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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Endres, Brigitte    
Titel:
Wo gehst du hin, Opa?
ISBN:
978-3-9059-4546-1  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Schulze, Marc-Alexander
Seitenanzahl:
32
Verlag:
aracari, Zürich
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2015
Preis:
14,90 €   Buch: Hardcover
       
Inhalt:
Emmis Opa liegt sehr krank im Krankenhaus. Ihre Mutter eröffnet ihr, daß er bald gehen muß. Emmi fragt sich, wohin geht ihr Opa. Ihr Opa erklärt es ihr.
[Bö Sachsen]
       
Lesealter:
4 - 5 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Tod Trauer Vorstellungen
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
In ihrem Bilderbuch "Wo gehst du hin, Opa?" geht die Kinderbuchautorin Brigitte Endres der Frage nach, was der Tod ist. Ausgangspunkt ihres Kinderbuches ist die Redewendung "er/sie geht von uns". Sie ist nicht nur ein umschreibender Ausdruck fürs Sterben, sondern impliziert auch die Frage nach dem Wohin, nach dem Zielort. Was kommt nach dem Sterben? Wo sind die Toten? Was machen sie da? Es sind existentielle Fragen für Kinder und Erwachsene.
In sanften, empathischen und klaren Worten spürt Endres den überlieferten Vorstellungen nach und stellt sie den Kindern vor. Geht Emmis Opa durch einen Tunnel in ein Licht? Sieht er seine die geliebte Oma und seinen Hund wider? Funkelt er als Stern vom Himmel ihr zu? Lebt er jung und gesund in einem paradisieschen Zustand? Endres läßt den Opa Emmi diese Vorschläge machen. Sie werden nicht als absolute Ansicht gezeigt, sondern als Anregung zum Nachdenken, als Inspiration für die eigenen Vorstellungen der Kinder. Zudem ist jedes Beispiel immer positiv formuliert. Endres will den Kindern so ganz bewußt die Verbindung Angst-Schmerzen-Tod nehmen, wie sie oft auch verbunden werden. Letztlich gehört der Tod zum Leben dazu, im besten Fall steht er nach einem langen Leben wie bei Emmis Opa. Was danach kommt, wissen wir nicht. Aber eines gibt Endres den Kindern schlußendlich mit. Wenn die Nachkommen an die Verstorbenen denken, sind sie bei ihnen. Denn in den Gedanken und Gesprächen über die Verstorbenen, leben sie auch weiter. Diese Vorstellung ist die Schönste, Beruhigendste und für Kinder instinktiv nachvollziehbar.
Positiv wie der Text gehalten ist, so ist auch die illustratorische Gestaltung des Bilderbuches. Marc-Alexander Schulze setzt im Gegensatz zu manch anderem Bilderbuch über Tod und Trauer hier bewußt helle, fröhliche Farben ein. Alles leuchtet und läßt einen lächeln, ohne übertrieben oder aufgesetzt zu wirken. Durchdacht ist der Bildaufbau. Es sind die Vorstellungen Emmis bei den Erzählungen ihres Opa, die Schulze zum Leben erweckt. Es sind also die Vorstellungen eines Kindes, das per se immer optimistisch, positiv eingestellt ist und nicht von den Zweifeln der Erwachsenen bedrückt wird. Die Bilder wirken wie das Kind in seiner Grundeinstellung befreit. Gleichzeitig zeigt Schulze aber immer wieder an passender Stelle die Ernsthaftigkeit der Situation. Die ernste Körperhaltung von Mutter und Tochter vor dem Besuch, das ersten, fragende Gesicht Emmis am Krankenbett des Opas oder das traurige Gesicht der Mutter bei der Verabschiedung. Die Balance zwischen den fröhlichen und den traurig-ernsten Bildelementen ist gut austariert und an passernder Stelle widergegeben. Darüber hinaus ist die Darstellung absolut realistisch wie die Ausstattung des Krankenzimmers. Und so manches Element verbindet den Anfang mit dem Ende der Geschichte. Es sind kleine Details, die aber die Kinder in ihrer großen Aufmerksamkeit sofort entdecken werden. Da seien die Erdbeeren oder der Dackel als Beispiel genannt.
Das Bilderbuch "Wo gehst du hin, Opa?" von Brigitte Endres ist in seiner Offenheit, Wärme und der philosophischen Anregung ein Meisterwerk in der Thematik Tod und Trauer bei den Bilderbüchern. Es tröstet, es wärmt, es gibt Hoffnung. Es ist wie eine Umarmung. Genau so viel braucht es in dieser Situation.
[Bö Sachsen]
  
       

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