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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Jones, Rob Lloyd,     
Titel:
Jake Turner und der Schatz der Azteken
ISBN:
978-3-423-76266-3  
Übersetzer:
Niehaus, Birgit
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
368
Verlag:
dtv, München
Gattung:
Fantastik
Reihe:
Jake Turner Bd. 2
Jahr:
2018
Preis:
14,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
In seinem zweiten Abenteuer gerät Jake Turner durch sein Ungestüm in eine Falle der gefährlichen Schlangenfrau, so dass er und seine Familie in ihrem Auftrag in Honduras einen Azteken-Schatz finden müssen. Dabei haben sie nur eine kurze Frist um das Leben ihres Freundes Sami zu retten. Durch seine Spontaneität bringt Jake seine Familie mehrfach in Schwierigkeiten, rettet sie aber auch durch kreative Ideen, so dass sie ihre Mission erfolgreich beenden und die Schlangenfrau austricksen können.
[Anmq 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
8 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Familie / Fremde Kulturen / Geschichte / Spannung
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Wer Jake Turners Abenteuer in Ägypten („Jake Turner und das Grab der Smaragdschlange“) nicht kennt, wird dennoch schnell in den Bann der Jagd nach dem Schatz der Azteken gezogen, denn die wichtigsten Informationen fließen portionsweise in die Erzählung ein. So erfährt man, dass Jake und seine Schwester Pan, deren voller Name Pandora lautet, erst durch die Suche nach ihren verschollenen Eltern erfahren haben, dass beide renommierte Schatzjäger sind und nicht Geschichtsprofessoren, wie bisher angenommen, und dass sie, weil sie nun enttarnt sind, ihre Kinder zu Schatzjägern ausbilden wollen.
Doch dabei steht sich Jake mit seiner Unbeherrschtheit und Ungeduld immer wieder selbst im Weg und bringt wie im ersten Band seine Familie in prekäre Situationen, für die er natürlich gerügt wird, so dass er fest davon überzeugt ist, besonders von seiner Mutter nicht anerkannt zu werden im Gegensatz zu seiner intelligenten Schwester. Weil die Geschichte aus Jakes Sicht erzählt wird, können die Rezipienten besonders gut seine Gedanken und Gefühle wie Enttäuschung, Wut und daraus resultierendem Trotz nachvollziehen, so dass mancher Jugendliche sich mit ihm identifizieren und seine Entwicklung mitmachen dürfte. Denn erst als er mit seiner verletzten Mutter scheinbar unrettbar gefangen ist, kommt es zu einem klärenden Gespräch, in dem Jake erkennen muss, dass seine Mutter ihn wegen seines Mutes und seiner kreativen Ideen sehr schätzt und ihre Rügen und Verbote allein aus der Sorge um ihn resultieren. Folgerichtig überlässt sie Jake in der Schlussphase immer wieder die Führung, auch wenn seine Vorschläge zunächst nicht zielführend wirken, so dass Jake im Schlusssatz seine Familie als „Team“ bezeichnet, wissend, dass er dazu gehört, was er sich von Anfang an gewünscht hat.
Weil Jake das Abenteuer aus der Retroperspektive erzählt, fließen immer wieder wertende Vorausdeutungen als spannungssteigernde Elemente mit ein, auch wenn der Rezipient weiß, dass alles gut ausgehen wird, weil Jake ja die Geschichte erzählt. Auch durch Jakes Patzer wird die Spannung gesteigert, wenn er beispielsweise den Zeitzünder einer Bombe, deren Detonation das konkurrierende Alpha-Team ablenken soll, versehentlich auf fünf Sekunden statt fünf Minuten stellt. Die an Tempo zunehmende Handlung korreliert mit dem Zeitdruck, unter dem Familie Turner den Schatz finden muss. Dabei werden die Bedürfnisse unterschiedlicher Rezipienten bedient: Wer Science-Fiction mag, dürfte seine Freude beispielsweise an der Ausrüstung der Familie haben, die auch noch nach Stürzen funktioniert oder vor Raubtierbissen schützt, oder an der Drohne, auf die sich Jake bei Gewitter zum Berggipfel tragen lässt. Abenteuerlich, gruselig bis unrealistisch mutet die Suche nach dem Grab des Aztekengottes Quetzalcoatl an: Die Turners müssen beispielsweise eine Wand aus Totenköpfen erklimmen, sich durch Skelettteile den Weg zum Sarg erkämpfen, herunter fallenden Obsidian-Fallbeilen ausweichen oder sich einem reißenden Flusslauf anvertrauen, der sie durch Höhlen, enge Gänge und hohe Wasserfälle katapultiert. Um die Spannung besonders für jüngere Rezipienten nicht unerträglich werden zu lassen, unterbricht der Autor die Handlung immer wieder durch Jakes Gefühle und Gedanken, die nur ein Ziel haben, anerkannt zu werden.
Beim Lesen lernt man quasi nebenbei sehr viel über den tropischen Regenwald und die Welt der Azteken, ihre Bräuche, Religion und Weltsicht. Dabei lässt der Autor Jakes Mutter immer wieder die Mahnung aussprechen nicht zu werten, wenn man sich mit anderen Kulturen beschäftigt, sondern ihr Anderssein als solches zu akzeptieren, selbst wenn sie wie die Azteken Menschen zum Opfern geschlachtet haben, um ihre Götter zu besänftigen, und den Weg zum Grab mit tödlichen Fallen bestückt haben, damit niemand es findet. Gerade angesichts der vielen Flüchtlinge ist die Vermittlung einer solchen Haltung besonders anerkennens- und wünschenswertwert.
Mit dem Alpha-Team Kyll und Veronika Floete erweitert sich der Kreis um die Schlangenfrau. Zum Ende hin erfährt der Rezipient, dass auch sie unter Druck steht, alle vier Smaragdplatten möglichst schnell zu finden, und erhält Hinweise, wo weitere versteckt sein könnten. Damit sind Ansatzpunkte gegeben, die Abenteuer von Jake und seiner Familie weiter zu spinnen, worauf sicher viele Leserinnen und Leser warten. Denn nicht nur die actionreiche Spannung, die Dynamik innerhalb der Familie Turner, Erzählperspektive und jugendlicher Sprachstil, immanente Wissens- und Persönlichkeitsbildung nehmen junge und ältere Leserinnen und Leser für die Abenteuer von Jake Turner ein, sondern auch der in intensivem Rot-Orange gehaltene Einband mit einer Zeichnung von Jake und die mit Azteken-Zeichen versehenen Buchschnitte laden dazu ein, den dicken Band in die Hand zu nehmen und in die Erzählung einzutauchen.
[Anmq 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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