AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

10437 aktuelle Rezensionen, weitere 69844 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Bernhard, Julia,     
Titel:
Wie gut, dass wir darüber geredet haben
ISBN:
978-3-96445-014-2  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Bernhard, Julia
Seitenanzahl:
96
Verlag:
avant, Berlin
Gattung:
Comic / Graphic Novel
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
20,00 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
Zehn Momentaufnahmen, die die zwischenmenschliche Kommunikation in ihrer ganzen Absurdität zeigen
[sag 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Gender / Geschlecht / Emanzipation / Mädchen / Frau / Feminismus / Kommunikation
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Mit „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“ legt Julia Bernhard (*1992) ein grandioses Comic-Debüt vor, das bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. In insgesamt zehn skurril-komischen und zugleich erschreckend wahren Szenen rund um die immer gleiche Protagonistin - eine kunstschaffende Endzwanzigerin wie sie -, beweist die Autorin ihr Gespür für die mehr oder weniger versteckten archaischen Rollenbilder in der Alltagskommunikation. Jede dieser Momentaufnahmen, in denen die zwischenmenschliche Kommunikation mit dem Familien- und Bekanntenkreis ins geradezu Absurde abdriftet, beginnt in medias res. Der Gesprächsrahmen und die Beziehung zu ihrem Gegenüber erschließt sich aber durch die Alltäglichkeit der Situationen bereits in den ersten Panels. Präsentiert werden Großmütter, die das eigene Leben und den eigenen Lebensentwurf ungefragt kommentieren und bewerten („Aber in deinem Alter hat man doch einen Freund!“), Liebschaften, die sich mit dem Argument der Freiheit „final gegen eine Beziehung entscheiden“ und Kommiliton*innen, die ihre verkopften Kunstprojekte planen: „Ich dachte an Senf. Große Mengen an Senf auf nackten Körpern als Versinnbildlichung des archaischen Schmerzes, der den Menschen ereilt, sobald er nach der Geburt die Erkenntnis erlangt, in was für eine grausame Welt er geworfen wurde.“ Daneben mischen sich auch der Hund, die Grünpflanze und der Toaster ungefragt in das Leben der Protagonistin ein, die meist nur stumm registriert und am Ende einer jeden Szene mit einem lakonischen „Eat. Shit. Die“ den bekannten Hollywood-Selbstfindungsfilm „Eat. Pray. Love“ persifliert. Im gesamten Band bleibt die junge Frau nicht nur namen- sondern auch gesichtslos. Lediglich die Hände, ihr Getränk, ein Teller oder eine Zigarette, die sie im Begriff ist, anzuzünden, werden gezeigt, die übrigen Panels fokussieren frontal und damit schonungslos ihr jeweiliges Gegenüber. Durch diesen Kunstgriff des Point-of-View ist man während der Lektüre geradezu dazu gezwungen, sich mit der Protagonistin zu identifizieren und die unangenehme Peinlichkeit der jeweiligen Situation nachzufühlen und selbst auszuhalten. Ein rundum gelungener Band, der zum Lachen, zum Nachdenken und zum Diskutieren anregt!
Saskia Germer
[sag 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.