nun ist sie tot und Evelien gefangen in ihrer Trauer. Beide Charaktere befinden sich in einer emotionalen Ausnahmesituation und beide begleiten sich gegenseitig ein Stück auf ihrem jeweiligen Weg.
Nach und nach erfährt die Rezipient*in von Tess' scheinbar auswegloser Situation, ihrer Hilflosigkeit, ihrem Elend, ihren Selbstzweifeln und Schuldgefühlen. Erzählt werden im Rückblick die letzten eineinhalb Jahre in Tess Leben. In einem Zeitstrang wird die Geschichte mit P. erzählt, parallel dazu werden die Begegnungen mit Eveline geschildert (in einem eher unklaren Zeitstrang) und eingebettet sind diese Sequenzen in einem rechten schmalen Zeitraum, vom 5. Mai bis 12. Juni eines Jahres - eine kunstvolle Dramaturgie. Die fünf Daten (vom 5. Mai bis 12. Juni) markieren fünf Listen. Listen, welche Tess' Ziele und Vorhaben darstellen. Ein wesentliches Vorhaben ist u.a. das Thema der Abschlussarbeit, welches am Ende auf eine eigene CD hinausläuft. In ihren Songtexten verarbeitet Tess ihre Emotionen, Erlebnisse und Erfahrungen und diese durchziehen ebenfalls wie ein beständiger Faden das Buch und schaffen somit auch eine lyrische und sprachliche dichte Form.
Erna Sassen beschreibt den faszinierenden Selbstfindungsprozess einer 16jährigen in einer ungewöhnlichen und komplexen sprachlichen Gestaltung in Versen, welche auch ernste und schwierige Themen, wie Tod, Trauer und Verzweiflung behandelt. Ein sehr empfehlenswertes Buch für jugendliche Leser*innen.
[ms 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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