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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Naoura, Salah,     
Titel:
Superflashboy und das Geheimnis von Shao-Shao
ISBN:
978-3-499-21823-1  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Schüttler, Kai
Seitenanzahl:
188
Verlag:
Rowohlt, Reinbek
Gattung:
Fantastik
Reihe:
Superflashboy Bd. 2
Jahr:
2019
Preis:
12,99 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Mehmet, Torben-Henriks bester Freund, ist bei seinem ersten Besuch in Hero City entführt worden. Auch andere Kinder werden vermisst. Deshalb ist für Torben klar, dass er sofort zu einer Befreiungsaktion starten muss. Sie führt ihn nach Shao-Shao, wo der seltsame Mr. Pi herrscht. Nur gemeinsam mit seinen Freunden aus Herodonia und der realen Welt kommt Torben dem Geheimnis von Shao-Shao und Mr. Pi auf die Spur, so dass er seine Mission wieder erfolgreich beenden kann.
[Anmq 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
6 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / fantastisch / märchenhaft / Spannung / Komik / Humor / Technik
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Auch wer den ersten Band von Superflashboy nicht gelesen hat, findet sich schnell in der Welt der Protagonisten zurecht. Es gibt Kinder wie Torben, der gern ein Superheld sein möchte, seine Schwester Anna-Lena oder Mehmet, der alle Comics über Kungfuboy verschlingt. Sie haben ihre Entsprechungen in Herodonia, dem Land der Helden, wo die Eltern ihre Kinder aus einem Katalog nach dem Vorbild von Menschenkindern bestellen. Torbens Kopie ist Superflashboy, der aber gar keine Lust hat, wie sein Vater als Held zu arbeiten, sondern lieber Musiker werden und auf Tournee gehen will, denn bei dem Erstellen der Kopien unterlaufen bisweilen kleine Fehler. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Torben ihn immer häufiger bei Rettungsaktionen in Hero City vertritt.
Die Vielzahl der Figuren verlangt aufmerksames Lesen und ein gutes Namensgedächtnis um auseinander halten zu können, wer Mensch und wer Superheld ist, was jüngeren Leserinnen und Lesern sicher leichter fallen dürfte als erwachsenen, weil ihnen altersbedingt Fantasiewelten wie Herodonia naheliegen und sie sich auch oft ein Alter Ego mit denjenigen Eigenschaften wünschen, die sie bei sich als fehlend empfinden.
Verkompliziert wird die Lektüre auch noch, indem die Figuren in diesem Band ihre Welten tauschen und sich gegenseitig vertreten, was vor allem zu Situationskomik führt. So geht Kungfuboy als Mehmet in die Schule, weil der wirkliche Mehmet bei seinem Besuch in Hero City verschwunden ist. Und weil Torben in Herodonia länger als erwartet nach Mehmet sucht, muss auch er in der Menschenwelt vertreten werden, was jedoch nicht durch Superflashboy geschehen kann, weil der seine erste Konzertreise vorbereitet und sich zudem an der Suche nach Mehmet beteiligt. Deshalb bestellt Kungfuboy als Vertreter einen Roboter, der wie Torben aussieht, sich aber anders benimmt, denn Roboter dürfen nicht essen oder duschen, weil sonst ihre Technik Schaden nimmt. Und weil sie so programmiert sind, dass sie keine Fehler machen dürfen, sind Eltern, Lehrer und Mitschüler verwundert, dass Torben plötzlich zum Musterschüler geworden ist und nur noch wenig spricht.
Die Schilderung der Erlebnisse der Superhelden in der Menschenwelt unterbricht immer wieder die Handlung in Herodonia, wohl um die Spannung vor allem für junge Leserinnen und Leser nicht unerträglich werden zu lassen. Denn Torben, Flowerboy, Zorroboy und Flashboy finden Hinweise darauf, dass Mehmet in Shao-Shao sein könnte, der Kung-Fu-Fly-Schule. Dort können Superhelden ihre Kungfu-Techniken optimieren, indem sie lernen zu fliegen. Die Schule ähnelt jedoch eher einem Gefängnis und das Training ist mörderisch. Dank der Hilfe der ehemaligen Schulleiterin Frau Zhang schafft Torben die Aufnahmeprüfung und kann vor Ort nach Mehmet und den anderen verschwundenen Kindern suchen. Dabei entdeckt Torben allmählich, wo sich das Versteck befinden könnte und dass mit Mr. Pi, dem Leiter, etwas nicht stimmen kann. Die Rettungsaktion und die Verwandlung von Mr. Pi in den achtarmigen Kraken Oktopi, der nach der Weltherrschaft strebt, werden zum Horrorszenario, das durch phantastische Elemente wie der Kaktuskanone und den Episoden aus den Familien und der Schule abgeschwächt wird. Zudem tragen die z.T. doppelseitigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen dazu bei sich das Geschehen vorzustellen, aber kindgerecht, denn sie sind durch Typisierungen und Vereinfachungen Comiczeichnungen nachempfunden.
Das spannende und stellenweise auch lustige Abenteuer von Torben und seinen Freunden in der Menschen- und Superheldenwelt dürfte viele Leserinnen und Leser begeistern, wozu zum einen die Handlung, zum anderen aber auch die Zeichnungen sowie Sprache und Erzählweise beitragen. Die Handlung wird in kurzen Kapiteln erzählt, deren prägnante Überschriften das Hauptanliegen des jeweiligen Abschnitts verdeutlichen. Die Sprache ist kindgerecht und dennoch anspruchsvoll. So tragen alle Superhelden englische Namen, die aber Grundschülerinnen und -schülern vertraut sein dürften.
Salah Naoura beweist mit diesem Buch, dass Kinder – und Jugendliteratur durchaus literarisch anspruchsvoll sein kann. Dazu tragen die vielen unterschiedlichen Figuren bei, die Verquickung von Amüsantem und Spannendem, aber auch Symbolik wie die acht Arme des Oktopi, dem die acht gefangenen Kinder entsprechen. Vor allem aber sind es die Welt von Herodonia und die Superhelden, die Reflexion sind für viele Kinderwünsche und -phantasien. Dabei gelingt es dem Autor, beide Welten anschaulich darzustellen ohne zu werten, so dass jede in ihrer Eigenheit gleichberechtigt neben der anderen existiert. Das Bekenntnis zur Vielfalt gipfelt in der Figur von Flowerboy. Er hat Haare wie ein Mädchen und verhält sich auch oft so. Als er erfährt, dass seine Entsprechung in der Menschenwelt „Enya mit den schönen Haaren“ (Seite 137) ist, ändert er seinen Namen um in Gwendolin und ist fortan ein Mädchen.
Fazit: „Superflashboy und das Geheimnis von Shao-Shao“ ist ein spannendes, amüsantes, vielschichtiges und damit sehr empfehlenswertes Buch – nicht nur für Kinder.
[Anmq 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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