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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Fischer-Hunold, Alexandra,     
Titel:
Der Sommer, in dem meine Geschwister ihr Hirn wiederfanden
ISBN:
978-3-7373-4206-3  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Reich, Carolin
Seitenanzahl:
240
Verlag:
Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag, Frankfurt am Main
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
12,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Einige Wochen locker abhängen auf der aufgemotzten Familienyacht war der Plan. Aber dann gehen die drei verwöhnten Schmittke-Geschwister in der indonesischen Inselwelt über Bord. Sie treffen auf einem Eiland die Aussteiger-Familie Hansen, die ohne Internet, Handy-Verbindung, Elektrizität und fließendes Wasser leben. Ein Schock für die Schmittkes. Doch nach anfänglichen Eingewöhnungsproblemen ohne Spielekonsole oder Follower wird es der spannendste Sommer für Chantel, Mandy und Jerome.
[RPGK 20 Rheinland-Pfalz]
       
Lesealter:
10 - 15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Komik / Humor / Natur / Umweltschutz
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
So etwas wie Frankenstein-Monster wird man vergeblich suchen in Alexandra Fischer-Hunolds Jugendroman „Der Sommer, in dem meine Geschwister ihr Hirn wiederfanden“. Die im Titel angesprochene „Hirnlosigkeit“ betrifft vielmehr den 13-jährigen Jerome-Pascal, der nahezu ständig mit seinen diversen Handys und Spielkonsolen beschäftigt ist, ebenso auch die fast 16-jährige Mandy-Grace, deren wichtigstes Ziel darin besteht, ein Leben wie die Kardashians zu führen. Nur die 12-jährige Schwester Chantel-Shakira ist von den drei völlig verwöhnten Geschwistern Schmittke weitestgehend normal geblieben. Letztere fungiert als extradiegetisch-homodiegetische Erzählerin des Buches.
Das Leben der drei in superreichen Verhältnissen aufgewachsenen Geschwister, deren Eltern mit Schrotthandel ein immenses Vermögen gemacht haben, nimmt indes eine radikale Wendung, als sie während einer Sommerferien-Kreuzfahrt auf der familieneigenen Luxusyacht irgendwo in der indonesischen Inselwelt ins Wasser stürzen. Die Besatzung unternimmt aus unverständlichen Gründen (die auch später nicht näher erläutert werden) keinerlei Hilfsaktion, so dass sich die drei auf ein nahe gelegenes, von Dschungel bewachsenes Eiland retten müssen. Dort treffen sie nach einer äußerst ungemütlich verbrachten Nacht auf die leicht "durchgeknallte" Aussteiger-Familie Hansen, die dort unter einfachsten, naturnahen Verhältnissen lebt. Natürlich müssen jetzt auch die Schmittke-Kinder bei der Nahrungsbeschaffung und den täglich anfallenden Arbeiten gehörig mit anpacken. Was ihnen anfangs wie eine völlig inakzeptable Zumutung vorkommt, macht ihnen allmählich sogar zunehmend Freude; sie bekommen so einen völlig neuen Blick auf ihre Umwelt. Und als sie nach einigen Wochen ohne Strom, fließendes Wasser, Internet, Handy und Social-Media-Kontakte endlich von ihren Eltern gerettet werden, haben sie sich längst so gut an die ungewöhnlichen Bedingungen gewöhnt, dass ihnen der Abschied geradezu schwer fällt: Sie haben „ihr Hirn wiedergefunden“.
Die locker-flockige, in der Rückschau erzählte Geschichte nimmt auf spritzig-humorvolle Weise einen nicht selten gänzlich unkritischen Umgang Jugendlicher mit den "Segnungen" und Errungenschaften einer hochtechnisierten, nahezu ausschließlich auf Informationstechnologie setzenden Welt aufs Korn, in der oberflächliche Influencer und raffinierte PC-Spiele einen Großteil der Zeit beanspruchen, aber jeglichen Blick für tiefere Bedürfnisse verstellen.
Das Muster einer Art Robinsonade ist keineswegs neu, funktioniert aber bestens in der vorgegebenen, an gegenwärtigen Verhältnissen orientierten Ausführung. Durch die Wahl einer noch jungen Erzählerin wirkt die flapsige, gerne auch mal etwas überzogene oder gar schrille Schilderung authentisch und dürfte aufgrund ihrer unkomplizierten Sprache von jugendlichen Leserinnen und Lesern problemlos akzeptiert werden. Die deutlich angesprochene ernste Umwelt- und Sozialproblematik einer auf schier grenzenlose finanzielle Möglichkeiten setzende, zugleich aber extrem Ressourcen ausbeutende westliche Lebensweise wird dabei durch die witzig-schräge Erzählweise (die nahezu ohne drohend erhobenen Zeigerfinger auskommt) nicht relativiert, sondern durch viele Beispiele aus dem Inselleben der Protagonisten gut nachvollziehbar. Und manch einer dürfte sich beim Lesen auch ertappt fühlen im Hinblick auf die eigene „Hirnlosigkeit“ bei der ausufernden Nutzung von Handy und Internet.
Die witzige, aber deshalb durchaus nicht oberflächliche Lektüre ist für Jungen wie für Mädchen gleichermaßen geeignet.
Ein weiteres Abenteuer der Schmittke-Geschwister ist für das Frühjahr 2022 angekündigt.
[RPGK 20 Rheinland-Pfalz]
  
       

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