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Autor:
Meinck, Willi,     
Titel:
Die seltsamen Abenteuer des Marco Polo
ISBN:
978-3-359-01191-0  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Mau, Hans
Seitenanzahl:
704
Verlag:
Eulenspiegel, Berlin
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
19,99 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
In Marco Polos Blut rauscht die Sehnsucht nach der Ferne und den Abenteuern. 1250 sind sein Vater und Onkel zu einer Reise nach China aufgebrochen. Marco träumt davon, eines Tages seine Heimat, die prächtige Handelsstadt Venedig, verlassen und genauso wie sein Vater die Welt bereisen zu können. Doch nicht jeder in seinem Umfeld ist ihm und seinem Glück gut gesonnen. Und so muss Marco lernen, zwischen Feind und Freund unterscheiden zu können…
[160 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
12 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Freundschaft / Reisen
       
Anmerkungen:
Durch den großen Umfang des Romans wird es vermutlich schwer sein, das Buch in den Deutschunterricht einzubinden. Empfehlenswert wäre es wohl, wenn Passagen auszugsweise gelesen und im Unterricht besprochen werden.
       
Beurteilungstext:
In dem Band „Die seltsamen Abenteuer des Marco Polo“ werden die beiden Bücher „Die seltsamen Abenteuer des Marco Polo“ und „Die seltsamen Reisen des Marco Polo“ von dem Autor Willi Meinck vereint. Der historische Abenteuerromanband mit seinen beiden Teilen, die als Jugendbuchklassiker gelten, ist 2020 im Eulenspiegel Kinderbuchverlag erschienen. Auf zwei hinteren Seiten befindet sich jeweils ein Inhaltsverzeichnis für beide Teile, wobei der erste Teil etwa 300 und der zweite Teil 400 Seiten umfasst.
In dem ersten Teil – „Die seltsamen Abenteuer des Marco Polo“ – begleiten der Handwerkerjunge Giovanni mit dem Buckel und der schönen Stimme, die hübsche Freundin und Magd Giannina sowie der treuherzige Leibwächter Paolo den abenteuerlustigen Kaufmannssohn Marco Polo. Marco Polo lebt mit seiner Mutter in einem herrschaftlichen Anwesen in Venedig. Vor mehr als einem Jahrzehnt ist der Vater mit dem Onkel zu einer Reise nach China ausgezogen. Die Sorge darum, dass Marco in die Fußstapfen seines Vaters treten könnte, und die Sehnsucht nach dem Ehemann machen die Mutter schwach und krank. Als sie stirbt, möchte der eigennützige Oheim die Obhut des Waisen übernehmen, um Marco in ein Waisenheim zu schicken und so an das Eigentum der Familie zu gelangen. Nur mit knapper Not und mit der Hilfe seiner Freunde kann Marco den Fehden seines Oheims entrinnen. Währenddessen wird auch die Freundschaft Marcos und Giovannis auf die Probe gestellt. Als der vermeintlich todgeglaubte Paolo und ein wenig später Marcos Vater und Onkel zurückkehren, scheint sich alles dem Besseren zuzuwenden. Durch das Versprechen seines Vaters hofft Marco darauf, seinen Traum von der großen Reise in die Welt endlich wahr werden zu lassen.
In dem zweiten Teil – „Die seltsamen Reisen des Marco Polo“ machen sich Marco Polo, sein Vater und Onkel auf die große Reise nach China. Mit an Bord sind zwei Mönche, die dem Volk auf Wunsch des Großkhans und auf Gesandt des Papstes in Asien die christliche Lehre überbringen sollen. Bald gestaltet sich die gefährliche Reise für schwieriger als Marco es angenommen hatte. Am Hofe des Großkhans arbeitet er als Gesandter und begegnet alten Gesichtern, die dem Leser bereits aus dem ersten Teil bekannt sind.
Meincks Erzählstil ist sehr malerisch. Mit Liebe zum Detail beschreibt er Schauplätze und das alltägliche venezianische Leben so ehrlich und echt, dass sich Marcos Welt vor dem inneren Auge aufbaut und wieder zum Leben erweckt wird. Die Sehnsucht der Fischer und Frauen, Giovannis schöne Stimme und die lauten Rufe der Händler und Kaufmänner auf der Piazzetta erwecken den Eindruck, als wenn man als Leser direkt neben Marco, Giovanni und Giannina durch die Gassen und Straßen, Märkte und Wirtshäuser, Strände und Häuser Venedigs laufen und die Stimmen der Menschen, Tiere und das Rauschen des Meeres vernehmen würde:
„Giovanni stand auf. Er legte sich in den Schatten des nahen Feigenbaumes und hörte, wie die Vögel sangen. In solchen Minuten träumte er und vergaß den geheimen Schmerz über seine bucklige Gestalt. Er glaubte das Meer am Strande des Lido rauschen zu hören; der Himmel und die weite, unbewegte Lagune waren von einem feinen Klingen erfüllt, das nur Giovannis Ohr vernahm. Die Schreie der Maultiere störten ihn nicht.“
Die Hingabe zur detaillierten Beschreibung führt teilweise zu längeren Passagen, in denen die Umgebung, das Wetter, die Menschen, Tiere und ihr Treiben ausführlich beschrieben werden. Meinck weiß jedoch, wie er geschickt zwischen Aktion und Beschreibung abwechseln und somit die Handlung vorantreiben kann. Dennoch ist der Roman herausfordernd im wachsamen Lesen. So darf man sich im Lesen von beschreibenden Zeilen nicht verlieren. Außerdem werden viele heimatliche Fremdsprachenwörter und Namen von Orten benutzt, die nicht weiterhin erklärt werden. Dass Meinck die Handlung aus der Er-Erzählerperspektive fortführt, die sich je nach Besonderheit der Erzählung an unterschiedliche Figuren haftet, sorgt für Frische und Abwechslung. Besonders interessant wird es, wenn aus der Sicht todgeglaubter Personen oder vermeintlichen Freunden und Feinden erzählt wird, die aus einer anderen Perspektive andere Ansichtsweisen und Intentionen haben, die dem Leser erst durch den Perspektivwechsel bewusstwerden.
Auch wenn der Roman eher für fortschrittliche Leser*innen gedacht ist, ist er gerade durch seine malerische, detailgetreue und herausfordernde Art sehr empfehlenswert. Marcos Erlebnisse in seiner Heimat und auf der gefährlichen Reise nach China laden zum Träumen und Mitfiebern ein. Durch den großen Umfang des Romans wird es vermutlich schwer sein, das Buch in den Deutschunterricht einzubinden. Empfehlenswert wäre es wohl, wenn Passagen auszugsweise gelesen und im Unterricht besprochen werden.

S. Schöenemann
[160 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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