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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
BABENDERERDE, ANTJE,     
Titel:
Schneetänzer
ISBN:
978-3-401-60441-1  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
390
Verlag:
Arena, Würzburg
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
17,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Jacob verlässt Deutschland kurz vor dem Abitur, um in Kanada seinen unbekannten Vater zu suchen. Er hat kurz zuvor im Streit mit seinem Stiefvater erfahren, dass er sein Leben lang belogen wurde. Sein leiblicher Vater ist keine flüchtige Begegnung seiner Mutter mit einem südöstlichen Asiaten, sondern ein Cree-Indianer aus dem hohen Norden Kanadas. In Kanada angekommen, lernt Jacob Menschen aus dem Leben seines Vaters und seiner eigenen Vergangenheit kennen, an die er sich aber kaum noch erinnert. Sein Vater selbst aber ist zur Jagd in der Wildnis. Jacob bekommt die Gelegenheit, mit einem Scout zum Lager des Vaters zu fahren, wird aber von diesem in der Wildnis allein gelassen. In den nächsten beiden Tagen kämpft er mit der Natur: kein Wasser, keine Nahrung, Schnee, Kälte und nachts keinen Schutz. Schließlich wird Jacob von einem hungrigen Bären angegriffen. Seine Rettung ist Kimi, eine junge Cree-Indianerin, die zusammen mit ihrem Großvater in einer Hütte lebt. Das Wetter und seine schlimmen Verletzungen fesseln ihn an die Hütte. Das gibt ihm viel Zeit, von den Indianern zu lernen. Bis zum Wiedersehen mit seinem Vater und der Erkenntnis, dass sein bisheriges Leben auf vielen Unwahrheiten aufgebaut wurde, durchlebt er viele Verunsicherungen. Gestärkt und mit klareren Vorstellungen von seiner Zukunft als bisher, kehrt er nach ca. 4 Wochen nach Deutschland zurück.
[6 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
12 - 17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Angst / Außenseiter / Familie / Fremde Kulturen / Freundschaft / Gefühle / Junge / Mann / Natur / Umweltschutz / Spannung / Streit / Konflikt / Sterben / Tod
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Wie schon in vielen der vorherigen Bücher von Frau Babendererde spielen die amerikanischen Ureinwohner, die Indianer, eine zentrale Rolle. Dabei spiegeln die Bücher den Konflikt zwischen der heutigen Zeit und der früheren, den Verlust der alten Lebensweise und die Sinnfindung in Reservaten und die Auswirkung dieses Spagats auf die Menschen. Das ursprüngliche Verständnis für die Natur, das Miteinander von Mensch und Tier, das sich Anpassen des Menschen an die extremen Wetterlagen im Norden Kanadas wird hier idealtypisch an die Person Greg Cheechoo gebunden, der als Jäger und Fallsteller lebt und eine Freundin hat, die ein Camp für verhaltensauffällige Kinder führt. Jacob, der jetzt 18jährige Sohn aus seiner Ehe mit einer Deutschen kehrt nach 14jährigem Leben in Deutschland in die unwirtliche Natur Nordkanadas zurück und stellt sich den diffusen Erinnerungen seiner frühesten Kindheit. Er erlebt den Zusammenhalt von Familienverbänden, erkennt die überlebenswichtige Vernetzung von Hilfsstrukturen, erfährt das komplexe Zusammengehörigkeitsgefühl von Menschen, die sich seelenverwandt fühlen und lernt viel über die Geschichte der Cree-Indianer der letzten hundert Jahren. So hat die traumatische Erfahrung vieler Indianerfamilien, denen die katholischen Mönche und Nonnen die Kinder in den 1950er entzogen, um sie in Missionsschulen zu christianisieren und den Eltern zu entziehen, über Generationen hinweg Auswirkungen auf das Leben der heutigen Familien. Und auch die Erkenntnis, dass es tatsächlich noch ein unrenoviertes Krankenhaus aus dem Baujahr 1950 gibt, ist für jeden Leser erschreckend.
Gelungen ist der Wechsel der Erzählperspektive: mal wird ein personales Erzählverhalten genutzt und in der Ich Form aus der Perspektive von Jakob erzählt, mal gibt es ein auktoriales Erzählen, bei dem die Gesamtzusammenhänge im Mittelpunkt stehen.
Dieses spannende und interessante Buch leidet lediglich an drei Mängeln. 1. Die Arbeit mit vielen Klischees: die guten und naturverbundenen Indianer, die schlechten, der naturabgewandten Weißen/ die Massentierhaltung in Europa gegen den vom Geisterglauben geprägten Umgang der Indianer mit den Tieren. 2. Zum anderen ist deutlich ein erzieherischer Impetus zu spüren: kehrt zurück zur Natur, denkt an die Seele, die allem Leben inne wohnt, entschleunigt euer Leben, damit ihr das Wesentliche nicht verpasst, besinnt euch auf eure Familien und versucht, Familiengeheimnisse nicht entstehen zu lassen. 3. Der dritte Kritikpunkt bezieht sich auf sprachliche Mängel: exemplarisch: S. 119 die am Aufsteigen waren/ S. 278 in meines Vaters Haus/ S. 361 Ich ziehe meine fahrende Mutter an den Haaren.
Trotz dieser Kritikpunkt ist dies ein durchaus empfehlenswertes, spannendes Buch.
[6 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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