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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Angel, Frauke,     
Titel:
Oma Kuckuck
ISBN:
978-3-943833-39-3  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Brittnacher, Stephanie
Seitenanzahl:
28
Verlag:
Edition Pastorplatz, Aachen
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
14,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Wunderbares Bilderbuch, um Kindern das Thema Demenz/Alzheimer auf sensible, dennoch humorvolle Art und Weise nahezubringen. Es ist ein hilfreiches Buch, wenn in einer Familie der Umgang mit vergesslichen und gefühlsschwankenden Großeltern aktuell ist.
[Brit 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
4 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Alter / Familie / Gefühle / Demenz / Pflegeheim
       
Anmerkungen:
Farbenfrohes Hardcover-Bilderbuch mit außergewöhnlichen Illustrationen. Das Buch sollte themenspeziefisch eingesetzt und von Kindern und Erwachsenen gemeinsam erarbeitet werden.
       
Beurteilungstext:
"Oma Kuckuck" erzählt die Geschichte einer Großmutter-Enkelin-Liebe, die jeden Sonntag durch einen Besuch bei der schrägen Oma einen rührenden Wochenabschluss findet. Die Enkelin berichtet in der Ich-Form von einem immer wieder gleichen Ablauf dieser Treffen. Nach dem gemeinsamen Pflücken der Himbeeren in Omas Garten wird die köstliche Vanillesuppe so gekocht, dass sie beim zwölften Rufen des Uhr-Kuckucks auf dem Tisch steht. Bei der Zubereitung ist die unkonventionelle, alte Dame sehr kreativ. Sie ist der Meinung, wer sich an Rezeptvorgaben hält, ist ein Feigling. So kommt es, dass die Suppe jeden Sonntag anders schmeckt. Egal, die Enkelin liebt ihre schräge Oma und hält sogar die Zeit der Mittagsruhe, die die Oma von ein Uhr bis zwei Uhr hält, einfühlsam durch.
Die Seniorin braucht klare Strukturen in ihrem Tagesablauf, sonst kommt sie scheinbar durcheinander. Wenn der Kuckuck dreimal aus der Uhr ruft, ist es soweit: gemeinsam spielen alt und jung Memory. Doch wer denkt, die Beiden spielen nach den allseits bekannten Spielregeln, der hat sich geirrt. Die Großmutter ist der Auffassung, wer das Spiel nach den üblichen Regeln spielt, ist ein/e Langweiler*in. Ihre kreativer Memory-Variation führt nur dann zum Gewinnertitel "Memmerkönigin", wenn man zu jeweils zwei Bildkarten eine tolle Geschichte erzählen kann. Bedingt durch ihre Lebenserfahrung kann sie natürlich die fantastischsten Geschichten erzählen. Doch am beschriebenen Tag fällt Oma Kuckuck keine Geschichte ein und die Enkelin wird zum ersten Mal Memmerkönigin.
Aber der Sieg wird im Verlauf des Nachmittages durch das ungewöhnliche Verhalten der Seniorin getrübt. Sie erkennt ihre eigene Tochter nicht mehr, wirft sich wütend und schreiend im Garten auf den Rasen und verunsichert mit ihrem Kleinkindverhalten Mutter und Enkelin. Nun ist offensichtlich: Es gibt ein Ende, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind!

Das wunderbare Bilderbuch für Kinder ab etwa 5 Jahren hilft Familien, die in dem emotionalen Thema der Altersdemenz, Alzheimer und damit einhergehend einem Umzug in ein entsprechendes Pflegeheim für ihre Eltern/Großeltern stecken. Es wird sensibel und gleichzeitig humorvoll auf die Auswirkungen und Besonderheiten der Krankheit eingegangen. Sehr feinfühlend gibt die Autorin Frauke Angel jeder Person in der Geschichte Raum für individuelle Gefühle und ermöglicht damit ein tiefgehendes Nachempfinden der unterschiedlichen Verhaltensweisen.

Wer sich die außergewöhnlichen Illustrationen von Stephanie Brittnacher genau anschaut, kann schon ab der ersten Doppelseite erkennen, dass das traurige Thema Vergesslichkeit/Verwirrtsein im Fokus der Geschichte steht. Denn wie sonst ist der BH am Herdknopf, die Brille im Wasserglas, die unterschiedlichen Strümpfe und Schuhe an Großmutters Füßen zu erklären. Auch die Banane im Blumentopf und die Beschriftung der Gartenbeete ist ein Indiz für die fortschreitende Demenz der unkonventionellen Oma. Trotz schwerem Thema vermitteln die Illustrationen stets ein würdevolles Bild der erkrankten Oma Kuckuck, so dass der/die Betrachter*in nie von einer großen Traurigkeit übermannt wird. Im Gegenteil, auf der letzten Seite des Bilderbuches wird die zeitweilig betroffen machende Erzählung von einem leichten, fast fröhlichen Bild beendet. Die farbintensiven Grafiken und die, dem Text entsprechenden, Gesichtsausdrücke verstärken die Emotionalität des Buches und transportieren die starke Aussagekraft der Geschichte.
In diesem Bilderbuch sind Text und illustratorische Gestaltung gekonnt und wunderbar aufeinander abgestimmt.

Fazit:
"Oma Kuckuck" ist ein Buch für die ganze Familie. Es sollte von Erwachsenen und Kindern gemeinsam gelesen und betrachtet werden um die hilfreichen Aspekte der Geschichte herauszuarbeiten. Die Bilder sprechen da, wo Worte, wegen persönlicher Betroffenheit, oft nicht mehr ausgesprochen werden können.
Ein kreatives Fazit:
Das Memory-Spiel in Oma Kuckucks Version zu spielen macht sicherlich unglaublichen Spaß und fördert neben verbaler Kreativität auch die Sprachkompetenz eines Kindes!

Frauke Angel ist 1974 in Nordrhein-Westfalen geboren. Nach ihrem Abitur und machte sie in Kiel eine Ausbildung zur Schauspielerin. Anschließend spielte sie deutschlandweit an zahlreichen Theatern. Seit zehn Jahren ist Frauke Angel außerdem als Dramaturgin und Regieassistentin tätig. 2011 veröffentlichte sie ihr erstes eigenes Buch und lebt heute als freischaffende Autorin von Büchern und Hörspielen mit ihrer Familie in Dresden.

Stephanie Brittnacher ist 1985 geboren und studierte Kommunikationsdesignerin. Seit 2013 ist sie als freie Illustratorin und Grafikerin tätig und lebt heute in Chemnitz.
[Brit 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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