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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Lê, Minh,     
Titel:
Der allerbeste Platz
ISBN:
978-3-95728-365-8  
Übersetzer:
Müller-Wallraf
Originalsprache:
Amerikanisch
Illustrator:
Gordon, Gus
Seitenanzahl:
26
Verlag:
Knesebeck, München
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
14,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Vater und Sohn wollen für das neue Buch den allerbesten Vorleseplatz finden. Dafür nehmen sie gerne Wege und viel Zeit in Kauf und erkunden die unterschiedlichsten Möglichkeiten in der Stadt. Die Orte ihrer Versuche lassen sich auf dem Stadtplan im inneren Einband auffinden. Wie sie die Tauglichkeit prüfen, ist in empathischen Zeichnungen und treffenden Wörtern dargestellt. Den tatsächlich besten Platz finden sie ganz in der Nähe. Er ist wunderbar und eigentlich immer erreichbar.
[stoni 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
0 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Gefühle / gemeinsam lesen / Geborgenheit
       
Anmerkungen:
Lesen braucht einen besonderen Ort: Kindergarten, Gesprächskreis
       
Beurteilungstext:
Gus Gordon hat mit dem Elchvater und seinem kleinen Sohn ganz liebenswerte Protagonisten geschaffen. Ihre Zuneigung ist vollkommen. Mit dem neu erworbenen Buch befinden sie sich vor dem kleinen Buchladen der Stadt, Es gibt nur noch sie, das Buch und unendlich viel Zeit füreinander.
Das zeigt sofort die erste gezeichnete Seite und der Text von Gus Lê bestätigt dies:
„Liest du mir was vor?“
„Na klar!“
Beide begeben sich nun, durch knappe Wörter Text erläutert, auf den Weg durch die Stadt, um den allerbesten Platz für ihr Vorhaben zu suchen. Dabei sind sie sehr wählerisch. Herrlich witzig zeichnet und erklärt der Zeichner die unterschiedlichsten Orte, die ihnen zunächst einladend erschienen. Sie sitzen nebeneinander auf dem wunderbaren Sofa eines Hotel-Cafés, beieinander auf dem Hydranten, hintereinander auf dem Fahrrad. Sie versuchen es in der Bahn, in einer Gasse, auf dem Spielplatz oder im Skulpturenpark. Sie überlegen, ob ein Denkmal oder ein sehr teurer Designerstuhl dieser Ort sein könnte. Für das neue Buch ist für beide die richtige Entscheidung von großer Wichtigkeit. Doch die Ergebnisse halten ihrer Prüfung nicht stand. Die Orte werden zum Beispiel als: zu groß, zu klein, zu holperig, zu alt, zu verrückt oder zu ehrwürdig empfunden.
So geht es weiter durch die Stadt. Vieles erproben sie miteinander. Gleichzeitig vermitteln die bekannten Wörter mit der Gestaltung zusammen auf ganz besondere Weise einleuchtende Begriffsklärungen. Die Bilder beschreiben nicht nur die einzelnen Adjektive, sondern sie erzeugen zusammen einen unmittelbaren Sinn. Ob etwas zu groß oder zu rutschig ist, erklärt sich eben nur durch das „Wofür“.
Alle Orte haben ihre eigene Bedeutung und sind auch im Stadtplan zu finden. Die Orte bekommen einen Erinnerungswert.
Wobei die Stadt selbst sie weniger interessiert. Ihr Plan dient nur der groben Orientierung. Es gibt die „Straße nach nirgendwo Besonderes“ oder die „Hier-drüben-Straße“. Es geht auch „nach anderswo“. Doch das vielleicht erst später mal im Leben?
Kinder finden es spannend, die Stellen zu finden, wo Vater und Sohn gewesen sind. So, wie eigene Erinnerungen ja auch meist mit besonderen Orten verbunden sein werden.
Der Ort, der für das Lesen wohl immer der ganz besondere Ort sein und bleiben wird, ist der auf dem Schoß der geliebten Person. Sie finden ihn im Stadtwald unter einem Baum im Gras. Mehr brauchen sie nicht.
Die Zeichnungen zu der Suche sind ergänzt durch kleine Skizzen. Es gibt viel zu entdecken im Umfeld. Mäuschen am Kaffeetisch, ein lesendes Eichhörnchen im Baum, Flusspferde, Dachs, oder das Tier mit dem Kopfhörer. Einige Figuren sind collageartig eingefügt und irritieren. Sobald man sie zum ersten Mal entdeckt hat, sucht man sie auch auf den anderen Seiten. Sie unterscheiden sich völlig vom Stil der bunt gemalten eigentlichen Geschichte und den mit grauem Stift dünner skizzierten Nebenfiguren. Ihre Bedeutung bleibt rätselhaft und ungeklärt, sie wecken aber auf und machen neugierig auf vielleicht eigene Experimente mit Gestaltung.
Ein durch und durch liebevoll gemachtes Buch, in dem alles zusammen passt, auch die Irritationen. Es ist ein Lob auf das gemeinsame Lesen und Fabulieren. Solch ein Platz und solche Bücher sind allen Kindern zu wünschen.
[stoni 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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