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Autor:
Fournier, Jean-Claude,     
Titel:
Spirou & Fantasio Gesamtausgabe. Band 11: 1976-1979.
ISBN:
978-3-551-71631-6  
Übersetzer:
Müller, Peter
Originalsprache:
Französisch
Illustrator:
Fournier, Jean-Claude
Seitenanzahl:
200
Verlag:
Carlsen, Hamburg
Gattung:
Comic / Graphic Novel
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
30,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Endlich! Nach Jahren des ungeduldigen Wartens veröffentlicht Carlsen nun die erste gebundene Kompaktausgabe der „Spirou-und-Fantasio-Reihe“. Aktuell liegt der elfte Band „1976-1979“ vor. Im Jahre 1969 übernahm Jean-Claude Fournier die Serie. Seine späte Schaffensperiode mit den Abenteuern „Alles wie verhext“, „Kodo der Tyrann“ und „Nichts als Bohnen“ sind in diesem 11. Band der Gesamtausgabe abgedruckt.
[OWA 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
10 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Komik / Humor / Politik
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Der vorliegende Band 11 der Abenteuer des Hotelpagen Spirou und seines durchgeknallten Sidekicks Fantasio enthält die Abenteuer sieben bis neun von Jean-Claude Fournier, ergänzt um fünf kurze Erzählungen aus der Reihe „Pips Memoiren“ sowie die ersten Seiten eines unveröffentlichten Comics von Fournier. Der Bretone mit der Begabung eines lyrischen Poeten gestaltete die Serie zehn Jahre lang. In dieser Zeit entstanden neun Alben. Erst 1979, nach „Nichts als Bohnen“ legte Fournier die Verantwortung über Spirou, Fantasio und Pips in die Hände eines neuen Autorenteams. Bis dahin gab er ihr ein merklich neues Gesicht. Nachdem seit 1946 v.a. der Belgier André Franquin das Erscheinungsbild der Serie prägte und neben Hergé und dem Duo Uderzo/ Goscinny zu einem der stilprägendsten europäischen Comic-Künstler wurde.

Das siebente Abenteuer von Spirou und Fantasio aus der Feder Fourniers trägt im französischen Original den Titel „L'Ankou“ - und ist all denen ein Rätsel, die sich in der bretonischen Sagen- und Legendenwelt nicht auskennen, weshalb er den deutschen Leser*innen bis heute erst gar nicht zugemutet wurde. Der Titel „Alles wie verhext“ versprach mehr Verständnis. Dabei ist der „Ankou“ eine Art Sensenmann oder Todesbote aus dem bretonischen Volksglauben und ist im kollektiven Bewusstsein der Franzosen fest verankert – ähnlich dem Mephisto im Deutschen. Fournier macht den „Ankou“ zum Protagonisten des Albums, als humorvolle Metapher für die Umweltsünden der späten 1970er Jahre, im speziellen der Atomenergie und des Kohleabbaus in der Bretagne. Spirou verbündet sich im Laufe des Comics mit ihm, um die Landschaft im Nordosten Frankreichs vor der atomaren Katastrophe zu retten.

Das zweite Album des Bandes, „Kodo der Tyrann“, sollte ursprünglich eine 4 bis 6-teilige Geschichte werden. Dem damaligen Verleger war ein so breit angelegtes Projekt allerdings zu riskant und er bat Fournier deswegen sich auf ein Doppel-Album zu beschränken. So ist „Nichts als Bohnen“, das dritte und letzte Album des Sammelbandes, die einzige und letzte Fortsetzung zu „Kodo der Tyrann“. Grundthema der Doppel-Geschichte sind die Probleme einer fiktiven, exotischen Bananenrepublik irgendwo in Südostasien, die humoristisch gebrochen treffend illustriert werden. Die Sujets des Comics reichen von illegalem Opiumanbau über Verstrickungen mit der Mafia bis hin zu Waffenhandel, Piraterie und Tyrannenherrschaft. Spirou und Fantasio unterstützen die Freiheitskämpfer gegen den korrupten Diktator, um das Land von Unterdrückung und Kriminalität zu befreien und in die Demokratie zu führen – selbstverständlich mit Erfolg. Besonders gelungen ist die Darstellung der Militärdiktatur – begonnen bei den übertriebenen Uniformen bis hin zu den militärischen Sprachmasken in kurzer Syntax mit eingeschränktem Vokabular. Besonders visionär ist dabei Fourniers Lösungsansatz in Wirtschaftsfragen: Er ersetzt im Comic nämlich ein korruptes Wirtschaftssystem aus Waffen- und Drogenhandel durch eine moderne Bio-Agrar-Kultur, die aufgrund der geologischen Lage auf der Weltkarte in der Situation ist, zwei- bis dreimal im Jahr Obst-, Gemüse- und Getreideernten einzufahren.

Insgesamt zeigt auch dieser 11. Band auf wunderbare Weise noch einmal den vollzogenen Wandel der Serie. Es macht Spaß die gewonnene Autonomie Fourniers zu beobachten – im Zeichenstil, der Erzählweise und dem Figurenarsenal. So ist dieser Band sowohl aus Sicht des interessierten Hobby-Comic-Philologen, als auch aus der Perspektive des Unterhaltungssüchtigen immer noch ein absolutes Muss und eine volle Kaufempfehlung. Passend dazu fällt im elften Teil der Serie auch der als Begleittext angelegte Kommentar sehr umfangreich und reflektiert aus. Er richtet sich ausschließlich an ein erwachsenes Publikum, für die die Gesamtausgabe schon eine Re-Lektüre ist.
[OWA 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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