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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Moore Fitzgerald, Sarah,     
Titel:
Das Apfelkuchenwunder oder Die Logik des Verschwindens
ISBN:
978-3-7373-5196-6  
Übersetzer:
Zöfel, Adelheid
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
252
Verlag:
Fischer KJB, Frankfurt am Main
Gattung:
Erzählung
Reihe:
Jahr:
2015
Preis:
14,99 €   Buch: Hardcover
       
Inhalt:
Oscar ist anders als die anderen, aber Meg liebt ihn, und Oscar liebt Meg. Oscar backt magische Apfelkuchen und rettet damit Leben. Doch als Meg wegzieht und Paloma an ihre Stelle tritt, wandelt sich Oscars Leben radikal. Er wird zum Mobbing-Opfer und ist eines Tages verschwunden. Nur Meg glaubt nicht an seinen Tod. Eine mitreißende Freundschafts- und Liebesgeschichte, kongenial erzählt, spannend von der ersten bis zur letzten Seite und so „magisch“, wie nur ein „Apfelkuchenwunder“ sein kann.
[kku 20 Rheinland-Pfalz]
       
Lesealter:
10 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Außenseiter / Freundschaft / Gefühle
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Oscar und Meg sind nicht nur Nachbarn, seit sie denken können. Sie sind beste Freunde und engste Vertraute seit frühen Kindertagen, ihre Fenster grenzen aneinander und bieten eine wunderbare Gesprächsatmosphäre. Heimlich sind sie ineinander verliebt, aber das können sich beide nicht eingestehen. Doch eines Tages beschließen Megs Eltern, für ein Jahr nach Neuseeland zu gehen. Meg ist am Boden zerstört, denn sie will ihre irische Heimat nicht verlassen, auch wenn es nur für ein Jahr ist. Vor allem will sie nicht ohne Oscar und seine wunderbaren Apfelkuchen sein, die er immer backt, keinen Tag ohne ihn verbringen. Er redet ihr gut zu und versucht, ihr Mut zu machen. Widerstand scheint eh zwecklos, denn der Entschluss der Eltern steht fest. Und so geht Meg nach Neuseeland, nicht ohne Oscar das Versprechen zu geben, jeden Tag zu schreiben. Ihr Haus wird derweil an eine Familie untervermietet: Nun ist die attraktive Paloma Oscars Nachbarin, was für Meg schwer auszuhalten ist, zumal sie Oscar ihre heimliche Liebe nicht gestanden hat. Doch Oscar begegnet Paloma offen und herzlich – der Leser aber weiß: An seiner Liebe zu Meg ist nicht zu rütteln. Beide Figuren ahnen nicht, was Paloma im Schilde führt. Zunächst verliebt sie sich in Oscar, der begegnet ihr freundlich und zugewandt, aber seine Liebesgefühle für Meg sind stabil. Die eifersüchtige Paloma spinnt daraufhin eine böse Intrige, mit der sie es schafft, die beiden Freund*innen zu entzweien. Sie fälscht einen Brief, durch den sich Oscar von Meg zurückgewiesen fühlt. Zeitgleich beginnt sie, Gerüchte über Oscar in der Schule zu verbreiten, sodass der Junge sich mehr und mehr in die Enge getrieben fühlt. Nach kurzer Zeit wird Oscar zum Außenseiter und hat die ganze Schule gegen sich, sodass er sich fast in den Selbstmord getrieben fühlt. Seine Familie bietet ihm kaum Halt: Seine Mutter ist bei einem Unfall ums Leben gekommen, sein kleiner Bruder sitzt seitdem im Rollstuhl, der Vater ist schweigsam und in sich gekehrt. Als die intrigante Paloma schließlich auch diese traurige Vergangenheit aufdeckt und gegen Oscar verwendet, indem sie öffentlich verbreitet, er sei schuld an dem Unfall gewesen, läuft das Fass über: Oscar verschwindet und bleibt unauffindbar. Sein Fahrrad wird an der Küste gefunden, nach wenigen Tagen des Suchens erklärt man ihn für tot. Die verzweifelte Meg kehrt aus Neuseeland zurück und ist die einzige, die nicht an Oscars Tod glaubt...
Die Handlung setzt in medias res ein: Meg besucht die Trauerfeier für Oscar, von dem sie überzeugt ist, dass er noch lebt, was die Therapeutin, zu der sie geschickt wird, als Wunschdenken und Verdrängung auslegt. In Rückblenden und in variabler Fokalisierung entfaltet sich die gleichsam erschütternde wie liebevoll erzählte Handlung. Liebevoll ist sie deshalb, weil die Figuren und ihre Gefühle so feinfühlig gezeichnet sind. Erschütternd ist sie wegen der brisanten Story, die deutlich macht, wohin Mobbing führen kann. Die Spannung der Geschichte speist sich aus der variablen, internen Fokalisierung: Es wird abwechselnd und mit vielen Zeitsprüngen aus den Perspektiven Megs und Oscars erzählt. So wissen die Leser*innen immer mehr als die Figuren und ihnen ist viel früher klar, dass die intrigante Paloma die Fäden in der Hand hält und Oscar nahezu bewusst an den Rand des Selbstmords treibt. In der Erzählgegenwart ist es an Meg, ebendiese Intrige aufzudecken, wodurch die Handlung Züge einer Kriminalerzählung erhält.

Aus Megs Sicht ist Oscar „magisch“:

„Ich kann es nicht besser ausdrücken. Er war ehrlich, er war vernünftig und er war immer guter Laune. Und obwohl sein Bruder Stevie im Rollstuhl saß, war das kein Problem, jedenfalls nicht so, wie die meisten Leute sich das vorstellen. Oscar passte nämlich immer auf, dass alle Türen offen waren und dass jede Treppe eine Rampe hatte und jeder Bahnhof den passenden Eingang, den Stevie benutzen konnte.“ (S. 44-45)

Und genau diese Magie, die Meg hier auf die Beschreibung Oscars anwendet, haftet dem gesamten Jugendroman an, der geschickt eine spannende Handlung mit sensibel konzipierten Figuren verknüpft. Zu diesen gehört auch der alte Barney, der Oscar nach seinem Verschwinden Unterschlupf bietet und den Jungen durch seine eigene Lebensgeschichte eine Spiegel-Erfahrung machen lässt, die Oscar schließlich dazu bringt, ins Leben zurückzugehen. Die Leser*innen fiebern mit den Figuren und wünschen nichts mehr, als dass das intrigante Spiel Palomas endlich aufgedeckt wird. Das titelgebende objektionale Motiv des Apfelkuchens ist dabei sinnstiftend und übernimmt im Text leitmotivische Funktion. Oscars Apfelkuchen sind berühmt in der kleinen Stadt. Sie beruhigen die Menschen und nehmen fast eine therapeutische Aufgabe ein, aber auch das weiß Paloma zu drehen, indem sie Oscars Backkünste nach und nach ins Lächerliche zieht. Doch als Oscar „im Untergrund“ Barney einen Apfelkuchen backt, verhilft dieser schließlich dem jungen Bäcker selbst zu neuem Lebensmut. Die Romanhandlung erweist sich nicht zuletzt deshalb als wunderbar komponierte Erzählkonstruktion, weil die einzelnen Absätze paratextuell durch die Abbildung eines Apfels voneinander abgesetzt sind und die einzelnen Kapitel namentlich in Kuchenstücke unterteilt sind. Auch das ist Teil der benannten "Magie" dieses durch und durch empfehlenswerten Jugendbuchs.
[kku 20 Rheinland-Pfalz]
  
       

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