AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJUM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

11124 aktuelle Rezensionen, weitere 65085 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Prado, Miguelanxo,     
Titel:
Leichte Beute
ISBN:
978-3-551-73428-0  
Übersetzer:
Höchemer, Andre
Originalsprache:
Spanisch
Illustrator:
Prado, Miguelanxo
Seitenanzahl:
96
Verlag:
Carlsen, Hamburg
Gattung:
Comic / Graphic Novel
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
18,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
In der Graphic Novel LEICHTE BEUTE werden politisch brisante Themen (Bankbetrug, Wirtschaftskrise)in einen spannenden Thriller-Plot mit Sozialkritik verwebt.
[mz 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Ja
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Arbeitswelt / Beruf / Arbeitslosigkeit / Alter / Detektiv / Ethik / Philosophie / Gewalt / Politik / Spannung / Sterben / Tod / Ungleichheit
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Die Kommisar*innen Tabares und Sotillo arbeiten an der Aufklärung einer Mordserie, die sich innerhalb weniger Tage in einer nicht näher bezeichneten spanischen Stadt ereignet hat. Alle Opfer haben ein gemeinsames Merkmal: Sie arbeiteten allesamt für nationale Finanzinstitute, wenn auch in unterschiedlicher Hierarchie: Mal ist es ein vom Auto angefahrener Vorstandsvorsitzender, mal eine mit Cyanid vergiftete Kundenberaterin. Nach Zusammentragen der unzähligen Anhaltspunkte und Indizien führt die vielversprechendste Spur auf der Suche nach der Täter*in bzw. den Täter*innen ausgerechnet in ein Seniorenheim.
Migzuelanxo Prados grafischer Kriminalroman LEICHTE BEUTE ist hinsichtlich seines Themas in die Zeit der globalen Finanzkrise (2007 bis heute) eingebettet, worauf auch eine entsprechende Rahmung der Haupterzählung hinweist. In einem Vorwort beschreibt der Comicautor, wie das jahrelang geduldete manipulative und betrügerische Verhalten von Bankern und Finanzdienstleistern nicht nur das Weltfinanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs führte, sondern auch, wie die eher schutzlosen Teile der Bevölkerung darunter zu leiden hatten. Die einleitende zweiseitige Sequenz des Comics präsentiert ein Rentnerehepaar, das angesichts eines Räumungsbefehls ihrer Wohnung gemeinsam Suizid beging. Im besonders heftig von den Auswirkungen der Finanzkrise erschütterten Spanien ist die Darstellung einer solchen Verzweiflungstat im Angesicht von Überschuldung oder Verlust der eigenen Ersparnisse keine Fiktion, sondern basiert auf wahren Begebenheiten und Vorfällen.
Das sich nach und nach innerhalb der Erzählung entblätternde Motiv der Rache ist gerade für die Erzählform der Comics ein altbekanntes, insbesondere im Superheldengenre (BATMAN, AVANGERS, V WIE VENDETTA): Held*innen, welche die Grenze des Erlaubten massiv überschreiten, um sich für ein selbst erlittenes oder anderweitig beobachtetes Unrecht (symbolisch) zu rächen. Häufig ist man hier ganz nah bei den Rächer*innen, und die Verletzung EINES Gesetzes legitimiert sich meist dadurch, dass dabei auf die Wiederherstellung eines höheren Rechts (DAS Gesetz) abgezielt wird.
In LEICHTE BEUTE wird ein solcher Sympathie heischender Distanzverlust des Erzählers zu seinen Figuren bewusst vermieden. Prado erzählt in einem nüchternen, sachlichen Ton von der Arbeit der Kommisar*innen. Wie sich langsam ein roter Faden zwischen die verschiedenen Taten spinnt. Und wie sich eine Gruppe vermeintlich seniler Rentner*innen als reichlich ungewöhnliche Tatverdächtige entpuppen. Mit einem handfesten Motiv, das so manches erklärt und vielleicht sogar den Hass entschuldigt, den sie gegenüber den Mitarbeiter*innen der Banken entwickelten. Es bleibt bei den Leser*innen, die Taten und ihren Hintergrund zusammenzudenken und entsprechend zu bewerten. Im Verwischen der Kontraste des schwarz-weißen Bleistift- bzw. Kohlestrichs Prados wird dieser moralische Graubereich, in den die Kommissar*innen wie auch die Leser*innen hier geschickt werden, jedenfalls auf geniale Weise visualisiert.
[mz 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.