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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Mesa, Samuel Castano,     
Titel:
Die Uhr meines Großvaters. El reloj de mi abuela
ISBN:
978-3-905804-91-1  
Übersetzer:
Weber, Jochen
Originalsprache:
Spanisch
Illustrator:
Mesa, Samuel Castano
Seitenanzahl:
44
Verlag:
Baobab, Basel
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
17,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Die Uhr des Großvaters durchdringt mit ihrem Ticken das Haus und rhythmisiert das Familienleben. Doch mit dem Großvater stirbt auch das Ticken.
[mr 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
8 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Ethik / Philosophie / fantastisch / märchenhaft / Sterben / Tod
       
Anmerkungen:
Ein Bilderbuch aus Kolumbien, parallelsprachig Deutsch - Spanisch
       
Beurteilungstext:
Das Ticken der Uhr dringt in jedes Zimmer, tags und nachts bestimmt es den Ablauf der Geschehnisse. Doch eines Tages stirbt der Großvater und mit ihm das Ticken, denn er hat immer die Uhr aufgezogen. Nun ist nichts mehr wie vorher, das Familienleben liegt brach, es wird kein Essen mehr gemacht und selbst das Kind der Tante will nicht auf die Welt kommen. Zum Glück findet das lyrische Ich dann in der Jacke des Großvaters den Schlüssel der Uhr und so kann er sie aufziehen und wieder in Gang setzen – und das Leben nimmt wieder seinen Lauf.
Mit dem konkreten Alltagsobjekt der Ständeruhr wird einerseits ein taktgebendes Instrument der Alltagsgestaltung eingeführt, gleichzeitig aber erhält dieses eine übergeordnete Bedeutung, wenn es nicht nur für die Strukturierung und Orientierung im Tagesgeschäft zuständig ist, sondern sogar den Fortgang des Lebens als solches außer Kraft setzt. Hier wird also auf eine zweite Bedeutungsebene Bezug genommen. Die Trauer und die Hilflosigkeit der Endlichkeit des Lebens gegenüber lähmt die Familie, die erst in der Trauer und der Auseinandersetzung mit dem Großvater und seinen Hinterlassenschaften den „Schlüssel“ findet, der Alltag wieder in Gang bringt.
Dieser wichtige Übergangsprozess des Trauerns findet damit eine passende Form und eine poetische Darstellung, die auf die emotionalen Qualitäten der Erfahrung Bezug nimmt und diese würdigt. Den kurzen Texten, die aus der Perspektive des kindlichen Protagonisten formuliert werden und in spanische und deutsch abgedruckt sind, stehen grafische Bildcollagen gegenüber, die mit viel Weißraum arbeiten und die Figuren und Objekte still und vereinzelt zeigen. Mit verschiedenen Materialien werden die Gegenstände typisiert dargestellt, der Raum löst sich im Sinne einer Fläche weitgehend auf und die Beziehung zwischen den Objekten verunklart.
Ein interessantes Bilderbuch mit einem faszinierenden Bild mit weitem Deutungshorizont zum Thema Tod, Sterben und Trauer. Sehr zu empfehlen!

[Michael Ritter]
[mr 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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