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Autor:
Scheppach, Joseph,     
Titel:
Asia Bibi. Eine Frau glaubt um ihr Leben.
ISBN:
978-3-7655-0738-0  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Umschlaggestaltung: Maul, Jonathan
Seitenanzahl:
159
Verlag:
Brunnen, Gießen
Gattung:
Sonstige
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Der Fall um die pakistanische Christin Asia Bibi hat viele Menschen um den ganzen Globus beschäftigt und schockiert. Dass Minderheiten in bestimmten Regionen und Ländern schlimmer verfolgt werden, als man sich das in Deutschland vorstellen könnte, ist zwar keine Neuigkeit. Allerdings schockiert der detaillierte Bericht um die Tagelöhnerin und Mutter von fünf Kindern, die wegen eines Schlucks Wasser zur Todesstrafe verurteilt wird, umso mehr.
[160 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Religion / Verfolgung / Gewalt
       
Anmerkungen:
Das Buch beinhaltet z.T. sensible Schilderungen zum Fall Asia Bibis. Es ist daher empfohlen, das Buch im Religionsunterricht einer Klasse mit Schüler*innen einzuführen, die zu einer reflektierenden Auseinandersetzung mit Gewalt an und Ausnutzung von hilfl
       
Beurteilungstext:
Recherchiert wurde der Fall von dem Wissenschaftsjournalist Joseph Scheppach, der bereits für zahlreiche renommierte Zeitschriften tätig war. Asia Bibis Geschichte beobachtete und begleitete er für sechs Jahre als Pressemitarbeiter der NGO „Hilfsaktion Märtyrerkirche“. Das Werk ist 2020 im Brunner Verlag erschienen.
Asia Noreen, der wahre Name der pakistanischen Christin, kommt im Jahr 1971 im kleinen Dort Ittanwali zur Welt. Da niemand in ihrer Familie lesen oder schreiben kann, wird ihr genaues Geburtsdatum nicht offiziell registriert. Im Alter von 20 Jahren heiratet Asia Bibi den Soldaten Ashiq Masih, der genauso wie sie Christ und damit Teil einer unterdrückten Minderheit in Pakistan ist. Die Hochzeit ist klein und bescheiden. Am 14. Juni 2009 schließt sich Asia Bibi anderen Erntearbeitern an, um für das Pflücken von Falsa-Beeren 250 Rupien zu verdienen. Das Geld würde reichen, um zwei Kilo Mehl zu kaufen und ihre Familie eine Woche lang mit Chappattis zu ernähren. Die Arbeit ist mühselig und das Wetter sehr heiß. Um sich auszuruhen, trinkt Asia Bibi aus dem gemeinschaftlichen Brunnen, und bietet einer anderen Arbeiterin an, von dem gleichen Becher zu trinken. Ehe die Frau nach Asia Bibis Becher greifen kann, wird sie aufgehalten und gewarnt: Das Wasser sei durch die Christin unrein geworden. Wenige Tage später, am 19. Juni 2009, wird Asia Bibi beschuldigt, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben, und wegen Blasphemie zu Tode verurteilt. Ein realer Alptraum beginnt für Asia Bibi und ihre Familie. Neun Jahre verbringt sie unter menschenunwürdigen Bedingungen und ständiger Angst in Gefängniszellen, bis sie endlich freigesprochen wird. Bis zu diesem Ziel haben viele Menschen, die sich für ihren Fall eingesetzt haben, und einige weitere Christen ihr Leben verloren. Am 8. Mai 2009 verlässt Asia Bibi Pakistan. Ihr Mann und ihre Kinder folgen ihr nach Kanada, wo sie im Exil leben. Auch heute muss sich Asia, selbst meilenweit von Pakistan entfernt, vor der Rache fanatischer Religiöser fürchten.
In einem umfassenden, mehr-perspektivischen Bericht erzählt Scheppach von Asia Bibis Fall. Asia Bibi sei dabei nicht die erste pakistanische Christin, die in ihrem eigenen Land verfolgt und um ihr Leben fürchten müsse. Lediglich zwei Prozent der Bevölkerung seien Christen. In anderen Fällen konnten Christen nicht ihren Verfolgern entfliehen und wurden auf offener Straße oder durch das Blasphemie-Gesetz ermordet. So führt Scheppach auch kurz in die Fälle anderer Christen ein, die in Pakistan verfolgt werden. Beispielsweise berichtet Scheppach von einem 17-jährigen High-School-Schüler, der zu Tode geprügelt wird, weil er aus demselben Glas wie ein muslimischer Mitschüler getrunken habe. Auch der christliche Politker Clemens Shahbaz Bhatti, der sich für Asia Bibi und die christliche Minderheit einsetzt, wird ermordet.
Das Buch „Asia Bibi. Eine Frau glaubt um ihr Leben“ kann im Religionsunterricht unter dem Thema „Verfolgung religiöser/christlicher Minderheiten“ eingebunden werden. So kann die Lehrperson einzelne Abschnitte vorlesen oder in Gruppenarbeit ein Referat vorbereitet werden. Wichtig ist dabei, dass die Schüler*innen dazu aufgefordert und ermutigt werden, sich mit den Fremdsprachenwörtern und christlichen sowie muslimischen Traditionen auseinanderzusetzen, insofern sie diese nicht kennen. Namen von u.a. Organisationen, Zeitschriften, religiösen Ausdrücken in der jeweiligen Sprache werden kursiv hervorgehoben und erklärt. Wichtig ist, dass der Autor sich nicht religiös positioniert oder wertende Aussprüche gegen die in seinem Buch beschriebenen religiösen Gruppierungen macht.

S.Schönemann
[160 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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