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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Schutzbach, Franziska,     
Titel:
Die Erschöpfung der Frauen - Wider die weibliche Verfügbarkeit
ISBN:
978-3-426-27858-1  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
304
Verlag:
Droemer Knaur, München
Gattung:
Sachliteratur
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
18,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Franziska Schutzbach, promovierte Soziologin und Genderforscherin, versucht hier, Ursachen, Wirkungen und Verhaltensweisen aufzuzeigen, die bei Frauen zur schnellen Erschöpfung führen. „Dieses Buch will nicht die Frauen verändern, sondern die Gesellschaft.“
[RSchV 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Emanziaption / Gender
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Titel und Untertitel kennzeichnen deutlich, von welchem Standpunkt aus die Autorin agiert. Eine der grundlegenden Ursachen für die weitverbreitete Erschöpfung der Frauen ist für sie die ständige weibliche Verfügbarkeit, die geringe Anerkennung von Frauen, verbunden mit dem Machtgehabe des Mannes, die in der langen Menschheitsgeschichte verankert sind.
Sie bezieht nicht nur persönliche Erfahrungen und Befragungen ein, sondern auch Veröffentlichungen aus aller Welt, wie z.B. über die Ausbeutung dunkelhäutiger Frauen und dem, was an irrigen Vorstellungen sich bis heute in den Köpfen (der Männer) hält.
In sieben Kapiteln, wie etwa „Sexuelle Verfügbarkeit“, „Körperscham“, „Mutterschaft“ und „emotionale Verausgabung im Beruf“ macht sie deutlich, wie sich im Laufe der Geschichte die Sichtweise auf Frauen zwar zeitweise verändert, aber wenig verbessert hat. So bringt der Zugang zu Studium und Beruf für Frauen größere Möglichkeit von Selbstverwirklichung, gleichzeitig aber auch größere Belastung, solange tradierte Aufgaben wie Haushalt, Kindererziehung und -betreung nicht von anderen mit getragen werden. Auch die Titel der Unterkapitel zeigen an, was den Leser erwartet: „Mütter werden gleichzeitig idealisiert und abgewertet.“ So fällt die Orientierung leicht und es ist möglich, jene Thematik zuerst zu lesen, die den Leser am meisten elektrisiert.
Ungewöhnliche Sichtweisen wecken Interesse und fordern nach dem ersten Stutzen ein Umdenken: Z.B. „Schwangere sind nicht zwangsläufig Frauen.“
In ihrem letzten Sachkapitel „Ausblick“ formuliert die Autorin noch einmal deutlich ihr wünschenswertes Ziel: die Ausbeutung der Frauen in ihrer unbezahlten Sorgearbeit zu beenden, Menschsein als gegenseitige Abhängigkeit voneinander zu begreifen und entsprechend ökonomisch zu würdigen.
Auch wenn die eingangs erwähnte Absicht der Autorin, die „Gesellschaft verändern“ zu wollen, ein hochgestecktes Ziel ist: Angesichts der plausiblen Begründungen, Beobachtungen und Forschungen kann man es nur begrüßen.

Das Buch mit seiner begründeten Absicht, Frauen und deren Arbeit aufzuwerten und anzuerkennen, hätte es verdient, von einer breiten Basis gelesen, beachtet und umgesetzt zu werden. Allerdings machen an mehreren Stellen Gedankengänge, Satzbau und Wortwahl die Ausführungen für wenig belesene Frauen und Männer schwer zugänglich.

Das Buch ist nicht speziell als Jugendliteratur konzipiert, eignet sich aber für interessierte Gymnasiasten und Gymnasiastinnen ab 16 Jahren wie für Erwachsene beiderlei Geschlechts, auch, wenn von männlicher Seite her sicherlich Zustimmung schwerfallen wird!
[RSchV 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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