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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Onano, Maurizio,     
Titel:
Oma Herbert
ISBN:
978-3-946642-61-9  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Onano, Maurizio
Seitenanzahl:
92
Verlag:
JaJa, Berlin
Gattung:
Comic / Graphic Novel
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
14,00 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
Ein besonderer Comic über die Einzigartigkeit aller Wesen und das Wesen der Freundschaft. Urkomisch und tiefsinnig.
[mr 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
8 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Außenseiter / Gender / Geschlecht / Emanzipation / Liebe
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Das Mädchen Mimi lebt bei ihrer Oma Berta, gemeinsam mit deren Kater Sebastian, dem Huhn Thomas, der Maus Susi und der Blume Gabi. Alle können sprechen und nehmen intensiven Anteil am Leben der Familie. Als gegenüber eine Künstlerfamilie den Sommer über einzieht und der Junge Timo und Mimi sich anfreunden, gerät auch Oma Bertas Leben in gewisse Turbulenzen. Sie möchte endlich wieder jemanden kennenlernen und dafür nutzt sie ein Handy und das Internet. Mit modernster Technik und auch entsprechendem Know-How – besonders von der offensichtlich Social-Network-erfahrenen Gabi – wird ein Profil auf einer bekannten Dating-Website erstellt und bald gibt es einen ersten Eintrag. Doch das Treffen verläuft nicht so gut, was wohl auch mit Oma Bertas Biographie. Früher hieß sie nämlich Herbert und war ein Mann. Das überfordert Yolanda offenkundig. Das zu verstehen und damit umzugehen, bringt auch die Kinder an ihre Grenzen. Doch auch diese Episode geht schließlich noch in eine hoffnungsvolle zweite Runde. Ebenso wie die wachsende Kinderfreundschaft zwischen Mimi und Timo, die ebenfalls eine zweite Ebene andeutet, bei der es dann aber auch erst einmal bleibt.
Urkomisch und gleichzeitig ernsthaft und tiefsinnig verarbeitet Maurizio Onano verschiedenen Themen der menschlichen Identitätsbildung in diesem humorvollen Comic. Geschlechtsidentität, Diversität, erste Liebe und Freundschaft werden hier ganz offen und ohne Scheu thematisiert; auch ohne Scheu, Seltsames oder Fremdes beim Namen zu nennen. Gleichzeitig sind die Protagonist*innen alle zusammen herrlich schräg und wunderbar sympathisch, so dass Oma Berta gar keine Chance hat, zur queeren Außenseiterin zu werden.
In einfachen und plakativ lila, blau und rot kolorierten Zeichnungen entsteht die Geschichte ganz ohne Erzählerstimme in szenischen Panels, die in hochfrequenten Folgen die Handlung ablaufen lassen wie auf einer Bühne oder auf einem Fernsehbildschirm. Dieser Eindruck wird auch durch die verschiedenen genutzten Perspektiven unterstützt. Eine dichte Bezugnahme auf Artefakte der Wirklichkeit, die aber konsequent leicht verfremdet werden und das kuriose Knowhow der Tiere und Pflanzen geben der Geschichte eine komische Grundstimmung.
So überzeugt dieser Comic auf allen Ebenen – sehr zu empfehlen!

Michael Ritter
[mr 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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