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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
NÖSTLINGER, CHRISTINE,     
Titel:
Der Überzählige
ISBN:
978-3-7074-5232-7  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
SCHMID, SOPHIE
Seitenanzahl:
32
Verlag:
G&G - Georg Glöckler, Wien
Gattung:
Biografie
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
19,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Mit acht, knapp neun Jahren wird Christine im Sommer 1945 gemeinsam mit anderen Wiener Kindern zu Bauern aufs Land geschickt, um sich endlich wieder satt essen zu können. „Da fragten die Mütter nicht lange nach, ob ihre Kinder kinderlandverschickt werden wollten.“ (S.4) Eines Morgens steigt sie mit eine ran einer Schnur befestigten rosa Identifizierungskarte in einen Zug. Der Fahrtwind bläst ihr diese rosa Karte vom Hals und sie weiß nicht mehr den Ort, an dem sie aussteigen soll. Sie traut sich nicht, den begleitenden Frauen das Malheur zu berichten. Folglich steigen an der Endstation 21 statt 20 Kinder in der Hoffnung aus, von freundlichen Bauersfamilien aufgenommen zu werden. Da diese sich ihre Schützlinge selbst aussuchen, bleibt statt Christine ein Junge übrigblieb. Der Überzählige. Dieser Junge ist und bleibt für 4 Wochen der Prügelknabe und Christine deckt den Irrtum nicht auf, allerdings beteiligt sie sich auch nicht an seinen Quälereien. Sie hilft ihm nicht: "So viel Mut kann man von einer Achtjährigen, die ihre Angst nicht los wird, als "Überzählige" entlarvt zu werden, auch nicht verlangen." (S.31)
[6 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
8 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Angst / Außenseiter / Familie / Gefühle / Geschichte / Kindheit / Krieg / Mädchen / Frau
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Später überwindet Christine Nöstlinger ihre Not und berichtet von diesem biographischen Ereignis. Wie immer möchte sie mit ihren Figuren die Leser*innen zur Zivilcourage ermutigten. In diesem Sinne geht sie mit gutem Beispiel voran, sonst hätten wir nichts von jenem „Überzähligen“ erfahren. Der Text des Buches scheint eine literarisierte Bitte um Verzeihung für ein Versagen zu sein, das sie als Kind nicht meistern konnte. Er wurde ein Jahr nach dem Tod von Christine Nöstlinger veröffentlicht, aber vermutlich wesentlich früher geschrieben. Lakonisch, gleichwohl in berührenden Worten und mit gekonnt eingestreuten mundartlichen Äußerungen, schreibt sie sich ihre kindliche Angst von der Seele. Damit gibt sie allen Lesenden die Möglichkeit, mit den eigenen kindlichen Fehlhandlungen etwas toleranter umzugehen.
Besonders zu erwähnen sind die hervorragenden Illustrationen von Sophie Schmid, die mit ihren Bildern die zurückhaltende Erzählweise von Christine Nöstlinger stützt. Sepiafarbtöne dominieren die Bilder, deren Hintergründe an alten Putz, Karton oder Packpapier erinnern. Assoziationen an den vergangenen Krieg liegen nah. Im Vordergrunderkennt man scherenschnittartige Figuren: Menschen, Tiere, Pflanzen. Und dann das Bild einer rosafarbenen Karte, deren Bedeutung im Laufe der Geschichte deutlich wird. Besonders berührend ist das Motiv des Nachsatzpapieres: der Überzählige mit seiner rosafarbenen Karte, der der erwachsenen Christine über die Schulter schaut, während sie ihre gemeinsame Geschichte schreibt.
[6 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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