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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Stütze, Annett; Vorbach, Britta,     
Titel:
Das Okodil und der wunderbare Buchstabenbasar
ISBN:
978-3-551-06821-7  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Haberstock, Meike
Seitenanzahl:
53
Verlag:
Carlsen, Hamburg
Gattung:
Erstlesebuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
7,99 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein unglückliches Okodil befindet sich auf der verzweifelten Suche nach seinen zwei verlorenen Anfangsbuchstaben, um seine Identität wieder vollständig herzustellen. Dabei kommt es zu zahlreichen kreativen Sprachspielen und witzigen Wortkreationen, die für Sprache sensibilisieren und zu eigenen Produktionen anregen.
[spu 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
6 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Spiel/ Sprache/ Tiere/ Fantasie /Spaß
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Auf einen bunten Marktplatz ganz besonderer Art laden Annett Stütze, Britta Vorbach und Meike Haberstock die kindliche Leser*in in die Stadt Alphabet ein. Es handelt sich um einen zentralen Veranstaltungsort auf dem wöchentlich ein “wunderbarer Buchstabenbasar“ stattfindet, der zum Tausch von Buchstaben aller Art animiert. Als Titel- und Hauptfigur der fiktiven Erzählung aus dem bunten Reich der Tiere entpuppt sich ein (Kr)Okodil, welches sich gemeinsam mit seinem bestem Freund „Madenhacker“ auf die intensive und schließlich erfolgreiche Suche nach seinen beiden verlorenen Anfangsbuchstaben macht. Dabei begegnen der Leser*in die verschiedensten Arten von Tieren, die durch das bewusste Spielen mit und Vertauschen von Buchstaben kreative Transformationen annehmen: aus einem Seepferdchen wird ein Feepferdchen und aus einer Fledermaus eine Ledermaus. Die verrückten Tiere verändern dadurch jedoch nicht nur ihren Namen, sondern gleichermaßen ihr Aussehen, ihre Fähigkeiten, ihren Charakter und damit ihre gesamte Identität. So wird der fröhliche Laubfrosch zum räuberischen Raubfrosch, der starke Löwe verwandelt sich in eine zarte Möwe und kann plötzlich fliegen und die kleine Ratte wächst empor zu einer langen und schmalen Latte.
Sprache wird hier als lustvolles Medium erlebbar, das zum Schmunzeln, ja Lachen einlädt und die kindlichen Rezipient*innen zu eigenen Wortschöpfungen inspiriert. Gleichzeitig sensibilisiert das Spiel mit Sprache für deren strukturelle Architektur und regt ein schöpferisches Abweichen von vorgefertigten Routinen im Umgang mit derselben an. Fast drängt sich in Anwendung dieses Grundprinzips eine biblische Parallelität mit dem Beginn der Genesiserzählung auf, die explizit das Wort und den Schöpfungsakt gleichsetzt. In ähnlicher Weise verändern in der Geschichte um Okodil einzelne Buchstaben ganze Inhalte und transformieren Realitäten, wenn auch fiktive. In diesem Kontext gewinnen Fehler bzw. „Fehlgriffe“ (26) eine ganz andere Dimension und werden aus der Perspektive sprachspielerischer Erfindungen zum Ursprung neuer, fantasievoller Kreationen, denn ein „Buchstaben zu viel kann so schlimm sein wie einer zu wenig“ (26).
Neben den vielen witzigen Irritationen, die die Bedeutungsverfremdungen hervorrufen, kommt es zum inzidentellen Einsatz von stilistischen Mitteln, wie z. B. der Alliteration. In besonderer Weise vermag diese den Klang der Sprache „zauberhaft und ziemlich zumba“ (32) lebendig zu machen und bildhafte Ausdrücke wie der „Hauch von Flieder“ (17) und dem Glitzern von Sternen in der Atemluft (vgl. 17) kreieren eine zum Teil expressionistische Atmosphäre. Jedes der sechs Kapitel, in dem fantastische und realistische Welt untrennbar ineinander übergehen, ist mit einem Untertitel in gebundenem Vermaß näher spezifiziert. Kurze Sätze, der vielfache Gebrauch der wörtlichen Rede sowie lautmalerische Elemente sorgen für einen lebendigen und spritzigen Erzählfluss. Die Namen der Tiere sind zudem zur besseren optischen Differenzierung in großen, bunten Lettern gedruckt, wobei der die Irritation auslösende Buchstabe nochmals fett unterlegt ist.
Die größtenteils monoszenischen Grafiken agieren in einer Bild–Text–Parallelität und unterstützen insbesondere durch kreative Visualisierungen die witzigen Wortschöpfungen.
Insgesamt ein absolut inspirierendes Buch für den spielerischen Umgang und das kreative Experimentieren mit dem faszinierenden Medium Sprache.

Siglinde Spuller
[spu 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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