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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
LaCour, Nina,     
Titel:
Alles okay
ISBN:
978-3-446-26435-9  
Übersetzer:
Zeitz, Sophie
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
208
Verlag:
Hanser, München
Gattung:
Jugendroman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
16,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Weihnachtsferien, dichtes Schneegestöber, ein College im Hinterland von New York. Alle Studenten sind nach Hause gereist. Nur eine nicht - Marin hat kein Zuhause mehr, ist vor vier Monaten aus ihrer Heimat im sonnigen Kalifornien geflüchtet. Ihr bisheriges Leben ist an einer Lüge zerbrochen. Jetzt will sie nur vergessen, neu anfangen. Doch dann steht ihre Freundin Mabel vor der Tür ...
[pa 22 Sachsen]
       
Lesealter:
14 - 17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Einsamkeit / Tod / Enttäuschung / innere Zerrissenheit / Freundschaft / Familie
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Was veranlasst ein 18-jähriges Mädchen, nur mit Handy, Portemonnaie und einem Bild von der Mutter Hals über Kopf Tausende Kilometer vor ihrem alten Leben zu fliehen und jeden Kontakt abzubrechen? Ist es nur der Tod ihres Großvaters oder steckt mehr dahinter? Mit Mabels Besuch kommen all die Erinnerungen an zu Hause wieder, Erinnerungen, die Marin mit aller Macht zu verdrängen sucht. Aber Mabel ist hartnäckig, zwingt ihre Freundin, sich Stück für Stück der Vergangenheit zu stellen.
Marins Heimat ist am Ocean Beach in San Francisco. Als sie drei Jahre alt war, starb ihre Mutter. So wächst Marin bei ihrem Großvater, den sie "Gramps" nennt, auf. Fünfzehn Jahre haben die beiden eine liebevolle, aber dennoch eigenartige Beziehung. Warum erzählt Gramps Marin nie etwas von ihrer Mutter? Wer ist Birdie, die geheimnisvolle Frau, von der Gramps so viele Briefe erhält? Wie sind bestimmte Rituale und unausgesprochene Regeln entstanden? Nie betritt einer die privaten Räume des anderen, nur Esszimmer und Küche werden gemeinsam benutzt. So ist man zusammen und doch oft allein. Dann verschwindet Gramps und Marin macht eine schmerzhafte Entdeckung. Jetzt will sie nur noch weg, alle Gedanken an ihren Großvater aus ihrem Kopf verbannen, alles aus ihrem bisherigen Leben vergessen.
In zwei Zeitebenen wird aus Marins Sicht ihr Leben in der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt. Im Kontrast zu ihrer Geborgenheit bei ihrem Großvater, ihrer Freundin Mabel und deren Familie steht ihr jetziges Dasein in Einsamkeit und Schmerz. Die Wahl der Schauplätze mit dem gegensätzlichen Wetter verstärkt diese Zerrissenheit. Im Hier und Jetzt ist tiefster Winter, es ist kalt und düster. Düster ist auch Marins zerbrochene Psyche. Die Erinnerungen fallen in die herrlichen Sommermonate am sonnigen Strand, Wärme und Sicherheit sind spürbar. Auch das Cover in zarten Pastell- und dunklen Blau/Schwarz-Tönen spiegelt diesen Kontrast wider. Verloren wirkend steht ein Mädchen am Fenster ihres Studentenzimmers und blickt durch Schneegestöber auf das dunkle stürmische Meer in weiter Ferne.
Die Autorin Nina LaCour schafft ein eindringliches und bewegendes Porträt eines jungen Mädchens, dass sich nach einem Schicksalsschlag verschließt wie eine Muschel, sich in Trauer und Einsamkeit verliert. Dunkel ist es um Marin am Anfang des Buches und bewusst lässt LaCour auch die Leser*Innen eine ganze Zeit über den Grund von Marins Isolation im Dunkeln. Erst die nach und nach eingestreuten Rückblenden mit Geheimnissen und Enthüllungen fügen das Puzzle zusammen und die Charaktere werden detailreich gezeichnet.
LaCour besticht durch ihren wunderbaren Sprachstil: einfach und realitätsnah, aber zugleich zart, poetisch und emotional. Mit einer unglaublichen Tiefe lässt sie die Leser*Innen an den Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen ihrer Hauptprotagonistin teilhaben.
Fazit: Ein sehr berührender, vielschichtiger, bedacht erzählter und letztlich lebensbejahender Jugendroman über Verlust, Enttäuschung, Einsamkeit, über Verdrängung und Aufarbeitung, über Freundschaft, Familie und Hoffnung. Sehr empfehlenswert!
[pa 22 Sachsen]
  
       

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