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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Jankevičiūtė, Giedrė/ Geetha, V.,     
Titel:
Eine andere Geschichte des Kinderbilderbuchs - Vom sowjetischen Litauen bis nach Indien
ISBN:
978-9-3831-4568-3  
Übersetzer:
Helmut Wolf
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
diverse
Seitenanzahl:
176
Verlag:
Tara Books, Indien
Gattung:
Fachliteratur
Reihe:
Jahr:
2017
Preis:
42,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Bilderbücher werden schnell zum Experimentierraum für Künstler*innen und das nicht nur in Deutschland oder England. Solche Beobachtungen zeigen sich auch bei sowjetischen Kinderbilderbüchern in Indien oder in Litauen.
[ar 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
18 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Geschichte / Bildende Kunst / Bilderbuch / Litauen / Sowjetunion / Indien
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Bilderbücher spiegeln zum einen gesellschaftliche Vorstellungen vom Kind und von dessen Erziehung wider, zum anderen zeigen sie sich häufig als künstlerische Experimentierräume. Die Künstler*innen lassen Innovationen im Umgang mit Technik, Form und Farbe einfließen. Doch allzu oft wird das Bilderbuch allein aus eurozentristischer Perspektive betrachtet oder in seinen Entwicklungen in Nordamerika oder England dargestellt. Dem versuchen die Herausgeberinnen des vorliegenden Bandes entgegen zu wirken und eine historisch-kritische Perspektive auf das sowjetische Kinderbilderbuch zu werfen. Dabei widmet sich das Buch, das zwischen Fachbuch und Ausstellungskatalog changiert im ersten Teil der Rezeption von sowjetischen Kinderbilderbüchern in Indien, die gerade in den 1970er und 1980er Jahre in verschiedene Sprache übersetzt und in Indien viel gelesen worden sind. Natürlich liegen solchen Entwicklungen politische Entscheidungen zugrunde, wie beispielsweise die Einladung von Übersetzer*innen in die Sowjetunion zum Übersetzen ins Tamil, das in vielen Teilen Indiens gesprochen wird. Die einflussreichen und viel rezipierten Bilderbücher der Zeit werden im Buch großformatig zum Teil ganzseitig oder halbseitig abgedruckt, so dass die Beispiele, auf die der Text Bezug nimmt, immer anschaulich werden.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich noch ausführlicher und systematischer mit dem Einfluss des sowjetischen Kinderbilderbuchs auf die litauische Kinderliteraturszene. Die Ausführlichkeit lässt sich auch damit begründen, dass die Idee des Buches auf einer Ausstellung zum gleichen Thema beruht, welche 2011 auf der Biennale in Bratislava (BiB) präsentiert wurde. So nehmen die Herausgeberinnen die Literaturszene von 1940 bis 1990 in den Blick und zeigen chronologische Entwicklungen in der Illustration von Bilderbüchern, wobei natürlich besonders innovativen, experimentellen Werken Aufmerksamkeit geschenkt wird, weniger den ideologisch vereinnahmten Büchern, die jedoch ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Eine experimentelle Phase wird sogar bereits in der Zeit von 1917 bis 1932 festgemacht, in der Künstler*innen wie El Lissitzky abstrakte Formen in Kinderbücher einbringen. Eine weitere interessante Phase wird nach dem Tod Stalins 1953 festgemacht, in der weniger nach den Prinzipien des sozialistischen Realismus gearbeitet wird als innovativen Darstellungsstrategien folgend, die sich auch an Künstler*innen aus der klassischen Moderne oder später am Pop-Art orientieren. Die zahlreichen Illustrationen und die zum Teil wertenden Bildkommentare machen diese Ausführungen des Textes immer am Beispiel deutlich. Besonders authentisch wirken die Erfahrungen von Historiker*innen und Personen der kulturellen Szene, die nach Erinnerungen an Bücher aus ihrer Kindheit befragt wurden und ihre individuellen Eindrücke wiedergeben. Die Illustrationen selbst sind sorgfältig ausgewählt und eng verwoben mit dem Text, weiterhin sind sie in sehr guter Qualität gedruckt, so dass auch kleine Details in den Bildern gut erkennbar sind und die Farben entsprechend ihre Wirkung entfalten können. Das Buch regt die Leser*innen dazu an, auch selbst Vergleiche herzustellen, z.B. durch mehrere nebeneinander dargestellte Bilder, wie bei den unterschiedlichen Interpretationen des litauischen Kinderliedes Du gaideliai (Zwei kleine Hähne) von Voclovas Kosciuška (vgl. S. 69). Gerade am Ende des Buches werden auch noch für die Literaturentwicklung bedeutende Persönlichkeiten wie die Verlegerin Aldona Liobytė oder die Künstler*innen Algirdas Steponavičius und Birutė Žilytė genauer vorgestellt und in den Kontext der beschriebenen Entwicklungen gestellt.
So handelt es sich bei diesem Buch um eine wichtige Ergänzung nicht nur für den europäischen Raum, um den Blick zu öffnen und globale Bezüge in der Kinderbilderbuchentwicklung herstellen zu können. Insgesamt ist das Buch anschaulich aufgrund der umfangreichen Abbildungen und erläuternd zugleicht. Es macht den Anschein eines Ausstellungskataloges, der aber auch mit Quellen am Ende des Buches (wenn auch leider nicht direkt im Text) ergänzt wurde. Eine andere, aber sehr empfehlenswerte Geschichte des Kinderbilderbuches.

Alexandra Ritter
[ar 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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