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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Gipi,     
Titel:
Die Welt der Söhne
ISBN:
978-3-945034-80-4  
Übersetzer:
Alfano, Myriam
Originalsprache:
Italienisch
Illustrator:
Gipi
Seitenanzahl:
288
Verlag:
avant, Berlin
Gattung:
Comic / Graphic Novel
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
30,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Die Welt nach einer nicht näher bestimmten Apokalypse: Zwei Überlebende machen sich in einer feindlichen Umgebung auf die Suche nach einem Ort, an dem Menschlichkeit und ein solidarisches Miteinander noch etwas zählen. Eine brilliante Dystopie des Comicaltmeisters Gipi.
[mz 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Angst / fantastisch / märchenhaft / Gewalt / Jugend / Adoleszenz / Spannung / Sterben / Tod / Zukunft / Streit / Konflikt / Junge / Mann
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Der Comic beschreibt ein postapokalyptisches Szenario, in dem zwei junge Männer zusammen mit ihrem Vater in einer unwirtlichen, teils feindlichen Umgebung zu überleben versuchen. Anders als Letzterer besitzen die beiden jugendlichen Protagonisten der Geschichte keine Erinnerung an die Zeit davor, weil der eine noch gar nicht lebte und der andere zu jung für jede bleibende Erinnerung war. Vom Vater, der sich ganz auf die Härte der ihnen gegenwärtigen Zeit eingestellt hat, ist ein Rückblick allerdings auch nicht zu erwarten.
Wir können als Leser*innen aber wohl getrost annehmen, dass uns die alte Welt wohl irgendwie bekannt vorkäme und sich maximal unterscheidet von dem entbehrungsreichen Leben nach der Katastrophe, die im Buch nur das ›Ende‹ genannt wird. Doch jedes Ende ist bekanntlich auch immer der Anfang von etwas Neuem. Hier gilt diese Sentenz einmal mehr, als der schützende und versorgende, aber auch überstrenge Vater stirbt und die beiden jungen Männer, entgegen dem väterlichen Verbot, in ihnen unbekanntes Territorium aufbrechen.
In zeichnerischer Hinsicht setzt der italienische Comicautor Gipi auf Striche, Linien und Schraffuren sowie einen strengen Schwarz-Weiß-Kontrast. In der Konsequenz bestimmt am Tage ein tristes Grau die einzelnen Panels und in der Nacht ein düsteres Grau-Schwarz. Das gibt der erzählten Welt den passenden ästhetischen Ausdruck, weil hier zwischen Tristesse und absoluter Grausamkeit nichts weiter geschieht. Momente der Liebe, des Glückes, des Humors oder der geteilten Freude sind jedenfalls rar gesät.
Zumindest sind jedoch die beiden Waisen durch ein starkes unsichtbares Band miteinander verbunden, was spätestens in dem Moment von Bedeutung ist, in welchem sich das väterliche Verbot als durchaus begründet erweist und sich eine Gefahr auftut, die sie zu verschlingen droht. Sie bekommen es nämlich mit einer kriegerischen Sekte zu tun, die sich ›Die Gläubigen‹ nennt und permanent Jagd macht nach Opfern für ihre mehr als bizarren Vergewaltigungs- und Verstümmelungsorgien. Das eigentlich sujethafte Ereignis besteht denn auch darin, dass in dieser lebensfeindlichen Welt, in der der Mensch dem Menschen einzig ein Wolf ist, etwas anderes möglich ist als gegenseitiges Übervorteilen, Berauben oder Abschlachten. Um die beiden Brüder herum entsteht schließlich eine kleine Gruppe, deren Mitglieder den Ausbruch aus dieser albtraumhaften Realität wagen wollen: »Am anderen Ufer des Sees, vielleicht gibt es da Leute […] anständige Leute […] die anderen nicht das Gesicht fressen«. Gipis große Erzählkunst besteht darin, dass er mit diesen wenigen, eigentlich sehr grausamen Worten plötzlich so etwas wie Hoffnung aufkeimen lässt. Hoffnung auf eine Welt, in der Liebe, Glück und geteilte Freude (wieder) möglich sind.
[mz 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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