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Autor:
Fournier, Jean-Claude,     
Titel:
Spirou & Fantasio Gesamtausgabe. Band 9: 1969-1972
ISBN:
978-3-551-71629-3  
Übersetzer:
Müller, Peter u.a.
Originalsprache:
Französisch
Illustrator:
Fournier, Jean-Claude
Seitenanzahl:
236
Verlag:
Carlsen, Hamburg
Gattung:
Comic / Graphic Novel
Reihe:
Spirou & Fantasio Gesamtausgabe. Band 9
Jahr:
2018
Preis:
30,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Endlich! Nach Jahren des ungeduldigen Wartens veröffentlicht Carlsen nun die gebundene Kompaktausgabe der „Spirou-und-Fantasio-Reihe“. Aktuell liegt der 9. Band „1969-1972“ vor. Im Jahre 1969 übernahm Jean-Claude Fournier die Serie. Seine ersten drei Spirou-Abenteuer: „Die Goldmacher“, „Zucker im Tank“ und „Zauberei in der Abtei“ sind hier abgedruckt.
[OWA 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
10 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Detektiv / Komik / Humor / Spannung
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Der vorliegende Band 9 der Abenteuer des Hotelpagen Spirou und seines durchgeknallten Sidekicks Fantasio enthält die ersten drei Abenteuer Jean-Claude Fourniers. Der Bretone mit der Begabung eines lyrischen Poeten gestaltete die Serie zehn Jahre lang. In dieser Zeit entstanden neun Alben. Erst 1979 legte Fournier die Verantwortung über Spirou, Fantasio und Pips in die Hände eines neuen Autorenteams. Bis dahin gab er ihr ein merklich neues Gesicht.

Sein Erstlings- und Bewährungswerk „Die Goldmacher“ war direkt ein Riesenerfolg. Franquin hatte Fournier während eines gemeinsamen Besuches in seiner Stammkneipe die Rechte am Marsipulami abgetreten – und ihm den Rat gegeben, seine poetische Fantasie den abgenutzten Figuren zur Verfügung zu stellen: Er, Franquin, habe nicht die Kraft „Spirou“ zu revolutionieren, aber er, Fournier, könne es schaffen. Dennoch arbeiteten beide gemeinsam den Plot der ersten Story aus: Das Zauberbuch des Magiers Nicolas Flamel, eines Alchemisten und Goldmachers aus dem 14. Jahrhundert, sollte von machthungrigen Bösewichten gestohlen werden, und Spirou und Fantasio sollten es wiederbeschaffen, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren. Natürlich durften in Fourniers Premiere auch alle beliebten (und unbeliebten) Star-Figuren der Serie nicht fehlen – man wollte die (immer) konservativen Serien-Leser*in nicht vollends überfordern: Zyklotrop, Zantafio und natürlich auch der Marsipulami hatten ihre Auftritte. Als Abschiedsgeschenk tuschte Franquin alle Panels mit dem Marsipulami noch ein letztes Mal selbst – sodass sein letztes „Lebewohl“ gegenüber den Leser*innen der Serie das letzte Panel in „Die Goldmacher“ ist.

So ist „Die Goldmacher“ zweifellos das Album Fourniers, das dem Stil Franquins noch am nächsten kommt. In den folgenden Episoden vollzog der junge Bretone den Bruch mit dem Vorgänger. In „Zucker im Tank“ und „Zauberei in der Abtei“ verzichtet Fournier nicht nur auf Anleihen beim althergebrachten Figurenarsenal, sondern er vollzieht auch stilistisch und erzählerisch den Umbruch. Zunächst einmal erfand er neue Figuren – u.a. das Alter Ego des Grafen von Rummelsdorf, den japanischen Trickkünstler Itoh Kata, außerdem einen neuen, moderneren Oberbösewicht. Anders als Franquin war das Böse nicht mehr in einer Figur konzentriert, sondern (post-)modern angelegt: Nämlich in einer Organisation, der „Triangel“, die krakenartig überall die Finger im Spiel hatte, die eine Art Comicversion der Mafia ohne Oberhaupt ist. So treten in diesen zwei Bänden mehr als zwanzig (!) neue Antagonisten auf – ein absolutes Novum der Serie.
Zudem wird der Stil der Serie „moderner“. Immernoch in einer klassischen „ligne clair“ - stilisierte Figuren vor realistischen Hintergrund – angelegt, wirken die Figuren dennoch präsenter: die Köpfe werden größer, Mimik und Gestik übertriebener, die Tuschierung stilisierter, der Strich klarer und prägnanter; kurz: moderner.
Auch erzählerisch vollzieht sich die Wandlung. Die Stories werden durch burleske Verwicklungen verwirrter, eckiger, labyrinthischer – aber auch poetischer; Spannungswechsel finden rascher statt; es wird insgesamt deutlich schneller erzählt. Die Gestaltung der Panelfolgen ist dynamischer, der Stil und Strich klarer als bei Franquin. Kurz und knapp: Spätestens mit „Zauberei in der Abtei“ ist die gewünschte Erneuerung und Revolutionierung „Spirous“ vollzogen – und das mit vollem Erfolg.

Insgesamt dokumentiert dieser 9. Band auf wunderbare Weise den Wechsel des Autors und den Umbruch der Serie. Es macht Spaß diese Entwicklung über die drei Alben zu verfolgen und die rasch wachsende Autonomie Fourniers zu beobachten – im Stil, der Erzählweise und dem Figurenarsenal. So ist dieser Band sowohl aus Sicht des interessierten Hobby-Comic-Philologen, als auch aus der Perspektive des Unterhaltungssüchtigen ein absolutes Muss und eine volle Kaufempfehlung – v.a. für Fans des franko-belgischen Comics. Passend dazu fällt im neunten Teil der Serie auch der als Begleittext angelegte Kommentar sehr umfangreich und reflektiert aus. Er richtet sich ausschließlich an ein erwachsenes Publikum, für das die Gesamtausgabe schon eine Re-Lektüre ist.
[OWA 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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