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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Beston, Henry,     
Titel:
Das Haus am Rand der Welt
ISBN:
978-3-86648-269-2  
Übersetzer:
Mast, Rudolf
Originalsprache:
Amerikanisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
224
Verlag:
Mare, Hamburg
Gattung:
Sonstige
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
32,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein Mann lebt ein ganzes Jahr in der Einsamkeit in einem kleinen Haus auf Cape Code, ohne Gesellschaft, ohne Lohnarbeit, ohne Geschäfte und Sorgen. Das waren die simplen Zutaten für Henry Bestons sprachlich geschliffenen und alle Sinne ansprechenden Klassiker des Nature Writing „The Outermost House“, der vor genau 90 Jahren erschienen ist. Er ist nun erstmals in deutscher Übersetzung zu entdecken.
[OWA 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Außenseiter / Natur / Umweltschutz / Ethik / Philosophie
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
September 1926. Henry Beston bezieht ein kleines Holzhaus am Meer, das er sich im Jahr zuvor hat bauen lassen, um dort seinen Urlaub zu verbringen. Geplant waren zwei Wochen, doch er bleibt ein ganzes Jahr; ein Jahr, in dem er seine Umwelt auf sich wirken lässt, sie untersucht und auf diese Weise verstehen lernt. Beston hält sämtliche Beobachtungen in Notizbüchern fest, er beschreibt das Gesehene und Erlebte farbig und detailliert: den Zug der Seevögel, den Rhythmus von Ebbe und Flut, die Formen der Dünen und der Wellen, die Geräusche der Brandung und sogar den Wandel der Gerüche im Laufe der Jahreszeiten.

Dieses halb dokumentarische, halb essayistische Prosawerk Bestons gilt für nicht wenige Literaturliebhaber*innen als das Nonplusultra des Nature Writing. In Anlehnung an Pioniere wie Linné oder Darwin dominiert auf den knapp 190 Seiten zwar vordergründig die Naturbeschreibung – wirkt dabei jedoch nie bloß beschreibend. Denn Beston wird das subjektive Empfinden dieser objektiven Natur oft zur transzendentalen Erkenntnis. Das faktische Sehen, Hören, Riechen und Wahrnehmen der Natur wird zur Metapher einer tieferen, subjektiven Erkenntnis. Ausdrücklich wendet sich Beston von der wissenschaftlichen Beschreibung der Natur ab und beruft sich – ähnlich wie Thoreau und andere dieser Zeit - auf ältere Traditionen des Nature Writing, wo Naturbeschreibung sich mit Naturphilosophie und -theologie vermischt. Charakteristisch für ihn ist, dass er seinem subjektiven Empfinden allgemeine Bedeutung beimisst. Bezeichnend ist Bestons dezidiert ökologische Sichtweise, nach der jedem Lebewesen, wie unbedeutend oder hässlich auch immer, seine ganz besondere Bedeutung innerhalb der „great chain of being“ zukommt.

So wirkt Bestons Text trotz der Tagebuchform, die nicht nach strengen Daten, sondern eher nach Wetter und Jahreszeiten geordnet ist, niemals langatmig oder bieder, sondern stets spannend und erfrischend – obgleich tatsächlich nichts „passiert“. Doch die essayistische Deutung seiner Naturbeschreibungen ersetzt die Handlung anderer Texte so gekonnt, dass Langeweile nie aufkommen mag. Ergänzt wird die bibliophile Ausgabe im Schmuckschuber mit Lesebändchen noch durch Anmerkungen des Übersetzers Rudolf Mast (bereits verantwortlich für die hochgelobte Neuübersetzung von Defoes „Robinson Crusoe“), und einem lesenswerten Nachwort von Cord Riechelmann.
[OWA 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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