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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Porsche, Kuni,     
Titel:
Rotkäppchen
ISBN:
978-3-99053-029-0  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Porsche, Kuni
Seitenanzahl:
14
Verlag:
Residenz, Salzburg
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Edition Kunstschrift
Jahr:
2019
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Das im Original erzählte Märchen Rotkäppchen, nach dem Text der Gebrüder Grimm, wird hier in Querformat DIN A4 künstlerisch ansprechend präsentiert.
Das handliche Buch spricht den jungen und alten Leser sofort durch seinen in warmen Farben gestalteten Einband an. Hierzu wurde gleich eine auch im Buch vorkommende Szene, in der die Mutter Rotkäppchen auf den Weg zur Großmutter schickt, gewählt. Alle sieben Szenenbilder wurden in Aquarell Nass in Nasstechnik dargestellt. Jeweils auf sieben Doppelseiten befinden sich eine Textseite auf der linken Seite und das entsprechende Bild auf der gegenüberliegenden Hälfte. Die Künstlerin wählte überwiegend weiche, warme Farbtöne, die durch die angewandte Technik sanft verlaufen und eine zarte Märchenwelt entstehen lassen. Die klassischen Märchenfiguren in mittelalterlichen Roben werden rundlich, fast kindlich dargestellt. Die Gesichtszüge der Personen sind oft nur angedeutet, aber durch besondere Charakteristika gut erkenn- und unterscheidbar. Der Text auf jeder Seite beginnt stets mit einem großen, verschnörkelten Anfangsbuchstaben und deutet so stets ein weiteres Kapitel an. Der Text ist, da es sich um den Originaltext handelt, in entsprechenden alten Sprach- und Satzformen gestaltet.
[KaCr 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
0 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
fantastisch / märchenhaft / Spannung
       
Anmerkungen:
Dieses Buch ist meiner Meinung nach auch im Seniorenbereich, hier besonders bei dementen Menschen, einsetzbar.
       
Beurteilungstext:
Die klassischen Gebrüder Grimm Märchen haben eine ganz eigene Magie. Sie lassen den Leser nicht nur in das Märchen eintauchen, sondern es verbinden sich sofort die damit verbundenen Kindheitserinnerungen. Wie, wann, wo und durch wen habe ich dieses Märchen kennengelernt? Welche Gefühle haben mich begleitet? War es eine heimelige Atmosphäre? Wurde sie angenehm, weil man wusste: Alle Märchen gehen gut aus, aber etwas Gruseln ist auch spannend? Ich frage mich, ob es der Autorin ebenso erging, als sie sich für diesen Buchinhalt entschied. Die Bilder mit ihren sanften Farben und weichen Konturen nehmen den Betrachter in die märchenhafte Welt mit, lassen aber auch Raum für eigene Phantasien, indem z. B. die Gesichtszüge der einzelnen Personen kaum erkennbar sind und sich so jeder sein eigenes Bild vorstellen kann. Die fast kindlichen Darstellungen lassen fast vermuten, dass es der Autorin wichtig war sich auf ihre Zielgruppe einzustellen und die Bilder als wirkliche Textergänzung wirken zu lassen, ohne die „gruseligen“ Stellen zu sehr zu betonen. Mir gefällt es gut, dass weder die Bilder noch der Text auf die heutige Zeit hin zurechtgeschnitten wurde. Ein Märchen ist ein Kulturgut und hat immer seine Daseinsberechtigung in unserem Literaturangebot. Sicher ist die in unseren Ohren oft holprige Sprache, dem Entwicklungsstand der Kinder entsprechend, durch Erläuterungen oder Erklärungen zu begleiten, damit die Inhalte verstanden werden.
Dadurch, dass die ursprüngliche Fassung verwendet wurde, wird durch den Vorleser ein Weitergeben des Kulturgutes „Märchen“ gewährleistet. Auch ich bin öfter beim Lesen eines dieser Märchen erstaunt, wie sehr diese im Volksmund vereinfacht oder gar gekürzt wurden. Ganz zu schweigen von Veränderungen durch z. B. Disney Produktionen. Sicher werden wir der Sprachschatzverarmung nicht gänzlich entgegentreten können, die uns überall begegnet, doch indem wir alte Märchen vorlesen, erweitern wir diesen mit Sicherheit. Sollte es dann noch gelingen die positiven Emotionen bei den Kindern zu wecken, so wie dies in den Generationen zuvor gelungen ist, halte ich dies für eine gute unterstützenswerte Sache, die durch dieses Buch erfolgt. Besonders die Feststellung, dass dieses Buch Kindheitserinnerungen weckt und Märchen durch eindeutige und klare Botschaften bestechen, könnte ich mir dieses Buch auch gut im Arbeitsbereich mit sehr alten und/oder dementen Menschen vorstellen, da Langzeiterinnerungen gut zu aktivieren sind, besonders, wenn sie mit positiven Gefühlen besetzt sind.
Eine persönliche Anmerkung sei mir noch in Bezug auf die Gestaltung gestattet. In der Szene, in der der tote aufgeschnittene Wolf auf der Erde liegt und das gerettete Rotkäppchen erleichtert die Arme hochreißt und einen Hüpfer andeutet, steht die Großmutter mit gesenktem Blick, der auf ihrer Hand ruht, wobei der Arm angewinkelt ist, scheinbar teilnahmslos daneben. Mein erster Gedanke war: Schaut die Oma auf das Handy? Ich habe dann das Bild meinem Enkel (2,5 Jahre) gezeigt und dieser hat auf meine Frage: Was tut die Frau dort? gesagt: Frau telefoniert. Ich denke, da fließt etwas ein, dass ungewollt war, aber sicher noch für heiteren Gesprächsstoff sorgen wird.
Mein Fazit lautet: Besonders empfehlenswert.
[KaCr 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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