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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Porsche, Kuni,     
Titel:
Dornröschen
ISBN:
978-3-99053-027-6  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Porsche, Kuni
Seitenanzahl:
16
Verlag:
Residenz, Salzburg
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Edition Kunstschrift
Jahr:
2019
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Das im Original erzählte Märchen Dornröschen, nach dem Text der Gebrüder Grimm, wird hier im Querformat DIN A4 künstlerisch ansprechend präsentiert.
Das handliche Buch spricht den jungen und alten Leser sofort durch seinen in warmen Farben gestalteten Einband an. Hierzu wurde gleich die schönste Szene mit dem glücklichen, vereinten Prinzenpaar dargestellt. Alle acht Szenenbilder wurden in Aquarell Nass in Nasstechnik dargestellt. Jeweils auf acht Doppelseiten befindet sich eine Textseite auf der linken Seite und das entsprechende Bild auf der gegenüberliegenden Hälfte. Die Künstlerin wählte überwiegend weiche Farbtöne, die durch die angewandte Technik sanft verlaufen und eine zarte Märchenwelt entstehen lassen. Die dargestellten klassischen Märchenfiguren in mittelalterlichen Roben werden rundlich, fast kindlich dargestellt. Die Gesichtszüge der Personen sind oft nur angedeutet, sind aber durch besondere Charakteristika gut erkenn- und unterscheidbar. Der Text auf jeder Seite beginnt stets mit einem großen, verschnörkelten Anfangsbuchstaben und deutet so stets ein weiteres Kapitel an. Der Text ist, da es sich um den Originaltext handelt, in entsprechenden alten Sprach- und Satzformen gestaltet.
[KaCr 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
0 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
fantastisch / märchenhaft / Gefühle
       
Anmerkungen:
Dieses Buch eignet sich nicht nur für Kinder, sondern ich könnte mir auch einen Einsatz bei alten und/oder dementen Menschen vorstellen.
       
Beurteilungstext:
Ach, Dornröschen, der Klassiker der verträumten kleinen Mädchen. Schnell blättern sich die eigenen Phantasien auf und ein Lächeln stiehlt sich auf die Lippen. Die Zielgruppe ist innerhalb weniger Sekunden geklärt. Mädchen zwischen zwei und hundert. Ein Märchen, das ohne großen Stress dahinplätschert und einen sehr romantischen Rahmen hat. Alle gemalten Szenen sind so gewaltfrei gewählt und dargestellt, dass weder ein Tropfen Blut noch ein Schwert zu sehen sind und nur im Text die besagte Ohrfeige des Küchenjungen auftaucht. Aber, wie in alten Märchen üblich, auch die brutale Wahrheit erzählt wird, dass alle Prinzen, die vor Ablauf der hundertjährigen Schlafzeit zur Prinzessin vordringen wollten, in den Dornen einen traurigen Tod starben.
Weiterhin sind die Personen so dargestellt, dass ich denke, eine malbegabte Zehnjährige könne dies ähnlich vollbringen. Kleine Jungen, vermute ich, werden sich von diesem Buch wohl nicht so begeistern lassen. Mädchen und meiner Meinung nach Senioren und hier besonders demente Menschen, deren Kindheitserinnerung hier angesprochen werden, sind sicher eine begeisterte Leser- und Zuhörerschaft. Die teils nur schemenhaft angedeuteten Gesichtszüge lassen viel Raum für die eigene Phantasie.
Während des Lesens wurde mir bewusst, dass mir einige Textinhalte doch nicht so bekannt waren und wie stark die „Disney“ geprägten Märcheninhalte sich als „ursprünglich“ in unseren Köpfen verankert haben, z.B. war mir die Verkündigung der zukünftigen Geburt durch einen Frosch so nicht bekannt. Da wurde mir klar, dass dem fortschreitenden Einfluss des Kommerzes durch traditionelles Vorlesen etwas entgegengesetzt werden sollte.
Der Text bedeutet sicher eine Herausforderung. Er ist in seiner ursprünglichen Form schon sehr verschieden von unserer gängigen Alltagssprache. Aber gerade darin liegen auch die Chancen, unserer fortschreitenden Sprachverarmung etwas entgegen zu setzen. Wer hat sie nicht im Ohr die Sätze aus der Straßenbahn: "He, Alter, willste knacken?“
Sicher können einzelne Sprachangebote dem nicht flächendeckend etwas entgegensetzen, aber alleine mit solchen Texten erste Erfahrungen zu sammeln wäre bereits ein Gewinn. Damit dies gelingt, muss der Vorleser einfühlsam, dem Entwicklungsstand entsprechend, den Kindern das Märchen nahe bringen. Anfänglich kann es Sinn machen, das Märchen mit eigenen Worten zu den Bildern zu erzählen und lediglich einzelne Sätze im Original einzuflechten und den Textanteil erst nach und nach zu steigern. Oft schrecken die in den Märchen vorkommenden Brutalitäten die Vorleser ab. Doch Kinder ordnen diese sehr schnell in das Märchenhafte ein, übertragen das Gehörte nicht in die Realität. Wohl bekommen die Kinder aber eine Idee von Richtig, Falsch und daraus folgenden Konsequenzen, daher hat das klassische Märchen auch weiterhin seine Bedeutung in der Pädagogik. Neben der Sprachförderung halte ich es für wichtig, Märchen als lebendige, Grundwerte vermittelnde Kulturgüter anzusehen und zu erhalten.
Mein Fazit lautet: Für die oben eingegrenzte Zielgruppe sehr empfehlenswert.
[KaCr 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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